Facebook-Satire Der tote Hund, der Nazis ärgert

Nach Blondi hat die rechte Szene einen neuen Hundestar: Pitbull Odin, erschossen von der Polizei. Eine gefälschte Kondolenz-Seite bei Facebook macht sich nun über Neonazis lustig. Mit Erfolg.

Screenshot: Profilbild der gefakten Solidaritätsseite für Kampfhund Odin

Screenshot: Profilbild der gefakten Solidaritätsseite für Kampfhund Odin


Mit einer Facebook-Seite machen sich bislang Unbekannte über die rechte Szene lustig. Auf den ersten Blick mutet die Seite "RIF Odin treue Seele / Wir vergessen nie" an wie eine Solidaritätsseite für Pitbull-Terrier Odin. Die Polizei in Dortmund hatte den Kampfhund vor zwei Wochen bei einer Razzia gegen Rechtsextreme erschossen, seitdem wird er für braune PR instrumentalisiert. Rechte Demonstranten gingen sogar mit einem "Heute Hunde, morgen Menschen"-Transparent auf die Straße - ein neuer Dreh der schon klassischen rechtsextremen Opferpose.

Wer sich die Beiträge auf der Gedenkseite "RIF Odin" genauer ansieht, erkennt aber, dass es sich bei dem Facebook-Auftritt um Satire handelt. Wirksame Satire offenbar, denn den einen oder anderen Neonazi scheint die Seite zur Weißglut zu bringen.

In einem der Postings steht dort zum Beispiel, "Odin wurde nicht erschossen, er wurde von zionistischen Geheimagenten nach Argentinien entführt, um dort auf einer Kaninchenfarm gemästet zu werden, damit man ihn als Rumpsteak an diese maßlosen Amis verkaufen kann!!!!!" In einem anderen werden die "Kameraden" dazu aufgefordert, eine "überlegene Hunderasse" zu züchten. Immerhin hätten es die "Antifanten" geschafft, einen Vierbeiner zum Astronauten zu machen - gemeint ist der sowjetische Weltraumhund Laika.

Fanartikel sollen außerdem Geld für den Kampf gegen die "Schergen des Systems" beschaffen. Der Erlös aus dem Verkauf einer "Die-Rechte-Hunde-Maske" etwa soll in die Kasse der Partei Die Rechte fließen. Die Kleinstpartei ist seit 2014 im Dortmunder Stadtrat vertreten und gilt als Auffangbecken für verbotene Kameradschaften. Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes nutzt sie "ihren Parteienstatus zur Durchführung neonazistischer Aktivitäten".

Wie das Blog "Ruhrbarone" berichtet, ist vielen mutmaßlichen Anhängern der rechten Szene aber zunächst gar nicht aufgefallen, wem sie da auf den Leim gegangen sind. Zwischenzeitlich hatte die Seite mehr als 700 Likes, die Zahl ist seitdem auf knapp 500 gesunken (Stand Montag, 22.2.2016, 12.48 Uhr).

Inzwischen gibt es sogar - ernst gemeinte - Gegenseiten wie "Gegen den Missbrauch von Odin durch die Antifa". Dort wird beklagt, es sei "respektlos" das Andenken an einen toten Hund für die Zwecke der Antifa zu "missbrauchen". Diese Seite gefällt aber bislang nur vier Personen. Hersteller rechter Propaganda, die schnell Kondolenz-Anstecker mit Odins Konterfei im Angebot hatten, distanzieren sich inzwischen ebenfalls.

Es ist nicht das erste Mal, dass Facebook-Aktionen gegen rechts für Aufsehen sorgen. Bereits am Wochenende hatte ein clever gemachtes Facebook-Posting Fremdenfeinde und Hetzer enttarnt.

ppl

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