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Analyse-Tool: Was Facebook über den Schlafrhythmus seiner Nutzer verrät

Wer ständig online ist, hinterlässt Spuren. Ein Entwickler offenbart mit seinem Programm die Schlafgewohnheiten seiner Facebook-Kontakte. Damit will er auf den Wert der Privatsphäre hinweisen.

Grafische Auswertung des Tools: Dieser Nutzer steht morgens um halb sieben auf und geht um elf Uhr schlafen Zur Großansicht

Grafische Auswertung des Tools: Dieser Nutzer steht morgens um halb sieben auf und geht um elf Uhr schlafen

Der Wecker klingelt, man streckt sich und tastet nach dem Smartphone neben dem Bett: Morgens direkt nach dem Aufwachen und als letzte Aktion vor dem Schlafengehen checken viele der 1,6 Milliarden Facebook-Mitglieder, ob es Neuigkeiten im Netzwerk gibt.

Mit dieser Gewohnheit verraten sie der Welt allerdings auch ihren Tagesrhythmus. Wie einfach es ist, durch die Facebook-Nutzung Rückschlüsse auf den Tagesablauf der Nutzer zu ziehen, demonstriert der dänische Entwickler Søren Louv-Jansen mit einem kleinen Tool namens FB-Sleep-Stats.

Es analysiert die Aktivitätsdaten des Facebook-Messengers, der die Uhrzeiten protokolliert, wann ein Nutzer online ist. Diese Daten sind kein Geheimnis, sie erscheinen zum Beispiel in der Seitenleiste des Messengers wie auch auf der Desktop-Website des sozialen Netzwerks. Das kleine Programm geht dann alle zehn Minuten durch die Facebook-Kontaktliste des Nutzers und setzt sie dann zu einer Analyse zusammen.

Wer ständig online ist, hinterlässt Spuren

Das Programm produziert eine grafische Aufbereitung der Daten. Aufgrund dieser Informationen lasse sich dann relativ zuverlässig vorhersagen, wann jemand wach sei oder schlafe, erklärt der Entwickler auf der Blogging-Seite "Medium". Mit FB-Sleep-Stats kann so jeder eine ziemlich genaue Vorstellung von den Schlafgewohnheiten seiner Mitmenschen bekommen.

Den Quellcode für sein Ende 2015 entwickeltes Analyse-Tool hat Louv-Jansen auf der Code-Plattform Github hochgeladen. Jeder Interessent kann sich also das Tool von dort herunterladen und selber einsetzen.

Die Idee zu seinem Analyseprogramm hatte Louv-Jensen, als er über seine tägliche Facebook-Nutzung nachdachte, schreibt er auf "Medium". Dass nicht nur Facebook, sondern auch die Freunde Dinge über einen erfahren können, die man gar nicht bewusst mitteilt, findet Louv-Jensen "gruselig".

Facebook protokolliert minutengenau, wann jemand online ist Zur Großansicht

Facebook protokolliert minutengenau, wann jemand online ist

Mit seinem Tool will er darauf hinweisen, in welchem Ausmaß jeder Einzelne tagtäglich digitale Fußspuren hinterlässt, ohne darüber nachzudenken. "Die Menschen sollten sich darüber bewusst sein, dass sie nicht alleine sind, egal, was sie tun. Irgendjemand beobachtet sie immer", sagte Louv-Jensen der "Washington Post". Er wolle Facebook keine Vorwürfe machen oder sagen, das Unternehmen sei schlecht. "Das ist einfach ein Nebeneffekt dessen, das sie tun."

Facebook war laut dem Entwickler nicht begeistert

Bei 30 Prozent seiner Kontakte arbeite sein Programm sehr exakt, schätzt der Däne. Bei den restlichen 70 Prozent seien die Ergebnisse immer noch zufriedenstellend. Von Montag bis Freitag seien die Schlaf-Schemata sehr einheitlich, um dann an den Wochenenden zufälligen Mustern zu folgen.

Beim sozialen Netzwerk zeigten sich die Verantwortlichen von der Entwicklung des Dänen wenig begeistert. Vergangene Woche kontaktierte Facebook Louv-Jansenlaut dessen eigener Aussage und beschwerte sich. Das Unternehmen habe ihm mitgeteilt, sein kleines Programm verstoße gegen die Nutzungsbedingungen des sozialen Netzwerks. Er solle andere von der Verwendung abhalten.

Er selbst, so Louv-Jansen, habe aufgehört, das Programm zu verwenden. Allerdings wolle er es nicht von Github entfernen. Auch wenn sein Projekt Menschen erschrecken könnte, glaubt Louv-Jansen an die positiven Effekte seiner Idee. "Ich bin nicht stolz darauf, dass Leute damit ihre Freunde ausspionieren können. Aber vielleicht macht es allen stärker bewusst, welche Konsequenzen unsere Handlungen haben."

meu

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1.
orosee 03.03.2016
Hat man Messenger auf dem Smartphone installiert, ist man doch ständig "online" (das Programm läuft immer im Hintergrund). Das könnte die mangelnde Präzision (30%) erklären. Ich habe schon oft von meiner Mutter die Nachricht bekommen, ob ich um 4 Uhr "schon oder noch wach" bin (8 Stunden Zeitunterschied - wir gaben beide normale Schlafzeiten). Am PC ist es wohl präziser.
2. Verstehen sie was da gesagt wird?
daten.waesche@gmail.com 04.03.2016
Verkehrsdaten sind wertloser, namenloser, rechtloser Datenstaub, Abfall sozusagen. Wir blicken immer auf unsere Daten, die wir schützen wollen. Das neutrale Rauschen in der Luft, das keine Namen kennt, hat einen Knackpunkt. Orte wo das Rauschen leiser wird, wo Telefone ruhen, oder an Arbeitstellen nicht benutzt werden dürfen entstehen genau die obigen Grafiken. Und wupps hat das Rauschen eine Adresse.....und mit der Arbeitsstelle eine 2. und die zusammen definieren eine Person und schon ist das Rauschen alles, was man über alle wissen will. Wenn das nicht langsam in unser Köpfe geht, werden wir nie mehr ein Meinung haben oder eine Macht über unser Leben. DENN was das heißt, was sie da sehen heißt: FB hat Macht und Allwissenheit und wir rechtlos, fressen ihre (evtl) manipulierten LIKES.....
3. Daten der Nutzer ausschnüffeln und verkaufen
reifenexperte 04.03.2016
ist natürlich Facebook selbst vorbehalten.
4. Der Mann klärt auf,
aurichter 07.03.2016
auch wenn es viele Nutzer gar nicht interessiert, im Gegensatz zu Facebook, die öffentlich dem Entwickler eine Beschwerde unterjubeln, aber vermutlich andererseits das Tool dazu nutzen, um die ekelhafte und teilweise kriminelle Werbung noch gezielter einzusetzen. Dies wirft dann auch die Frage auf, inwieweit bspw Fremde aber auch kriminelle Energie das Tool zum ausspionieren benutzen kann. Mir wäre es zum Bleistift unangenehm, wenn Banden genau wüssten, wann bei uns im Haus Ruhezeit herrscht oder anhand des Profils evtll auf Abwesenheit Rückschlüsse gezogen werden. Wirft schon Fragen auf.
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