Facebook erklärt Regeln für Inhalte Mutterbrust rein, Pobacken raus

Was darf rein, was nicht? Nachdem Facebook oft für seinen Umgang mit unerwünschten Inhalten kritisiert wurde, erklärt das soziale Netzwerk jetzt ausführlich sein Regelwerk.

Facebook-Logo auf einem Smartphone: Der Konzern erklärt sein Regelwerk
DPA

Facebook-Logo auf einem Smartphone: Der Konzern erklärt sein Regelwerk


Menlo Park - Facebook informiert seine Nutzer künftig ausführlicher darüber, welche Inhalte im weltgrößten Onlinenetzwerk verboten sind und entfernt werden, falls jemand sie dennoch dort einstellt. In der Nacht zum Montag wurde dafür eine neue Version der sogenannten "Gemeinschaftsstandards" veröffentlicht. "Wir ändern unsere Regeln nicht, sondern wollen den Nutzern nur mehr Klarheit darüber verschaffen, wo und warum wir Grenzen einziehen", sagte die zuständige Facebook-Managerin Monika Bickert der dpa.

Statt eines einzelnen Textes mit elf Kapiteln gibt es nun eine Website mit Links zu verschiedenen Themen und mehr Beispielen als bisher. Neu sind Abschnitte über sexuelle Ausbeutung und Inhalte terroristischer Organisationen. Es seien aber in allen Fällen dieselben Regeln, nach denen Facebook schon vorher gehandelt habe, betonte Bickert. Ihr Team mit nach ihren Angaben Hunderten Mitarbeitern sei dafür zuständig, verbotene Inhalte aus dem sozialen Netzwerk zu entfernen.

Ausführlicher wird nun zum Beispiel der Umgang mit Nacktheit erklärt: "Wir entfernen Fotos von Personen, auf denen Genitalien oder vollständig entblößte Pobacken zu sehen sind. Außerdem beschränken wir Bilder mit weiblichen Brüsten, wenn darauf Brustwarzen zu sehen sind." Fotos von Frauen beim Stillen oder Vernarbungen nach Brustamputationen seien jedoch in jedem Fall erlaubt.

Die Prüfer können nicht alles sehen

Facebook hat nahezu 1,4 Milliarden Nutzer. Die Regeln umzusetzen, sei nicht nur wegen der Dimension eine große Herausforderung, sagte Bickert, eine frühere US-Staatsanwältin. So müssten ihre Mitarbeiter mit wenig Kontext erkennen, ob ein Facebook-Eintrag zum Beispiel Mobbing oder Gewaltverherrlichung darstelle.

"Selbst ein Foto aus der Schule, unter dem einfach nur "Nettes Kleid" steht, kann unter Umständen als Mobbing gemeint sein", gab sie zu bedenken. "Ähnlich kann ein Bild, auf dem Gewalt zu sehen ist, geteilt werden, um sie zu verurteilen - oder um sie zu zelebrieren." Im ersten Fall würde Facebook das Foto grundsätzlich zulassen, aber unter Umständen als nur für Erwachsene empfohlen markieren.

"Inhalte, die Nutzer bei Facebook melden, werden grundsätzlich von Menschen geprüft", sagte Bickert. Die Entscheidungen erforderten eine menschliche Abwägung. Die Prüfer seien über die Welt verteilt, es gebe Spezialisten für verschiedene Sprachen. Zugleich gebe es Grenzen dafür, was ihre Mitarbeiter sehen könnten. "Sie sollen genug Informationen haben, damit sie eine bewusste Entscheidung über Inhalte treffen können." Die Prüfer erhielten aber keinen ausufernden Zugang: "Wenn zum Beispiel ein Foto als Mobbing gemeldet wird, bekommen sie nur das Foto plus etwas Kontext dazu zu sehen."

Software sucht automatisch nach verbotenen Inhalten

Facebook verlasse sich weitgehend darauf, dass die Nutzer problematische Inhalte selbst melden, betonte Bickert. "Nur in einigen Bereichen, vor allem, wenn es um die Sicherheit von Kindern geht, haben wir eine Software im Einsatz, die aktiv nach Inhalten sucht", sagte sie. Sie nannte nicht, für welche weiteren Bereiche das noch gilt.

Facebook war in der Vergangenheit immer wieder wegen Entscheidungen zu einzelnen Inhalten kritisiert worden, etwa wenn Bilder von Protesten oder Fotos von Kunstwerken mit Nacktheit entfernt wurden. Die Veröffentlichung der ausführlicheren Regeln solle das Verfahren dahinter verständlicher machen, sagte Bickert. "Es ist eine große Herausforderung, einheitliche Regeln für die ganze Welt aufzustellen."

mak/dpa

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
aurichter 16.03.2015
1. Warum müssen Regeln für die ganze Welt aufgestellt werden?
Merkwürdige Argumentation. Facebook sollte versuchen bei aller Gewinnmaximierungssucht auch noch Menschen in den Regionen und Ländern dahinter entscheiden lassen, was akzeptabel ist und was nicht, ohne in der "Privatsphäre" der Nutzer herum zu schnüffeln, was ja sowie millionenfach tagtäglich passiert. Wer bei dieser Plattform entscheidet eigentlich in letzter Instanz? Alles sehr undurchsichtig in meinen Augen.
JEngbers 16.03.2015
2.
Zitat von aurichterMerkwürdige Argumentation. Facebook sollte versuchen bei aller Gewinnmaximierungssucht auch noch Menschen in den Regionen und Ländern dahinter entscheiden lassen, was akzeptabel ist und was nicht, ohne in der "Privatsphäre" der Nutzer herum zu schnüffeln, was ja sowie millionenfach tagtäglich passiert. Wer bei dieser Plattform entscheidet eigentlich in letzter Instanz? Alles sehr undurchsichtig in meinen Augen.
Der Betreiber natürlich...und der entscheided nach seinen eigenen maßgeblichen moralischen Grundwerten. Dass hier demzufolge auch dem RdW am Ende eine sehr "anglo-amerikanische" Kommunikations- und Medienkultur übergestülpt wird ist doch kein Wunder. Da ist die amerikanische der europäischen Kultur aber z.B. noch näher als einige andere...es könnte also "schlimmer" sein. Wer sich daran stört sollte auf Alternativen ausweichen.
oliverkremer 16.03.2015
3. Wie sonst?
Mal theoretisch: was würde passieren, wenn die sich gar nicht kümmern würden? Wahrscheinlich würden wir alle ständig entsetzt mit dem Finger auf das Netzwerk zeigen und "oh jemineh" rufen... Nehmen wir mal die "sichtbaren Brustwarzen", weibliche wohlgemerkt und ausgenommen stillende und brustamputierte. Klar mit 18 kann man machen was man will, mehr oder weniger. Wer aber würde entscheiden, wie alt die abgebildete Person ist? Das führt mitten in die Edathy-Debatte. Die Facebook-Bickert hat schon in einem Punkt recht: es jedem recht zu machen ist eine echte Herausforderung. Ich halte den eingeschlagenen Weg einstweilen für ganz richtig. Das sollte aber niemanden hindern, sachliche Kritik im Einzelfall zu üben.
altebanane 16.03.2015
4. Tierquälereien
Ich werde mir bei Gelegenheit das Regelwerk zu Gemüte führen, aber ich habe mich schon oft darüber aufgeregt. Ich bin im Tierschutz aktiv, habe viele FB-"Freunde", die das ebenfalls sind und wurde bis neulich, als ich vor lauter Zorn ganz viele Leute ent"followed" habe, beinahe täglich mit übelkeitserregenden Dingen überfallen. Mehrfach habe ich versucht, entsprechende Seiten zu melden, und da man da nicht so viel Auswahl hat, blieb im Endeffekt nur der Meldegrung "violence". Das wurde jedesmal von FB abgelehnt. Es ist also keine Brutalität, lebenden Wesen unaussprechliche Dinge anzutun, die, wenn ich sie heir schildern würde, dazu führen würden, dass dieser Forensbeitrag zensiert wird. Aber bei FB ist es normal, so etwas zu zeigen. Und zwar mit dem Hintergrund der Gewinnerzielung oder der sexuellen Perversion. Ich werde nie verstehen, warum das legal sein soll, nur weil der europäische Sitz in Irland ist. Nie, nie, nie.
sakshin 16.03.2015
5. Was erlaubt ist...
... ist bei FB scheinbar Rassismus und Islamfeindlichkeit in allen seinen Formen. Und dass, obwohl es eigentlich klar gegen die Gemeinschaftsstandarts verstößt. Das ist leider eine Erfahrung, die ich immer wieder mache. Ich melde rassistische Diffarmierungen, aber bekomme immer bloß geschrieben, dass der betreffende Post nicht gegen die Gemeinschaftsstandarts verstößt. Bei FB scheint die Meinung zu herrschen, dass eine nackte Brust viel schlimmer ist als rassistische Verunglimpfungen.
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