Gelöschte Inhalte Facebook ermöglicht Widerspruch

Bisher hatten Facebook-Nutzer keine direkte Möglichkeit, sich gegen die Löschung ihrer Inhalte zu wehren, wenn das Unternehmen einen Verstoß gegen seine Richtlinien erkannt hatte. Das soll sich noch in diesem Jahr ändern.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg vor dem Logo seines Unternehmens
DPA

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg vor dem Logo seines Unternehmens


Erstmals wird Facebook seinen Nutzern die Möglichkeit geben, der Löschung ihrer Beiträge zu widersprechen. Die Funktion soll bis Jahresende weltweit eingeführt werden und für Fälle gelten, in denen Inhalte entfernt wurden, weil sie vermeintlich gegen Facebooks sogenannte Gemeinschaftsstandards verstoßen.

Im Einzelnen soll es um Nacktheit, Hassbotschaften oder Gewaltdarstellungen gehen. Weitere Kategorien sollen folgen. Die Beschwerden würden dabei typischerweise binnen 24 Stunden erneut geprüft, teilte Facebook mit.

In der Vergangenheit hatte es mehrere Fälle gegeben, in denen Facebook zum Beispiel historisch bedeutsame Fotos oder Bilder von Kunstwerken gelöscht hatte, weil diese angeblich gegen die Gemeinschaftsstandards verstießen. Sie wurden erst auf öffentlichen Druck hin wieder sichtbar gemacht, wie im Fall des Bildes "Die Freiheit führt das Volk" des französischen Malers Eugène Delacroix aus dem Jahr 1830, auf dem eine barbusige Freiheitskämpferin zu sehen ist.

Keine Reaktion auf das NetzDG

Facebook veröffentlichte zudem die internen Richtlinien, nach denen es seine Gemeinschaftsstandards durchsetzt. Das solle Nutzern "helfen zu verstehen, warum wir bei Grenzfällen wie entscheiden". Facebook-Managerin Siobhan Cummiskey sagte allerdings, man habe "einige Details zurückgehalten, "weil wir nicht wollen, dass Leute das System austricksen können".

Das deutsche Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) sieht zwar theoretisch ebenfalls eine Widerspruchsmöglichkeit für Nutzer vor, wenn sie der Ansicht sind, ihre Inhalte seien fälschlicherweise als illegal eingestuft worden und deshalb in Deutschland nicht mehr sichtbar. Allerdings müssen die Netzwerkanbieter eine Beschwerdestelle nur unter ganz bestimmten Bedingungen einrichten, die momentan - auch vier Monate nach vollständigem Inkrafttreten des Gesetzes - noch nicht erfüllt sind.

pbe/dpa

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roman_archner 25.04.2018
1. Von wegen Rückmeldungen...
Wenn die Kommunikation so weiter klappt sehe ich schwarz für diesen "Kommunikations-Konzern"... Wie bei (fast) allen amerikanischen Konzernen wird für diesen Aktivposten viel zu wenig Geld in die Hand genommen... nicht einmal über Email, geschweige denn in deren System bekommt man richtige Antworten. Die haben Textbausteine & Angst davor verklagt zu werden. Alles was in Amerika "social" ist darf nix kosten... Ein Trend der leider auch bei uns in Deutschland immer mehr Einzug hält...
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