Kontext-Button auf Facebook Nutzer sollen Quellen selbst beurteilen können

Mit einem Kontext-Button will Facebook seine Nutzer dazu bringen, die Quellen in ihrem News Feed zu prüfen. Ob die seriös sind oder Propaganda-Accounts, sollen unter anderem Wikipedia-Informationen zeigen.

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Sind das nun gezielt gestreute Falschnachrichten in der Timeline oder nicht? So etwas ist selbst für professionelle Faktenchecker nicht immer sofort ersichtlich, aber Facebook versucht, seinen Nutzern zumindest einige hilfreiche Informationen zu liefern. Dazu hat Facebook am Donnerstag den sogenannten Kontext-Button in Deutschland und anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien, Polen und Spanien eingeführt. In den USA, Großbritannien und einigen anderen Ländern gibt es ihn schon seit einigen Wochen oder Monaten.

Der Knopf soll über Artikeln erscheinen, die im News Feed geteilt werden. Noch ist der Button allerdings nicht für alle Nutzer sichtbar, wie der SPIEGEL bei Tests mit zwei Konten feststellte.

Wer das kleine "i" sieht und darauf klickt, landet auf einer Übersichtsseite. Dort werden eine Wikipedia-Kurzbeschreibung zur Quelle angezeigt, außerdem weitere Nachrichten zum Thema und eine Übersichtskarte, die veranschaulicht, wo sich der Artikel verbreitet hat. Eine Liste zeigt zudem, welche Freunde den Link bereits geteilt haben.

Weitere Funktionen sollen folgen

Die Nutzer sollen mit diesen Hilfsmitteln prüfen können, ob der Seitenbetreiber bei Wikipedia als seriöses Nachrichtenmedium eingestuft wird, ob auch andere Seiten das Thema behandeln und in welchen Nutzerkreisen eine Nachricht kursiert.

Man wolle "Kontext zu den Nachrichten im Newsfeed hinzufügen", heißt es in einem Blogbeitrag von Facebook. Künftig sollen weitere Funktionen ergänzt werden, damit Nutzer "selbst entscheiden können, was sie lesen, wem sie vertrauen und was sie teilen".

Facebook ringt seit dem US-Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2016 um das Vertrauen von Nutzern und Politik. Der Vorwurf lautet, Facebook ermögliche vor allem in Wahlkampfzeiten die versuchte Manipulation der Wähler zum Beispiel durch Falschmeldungen und gezielte Anzeigenkampagnen.

Im Kampf gegen Falschnachrichten und Propaganda fragt Facebook unter anderem die Glaubwürdigkeit von Nachrichtenseiten bei Nutzern ab. Außerdem hat das Unternehmen einige Organisationen dafür engagiert, Falschmeldungen zu erkennen und richtigzustellen.

Ob der neue Button die Nutzer wirklich davon abhält, Falschnachrichten zu verbreiten, bleibt ungewiss. Bereits zum Start der Funktion in den USA hatten sich Journalisten gefragt, ob ein Wikipedia-Auszug wirklich der große Wurf sei, um die Medienkompetenz zu verbessern.

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insgesamt 1 Beitrag
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StFreitag 26.10.2018
1. Wie albern!
Nicht ohne Grund wird Wikipedia u.a. bei wissenschaftlichen Arbeiten nicht als seriöse Quelle betrachtet.
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