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Facebook-Horrorfilm: "Die Leute fürchten, dass sie jemand ausspioniert"

Jason Zada wurde berühmt, indem er Internetnutzer auf Wunsch in tanzende Weihnachtselfen verwandelte. Nun hat der Regisseur einen personalisierten Facebook-Horrorfilm gedreht. Millionen Menschen erlaubten ihm Zugriff auf ihre Konten. Im Interview erklärt Zada, wie er das angestellt hat.

Take This Lollipop

SPIEGEL ONLINE: Fast zwei Millionen Menschen haben Ihnen in den letzten Tagen über die Web-Seite "Take This Lollipop" Zugriff auf ihr Facebook-Profil gewährt. Ist das nicht merkwürdig?

Zada: Es ist unfassbar. Ich habe gerade erst einen Blick auf die aktuellen Zahlen geworfen, und sie steigen ständig.

SPIEGEL ONLINE: Sie scheinen mit Ihrem personalisierten Horrorfilm einen Nerv getroffen zu haben.

Zada: Nur 24 Stunden nachdem die Seite gelauncht wurde, hatten schon über 300.000 Menschen mitgemacht. Ich habe noch nie erlebt, dass etwas im Internet so schnell durchstartet. Und das nur über Mundpropaganda.

SPIEGEL ONLINE: Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Zada: Der Erfolg basiert sicher nicht nur auf der Idee, sondern auch auf der Umsetzung. Ich bin immer dafür, einfache aber wirklich gute Sachen zu machen. In diesem speziellen Fall drückst du einen Knopf, gibst deine Facebook-Zugangsdaten ein, und zwei Minuten später siehst du dein Profil in einem Horrorfilm - und hast hoffentlich mehr Angst als zuvor.

SPIEGEL ONLINE: Wollen sich die Menschen gern fürchten?

Zada: Es hat sicher geholfen, die Seite in einer Zeit zu machen, zu der jeder gewillt ist, Angst zu haben. Ich liebe Halloween. Und ich liebe Horrorfilme. Beides zusammen ist eine tolle Kombination, anscheinend nicht nur für mich.

SPIEGEL ONLINE: Warum haben Sie sich Facebook als Schauplatz ausgesucht?

Zada: Ich achte darauf, worüber Menschen reden und was sie beschäftigt. Die meisten sind mindestens einmal am Tag auf ihrem Facebook-Profil und fürchten nichts mehr, als dass sie jemand ausspioniert. Mir geht es genauso.

SPIEGEL ONLINE: Umso verwunderlicher, dass Ihnen derartig viele Menschen freiwillig den Zugriff auf ihr Profil gewähren.

Zada: Das stimmt, aber natürlich verwenden wir die Daten nicht. Trotzdem bin ich erstaunt.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Projekt passt vielleicht besser in die Debatte zur Datensicherheit als zu Halloween.

Zada: Ach, die Privatsphäre ist eigentlich tot. Es sind so viele Informationen über uns im Internet. Und in zehn Jahren werden wir alle noch viel intensiver miteinander verbunden sein, da gibt es wahrscheinlich keine Geheimnisse mehr.

SPIEGEL ONLINE: Ist das nicht beängstigend?

Zada: Sehr. Andererseits habe ich die letzten Jahre damit verbracht, Sachen für das Internet zu produzieren. Mit dieser Schnelligkeit kann man nirgendwo sonst seine Arbeit allen auf der Welt zugänglich machen. Für mich ist die Geschwindigkeit, mit der eine Idee umgesetzt werden kann, sehr wichtig.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Zada: Das entspricht meinem Charakter. So war das auch bei dem Facebook-Projekt: Als ich die Idee im Kopf hatte, habe ich sofort mit der Verwirklichung angefangen und nichts anderes mehr gemacht. Eine Woche saß ich an dem Skript, dann wurde gefilmt, und drei Wochen später war es online. Eine Art Schnellschuss.

SPIEGEL ONLINE: Der internationale Erfolg der Internetseite "Elf Yourself" hat Sie im Jahr 2006 bekannt gemacht. Haben Sie es nicht doch darauf angelegt, Ihren alten Rekord zu brechen?

Zada: Nein. Ich habe tatsächlich nicht mal daran gedacht, als wir "Take This Lollipop" gelauncht haben. Und nun sagen so viele Leute: "Wow, du hast es zweimal geschafft. Kannst du das noch mal?"

SPIEGEL ONLINE: Können Sie?

Zada: Derartigen Erfolg zu wiederholen, ist wirklich schwer. Einmal so etwas in deiner Karriere zu erleben, ist großartig. Ein zweites Mal schon pures Glück.

Das Interview führte Anne Backhaus

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Zur Person
  • Jason Zada
    Jason Zada, Jahrgang 1974, begann im Alter von acht Jahren Kurzfilme auf einer Super-8-Kamera zu drehen. Inzwischen ist er ein erfolgreicher Regisseur von Musikvideos und Virals wie "Elf Yourself", eines der am häufigsten verbreiteten Web-Videos. Seine Karriere startete Zada, der sich gern selbst als Computerfreak bezeichnet, in der Werbung. Im Jahr 2000 gründete er die Agentur "Evolution Bureau" (EVB). Spezialisiert auf digitale Anzeigen und internetbasierte Kampagnen, baute er die Firma zu einem Unternehmen mit 65 Mitarbeitern aus. 2008 verließ Zada EVB, um sich als Regisseur zu verwirklichen. Seit 2009 ist er bei der Produktionsfirma "Tool of North America". Zada lebt und arbeitet in Los Angeles und San Francisco.


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