Facebook-Hype Schlau wie Bill

Ein Strichmännchen namens Bill lehrt uns auf Facebook, was schlau ist - und was nicht: "Candy Crush"-Nachrichten zu senden, ist zum Beispiel nicht smart. Müssen wir jetzt alle sein wie Bill?

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Screenshot der Facebook-Seite: Sei wie Bill

Screenshot der Facebook-Seite: Sei wie Bill


Ein Strichmännchen namens Bill sorgt gerade für Furore auf Facebook. Mehr als 1,3 Millionen Mitglieder des sozialen Netzwerks haben beim Profil der Zeichenfigur schon den "Gefällt mir"-Button gedrückt. Dabei gibt Bill nichts weiter als Verhaltenstipps, vor allem fürs Online-Leben. Die sind allerdings oft ziemlich komisch und fast immer gegen die allgemeine Erwartungshaltung gerichtet. Die einfachen Zeichnungen sind stets mit der gleichen Formel kombiniert: "Bill ist schlau. Sei wie Bill."

Seit Bills Facebook-Profil Anfang Januar online gegangen ist, hat sich der freundliche Ratgeber zu einem regelrechten Netz-Meme entwickelt. Sein Erfinder Eugeniu Croitoru stammt aus Moldawien. Inzwischen lebt der Zeichner, der sich selbst als Internetunternehmer bezeichnet, in Mailand. Der BBC sagte er, die Grundidee sei ganz einfach: "Bill kann jeder sein, der schlau ist, gesunden Menschenverstand hat und niemanden belästigt." Außerdem verfüge Bill über Selbstironie.

Be like Bill

Posted by Be like Bill on Donnerstag, 7. Januar 2016

So ist Bill zum Beispiel trendgemäß ein Veganer. Aber: "Bill erzählt es nicht jedem. Bill ist schlau. Sei wie Bill." Und trotz - oder wegen - der großen Facebook-Beliebtheit erklärt die Figur ihrer Fangemeinde, Bill sei zwar auf Facebook, aber er wisse, dass weder Menschen sterben noch Waisenkinder Krebs bekommen, wenn er nicht auf den "Gefällt mir"-Button drückt. Schließlich sei Bill kein Idiot.

Be like Bill and please do not do such idiotic things

Posted by Be like Bill on Sonntag, 17. Januar 2016

Natürlich mag Bill auch Musik. "Aber er weiß, dass nicht jeder hören möchte, was er morgens um halbsieben im Zug hört. Bill ist rücksichtsvoll. Sei wie Bill."

Please, Be like Bill.

Posted by Be like Bill on Montag, 18. Januar 2016

Einer Menge Facebook-Nutzer dürfte Bill mit dieser Mitteilung aus dem Herzen sprechen: "Bill spielt 'Candy Crush'. Trotzdem schickt er nicht Tausende von Benachrichtigungen an seine Kontakte. Er weiß, dass diese Spiele den meisten scheißegal sind."

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Posted by Be like Bill on Donnerstag, 7. Januar 2016

Der schlaue Bill gefällt nicht jedem. Ein Kritiker hat einen seiner wohlmeinenden Ratschläge mit einer Parodie auf die Zeichnungen kommentiert: "Das ist Bill. Niemand interessiert sich für Bill. Also hau ab, Bill." Andere gingen weiter und haben ein Facebook-Profil für einen Anti-Bill eingerichtet, Motto: "Sei nicht wie Bill".

Es gibt aber auch sehr viel freundlichere Persiflagen. So wie ein Bild mit einer Schildkröte: "Schildkröten tun nichts und leben 150 Jahre. Schildkröte ist schlau. Sei wie Schildkröte."

Be like Bill has some serious competition :(

Posted by Be like Bill on Montag, 18. Januar 2016

Bills Erfolg hat schon die ersten Nachahmer auf den Plan gerufen. Nur kurz nach dem Start des englischsprachigen Originals erschien ein arabischer Ableger. Mit seinen Benimmtipps hat Bilal - so lautet sein arabischer Name - bereits knapp 300.000 Likes gesammelt. Bill gibt seine Hinweise außerdem auf Italienisch und als José auf Spanisch. Die deutschsprachige Version macht dagegen noch einen ziemlich kümmerlichen Eindruck.

Dass Bills Tipps auf Dauer ein bisschen altklug und besserwisserisch wirken, ist Erfinder Croitoru wohl bewusst. Drum erklärt er auf einem Bild, Bill gebe eine Menge Hinweise. "Aber Bill möchte, dass du deine eigene Persönlichkeit zeigst und nicht wie alle anderen bist. Sei schlau. Sei du selbst."

Be smart. Be yourself.

Posted by Be like Bill on&;Montag, 11. Januar 2016

Vom Planking bis zu Bananen gegen Rassismus – Die größten Facebook-Hypes der vergangenen Jahre
Planking (2011)

Beim Planking liegen die Nutzer auf dem Bauch, schauen nach unten und legen die Arme an den Körper. Wie ein Brett harren Menschen dann an den unmöglichsten Orten aus: auf Stuhllehnen, auf Straßenschildern oder auf Schreibtischen.
Mehr Planking-Bilder finden Sie hier.

Stocking (2011)

Beim Stocking geht es darum, Bilder von Fotoportalen wie Shutterstock und iStockphoto nachzustellen. Das sind Onlinearchive, die lizenzfreie Fotos für vergleichsweise geringe Preise anbieten.
Mehr übers Stocking lesen Sie hier.

Horsemaning (2011)
Ralf Diekmann

Beim Horsemaning wird auf einem Foto ein geköpfter Mensch nachgestellt. Dazu wird Person A so fotografiert, dass ihr Kopf nicht zu sehen ist und Person B taucht so im Bild auf, dass nur ihr Kopf zu sehen ist. Einen Artikel zum Thema finden Sie hier.

Cat Beard (2013)

Beim Cat-Beard-Webtrend halten sich Katzenbesitzer ihre Haustiere so vors Gesicht, dass man meint, sie hätten einen Bart. Wegen der Form des Katzenmundes sieht es dann so aus, als würden den Menschen die Mundwinkel herunterhängen.
Hier erfahren Sie mehr.

Harlem Shake (2013)
YouTube

Ein "Harlem Shake" dauert 30 Sekunden. 15 Sekunden lang gehen die Teilnehmer einer ruhigen Alltagsaufgabe nach. Unter ihnen ist eine auffällig verkleidete Person, die unbeirrt einen minimalistischen Tanzmove wiederholt. Plötzlich sagt eine Stimme "Do the Harlem Shake!" - und nach einem Filmschnitt sind alle verkleidet und geben sich exzessiven Bewegungen hin. Hier lesen Sie mehr über das Phänomen.

Ice Bucket Challenge (2014)
Getty Images

Bei der Ice Bucket Challenge schütten sich Internetnutzer einen Eimer mit Eiswasser über den Kopf. Eigentlich sollen Teilnehmer die kalte Dusche nur dann wählen, wenn sie kein Geld für Patienten der unheilbaren Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) spenden wollen. Viele Nutzer machen beides.
Mehr zum Thema hier.

Biernominierung (2014)
Privat

Einen halben Liter Bier in einem Zug trinken und drei weitere Leute nominieren: So einfach geht die Biernominierung. Wer die Nominierung innerhalb von 24 Stunden nicht einlösen kann, gilt als Verlierer.
Hier finden Sie einen Artikel zur Biernominierung.

Bananen gegen Rassismus (2014)
AP

Es begann mit einer rassistischen Geste: Der Barcelona-Fußballer Dani Alves wurde im Stadion mit einer Banane beworfen. Aber Alves nahm es mit Humor und aß die Banane auf. Im Netz tauchten zig solidarische Selfies von Fußballern und Fußballfans auf, die eine Banane essen. Später stellte sich heraus, dass die Selfie-Aktion offenbar in Zusammenarbeit mit einer Werbeagentur geplant worden war.
Mehr zum Thema erfahren Sie hier.

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Nonvaio01 20.01.2016
1. Bill
is cool......Bill ist eigenlich nur die erinnerung an common sense...nichts weiter
Wayne2000 20.01.2016
2. Oder Max...
Max sieht dass es schneit Max postet es aber nicht auf Facebook weil er weiß, dass seine Freunde auch ein Fenster haben. Max ist klug. Sei wie Max!
franz von list 20.01.2016
3. Anfang der 80ziger
gab es von zweiten deutschen Bands schon die Ehrung von Paul. paule heisster ist Bademeister von die Ärzte und Paul lass es sein von Spliff. nimmt man noch Fehlfarbens gottseidank nicht england dazu weiss man genug über Bill
simon_szustkowski 20.01.2016
4. Sechs, setzen
"Super" recherchiert. So wie wohl meistens, wenn "große" Medien verzweifelt versuchen, auf den Hypetrain aufzuspringen, um Klicks zu generieren. Was hierbei aber, wie so üblich, unter den Tisch fällt, ist die Wahrheit. Eugeniu Croitoru ist keinesfalls der "Erfinder", und das Meme gibt es mitnichten erst seit Anfang Januar. Es lassen sich Posts zurückdatieren bis auf September 2015, wo das Bild erstmals auf imgur auftauchte (https://imgur.com/gallery/JnME56s) und von dort aus schon langsam verbreitet wurde. Dass da irgendjemand jetzt eine Facebookseite zu erstellt hat, ist zwar nett, aber macht ihn noch lange nicht zu einem "Erfinder" eines Memes, was "Anfang Januar" gestartet wurde. Aber Hauptsache, die Leser glauben es.
alexander alt 20.01.2016
5.
Zitat von Wayne2000Max sieht dass es schneit Max postet es aber nicht auf Facebook weil er weiß, dass seine Freunde auch ein Fenster haben. Max ist klug. Sei wie Max!
Das stimmt natuerlich fuer Menschen, die nur Freunde in der engeren Umgebung haben.
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