Ärger um Anzeigen Facebook bot "Judenhasser" als Zielgruppe für Werbekunden an

Kampagnen speziell für Antisemiten: Laut einem Medienbericht hat Facebook Anzeigenkunden angeboten, Werbung an Nutzer auszuspielen, die sich in ihrem Profil selbst als "Judenhasser" bezeichnen.

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Wer bei Facebook eine Anzeige schaltet, kann ziemlich genau auswählen, welche Zielgruppe mit der Werbung erreicht werden soll. Doch wenn ein Algorithmus die Nutzer einordnet, dann können diese Kategorien ganz schön hässlich werden. Facebook hat Werbekunden offenbar sogar angeboten, ihre Anzeigen gezielt an selbst ernannte "Judenhasser" auszusteuern.

Wie das Investigativportal "ProPublica" berichtet, war es möglich, Anzeigen an rund 2300 Nutzer auszuspielen, die auf ihrem Profil Dinge wie "Judenhasser", "Wie man Juden verbrennt" und "Die Geschichte, warum Juden die Welt vernichten" angegeben hatten. Die Hinweise waren demnach in den Nutzerprofilen unter Punkten wie den Interessen, dem Arbeitsplatz oder dem Studienhauptfach eingetragen.

Mittlerweile hat Facebook die Funktion, dass Werbezielgruppen automatisch anhand von Angaben zum Job und zur Ausbildung erstellt werden, nach einem Hinweis von "ProPublica" gestoppt. Auf eine Anfrage von "ProPublica" antwortete Rob Leathern, leitender Produktmanager bei Facebook: "Es gibt Zeiten, da tauchen Inhalte auf unserer Plattform auf, die unsere Standards verletzen."

Man habe die problematischen Kategorien gelöscht, heißt es. Außerdem wolle man Wege finden, um das Problem zu lösen. So könnte die Anzahl der Kategorien begrenzt werden oder die Zielgruppen zunächst geprüft werden, bevor sie Kunden angezeigt werden.

Offenbar tauchen mitunter aber nach wie vor bedenkliche Werbekategorien auf, die von einem Algorithmus erstellt werden. Laut dem Onlinemagazin "Slate" etwa ist es immer noch möglich, Zielgruppen auszuwählen, die ihren Hass gegen andere offen zur Schau stellen, über Angaben wie "Muslimische Radikale töten".

Nur wenige Nutzer in Rassisten-Kategorie

Die Anzahl der Nutzer, die in solche Kategorien fallen, ist nach Angaben von "ProPublica" allerdings recht klein. Die Gruppe war für eine Testanzeige des Portals erst dann groß genug, als die Autoren zusätzlich die Kategorien "SS", "NaziParty" und "NPD" hinzufügten. Laut Facebook werden antisemitische Zielgruppen nur selten angesprochen, "da die Anzahl der Nutzer in diesen Gruppen unglaublich gering war", teilt das soziale Netzwerk mit.

Die Anzeigenabteilung bei Facebook war vergangene Woche schon einmal in die Schlagzeilen geraten. Das soziale Netzwerk hatte berichtet, dass russische Drahtzieher offenbar für rund 100.000 Dollar Online-Anzeigenplätze gekauft hatten, um sich in die US-Innenpolitik und mutmaßlich auch in den Präsidentschaftswahlkampf einzumischen. Dabei seien rund 470 Accounts identifiziert worden, die zwischen Juni 2015 und Mai 2017 etwa 3000 Anzeigen geschaltet hätten.


Derzeit untersuchen die Journalisten von "ProPublica" übrigens die Wahlwerbung der deutschen Parteien vor der Bundestagswahl. Dafür suchen sie noch Facebook-Nutzer, die mitmachen und sich ein entsprechendes Plugin installieren (lesen Sie hier, wie das geht). SPIEGEL ONLINE ist Medienpartner des Projekts.

jbr/rtr

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