Facebook und die Soros-Schmutzkampagne Interne E-Mail belastet Sheryl Sandberg

Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg will nichts von einer Schmutzkampagne gegen US-Milliardär George Soros gewusst haben. Doch nun gerät die Nummer zwei des Unternehmens erneut unter Druck.

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Langsam wird es eng für Sheryl Sandberg. Medienberichten zufolge wusste Facebooks Geschäftsführerin, anders als zunächst behauptet, durchaus davon, dass Facebook belastendes Material über vermeintliche politische Gegner wie den US-Milliardär und Facebook-Kritiker George Soros sammeln wollte.

Es geht dabei auch, aber nicht ausschließlich um eine Schmutzkampagne der von Facebook beauftragten PR-Agentur Definers Public Affairs gegen Soros.

Wie die "New York Times" und "BuzzFeed" übereinstimmend berichten, habe Sandberg zwar nicht Definers direkt dazu aufgefordert, sich über Soros zu informieren. Die Geschäftsführerin soll stattdessen Mitarbeiter der hauseigenen PR-Abteilung in einer E-Mail dazu angewiesen haben, die Finanzgeschäfte des Milliardärs zu durchleuchten.

Definers wurde "in einer geringen Anzahl von E-Mails erwähnt"

Sandberg hatte stets bestritten, etwas von einer Schmutzkampagne gewusst zu haben und Anweisungen an das externe PR-Unternehmen gegeben zu haben.

Die E-Mail an die Mitarbeiter hat es jedoch gegeben, das hat Facebook am Freitag bestätigt. Dem SPIEGEL sagte ein Sprecher, man habe herausfinden wollen, was die Motivation hinter der fundamentalen Kritik von George Soros an Facebook beim Weltwirtschaftsforum in Davos sei. Schließlich sei Soros ein "prominenter Anleger", man habe sich "seine Investitionen und Geschäfte angeschaut, die mit Facebook zu tun haben".

Außerdem habe die Nachforschung zunächst nichts mit der Anweisung von Sandberg zu tun gehabt. "Die Recherche lief bereits, als Sheryl eine E-Mail geschickt hatte, um zu fragen, ob Mr. Soros seinen Anteil an Facebook-Aktien reduziert (und auf fallende Kurse gesetzt - Anm. d. Red.) habe", sagte der Sprecher.

Obwohl Sandberg noch immer bestreitet, von Definers gewusst zu haben, gibt sie mittlerweile zu, dass möglicherweise doch Informationen über die Agentur auf ihrem Schreibtisch gelandet seien. So sei die PR-Agentur in einigen Präsentationen aufgetaucht und "in einer geringen Anzahl von E-Mails erwähnt worden", teilte Sandberg vor rund einer Woche mit, in der Fußnote zu einem Beitrag des mittlerweile ehemaligen Kommunikationschefs von Facebook, Eliot Schrage.

Der Weltwirtschaftsgipfel wirkt nach

Sandberg und Soros waren beide beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar aufgetreten. Dort hatte der Milliardär vor den Gefahren gewarnt, die von Konzernen wie Google und Facebook ausgingen. Der Unternehmer hatte das soziale Netzwerk etwa als immer mächtiger werdendes Monopol bezeichnet, dessen Tage gezählt seien. Definers soll daraufhin mit umstrittenen Methoden den Milliardär in Verruf gebracht und unter anderem antisemitischen Verschwörungstheorien ausgesetzt haben.

Für Sandberg wird die Luft nun dünner. Auch, weil sie immer wieder betont hatte, die volle Verantwortung für das zu übernehmen, was unter ihrer Aufsicht passiert.

Mit der PR-Agentur hat Facebook bereits gebrochen. Einen Tag, nachdem der Bericht in der "New York Times" veröffentlicht worden war, trennte sich das Unternehmen von Definers Public Affairs. Monatelang sollen die Mitarbeiter des PR-Unternehmens gegen politische Gegner wie George Soros und Tech-Konzerne wie Google und Apple ausgeteilt haben.

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Leser_01 30.11.2018
1.
War dieses Geschäftsgebaren von Facebook - sofern die Vorwürfe zutreffen sollten - illegal? Oder ist es privaten Unternehmen nicht vielmehr erlaubt, Material über geschäftliche und politische Gegner zu sammeln und es in einer erlaubten Form der Meinungsäußerung nutzen? Läuft es andersrum nicht ganz genauso?
Hörbört 30.11.2018
2. Gedankenstütze
Man ahnt, bzw. weiß, es ja ohnehin, aber eine Erinnerung an die Machenschaften "da draußen" kann nicht schaden: Es sind mitnichten nur die Petersburger Trolle, die nach Kräften manipulieren. Art und Zahl der 'Influencer' sind so verschieden wie ihre Anliegen. In diesem Fall ist es ein Unternehmen, das seine Interessen mit dreckigen, subversiven Methoden schützen will. Letztlich hilft dagegen nur abschalten, d.h. dem stetigen Fluss der Manipulationen den Saft abdrehen. Uns Älteren dürfte das gelingen, schließlich kennen wir noch eine Welt ohne Internet und Smartphone. Bei den Jüngeren schaue ich dagegen wenig optimistisch in die Zukunft.
Henk-van-Dijk 30.11.2018
3. Alles für die Knete
Die Wurzel des Problems liegt im Wesen eines Aktienunternehmens mit vielen Beteligungen. Entkoppelt von eigentlichen Werten wird 24/7 versucht, immer mehr abzuschöpfen und zu generieren (und dann wie hier, das Abgeschöpfte nach außen zu verteidigen). Es geht um Wachstum und Reichtum, nicht um Moral und Fairness.
kaliballer 30.11.2018
4. @Leser_01
Es geht um eine Schmähkampagne. Die Agentur von Facebook beauftragte Agentur hat auf der konservativen Nachrichtenseite "NTK Network" Dutzende Artikel veröffentlichen lassen, in denen Google und Apple für fragwürdige Geschäftspraktiken verunglimpft und Kritiker angegriffen wurden. Das heisst, es geht um eine unzulässige, bewusste Verdrehung von Tatsachen. Das ist nicht legal.
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