Anzeigen-Richtlinien Facebook verbietet Werbung für Kryptowährungen

Schnelles Geld mit virtuellen Coins: Das versprechen viele Onlineanzeigen, die zum Investieren in Digitalwährungen wie Bitcoin auffordern. Auf Facebook und Instagram soll man ihnen künftig nicht mehr begegnen.

Mann vor Bitcoin-Automat in Hongkong
DPA

Mann vor Bitcoin-Automat in Hongkong


Auf Facebook und Instagram soll es bis auf Weiteres keine Werbung mehr für Kryptowährungen wie Bitcoin geben. In den Anzeigenrichtlinien des Unternehmens heißt es neuerdings, man dürfe nicht für Finanzprodukte und Finanzdienstleistungen werben, "die häufig mit irreführenden oder betrügerischen Werbepraktiken in Verbindung gebracht werden". Facebook nennt an dieser Stelle beispielhaft binäre Optionen, Initial Coin Offerings (ICOs) und Kryptowährungen.

Das Netzwerk listet einige Beispiele für Anzeigensprüche auf, die es gern los werden will. Darunter: "Klicken Sie hier, um mehr über unsere risikolose Kryptowährung zu erfahren, die sofortige Zahlungen an jedermann in der Welt ermöglicht" und "Neuer ICO! Kaufen Sie JETZT Tokens mit 15 Prozent Rabatt!". Das letzte Beispiel betrifft konkret Bitcoin: "Benutze deine Pensionskasse, um Bitcoin zu kaufen!"

Anzeigen in diesem Stil begegnen Internetnutzern tatsächlich immer wieder, nicht nur auf Facebook. In Form von Google-Anzeigen beispielsweise machen von Zeit zu Zeit Anzeigen für nur vorgeblich offizielle digitale Geldbörsen für Kryptowährungen die Runde - Angebote, die Nutzer ignorieren sollten. Erst Mitte Januar hatten Hunderte Iota-Nutzer ihr gesamtes Guthaben verloren, weil sie auf eine betrügerische Website namens Iotaseed.io hereingefallen waren. Je populärer Kryptowährungen werden, desto attraktiver werden sie und ihre Nutzerschaft auch für Kriminelle und Betrüger.

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Bewusst weit gefasst

Facebook-Manager Rob Leathern erklärte in einem Blogpost, man habe die neue Richtlinie bewusst weit gefasst. Sie und ihre praktische Umsetzung solle später noch einmal überprüft werden, wenn Facebook Fortschritte dabei gemacht habe, betrügerische Werbung zuverlässiger zu erkennen.

Allgemein sei es das Ziel von Facebook, dass Nutzer über Anzeigen zwar auf neue Produkte und Dienste stoßen, sich dabei aber nicht sorgen müssen, dass sie betrogen oder getäuscht werden könnten. "Uns ist auch klar, dass wir möglicherweise nicht jede Anzeige, die im Rahmen dieser neuen Richtlinie entfernt werden sollte, abfangen werden", schreibt Leathern außerdem.

Das Tech-Magazin "Recode" betont in einem Artikel zu der Änderung, dass Werbung für Kryptowährung auf Facebook nun gar nicht mehr erlaubt sei, nicht einmal für Firmen, deren Angebote legal und seriös sind. Facebook-Mitarbeiter selbst hätten derweil durchaus noch mit Kryptowährungen zu tun: So sei David Marcus, der Chef des Facebook Messengers, beispielsweise im Vorstand der Kryptobörse Coinbase.

Auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte das Thema Kryptowährungen erst kürzlich selbst angeschnitten: In einem Facebook-Beitrag schrieb er Anfang Januar, Trends wie Verschlüsselung und Kryptowährung würden die Macht von zentralisierten Systemen übernehmen und "wieder in die Hände der Menschen legen": "Sie bergen jedoch das Risiko, dass sie schwerer zu kontrollieren sind."

mbö



insgesamt 7 Beiträge
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frenchie3 31.01.2018
1. Misleading ads
Ein hehrer Anspruch, da werden die wohl auf die Hälfte der Werbung verzichten müssen - alleine für Produkte mit Gesundheitsversprechungen, risikolose Anlagen, tolle Immobilien......
larsmach 31.01.2018
2. Kryptowährungen liegen in den Händen zentralisierter Privatunternehmen
Der Artikel zitiert Herrn Zuckerberg: "Kryptowährung würden die Macht von zentralisierten Systemen übernehmen und 'wieder in die Hände der Menschen legen'". Ja: Wie "gut" das funktioniert kann man erstaunt mitansehen! Bei 400 kWh Stromverbrauch je eingebuchter Transaktion in eine hinreichend verschlüsselte auf Gigabyte angewachsene Blockchain-Datei (dabei ist es egal, ob es sich um Bitcoin oder andere "Währungen" oder z.B. die Buchhaltung eines DAX Konzerns zum Jahrenende hin handelt) bleiben am Ende wenige Privatunternehmen, die z.B. für "Bitcoin" alle anonym sind. Nur sie haben genug Rechenpower und Zugang zu Elektrizität, um solche Buchungen als Clearing-Stellen im Auftrag ihrer Kunden durchzuführen. So etwas passiert mit Hippie-Ideen, wenn man das Konzept Blockchain und seine zweifelhafte "Eignung" für große Buchungsmengen nicht verstanden hat... Träumereien! Gleichzeitig hat ein anonymer Vordiskutant Recht, wenn er etliche Werbeversprechen auf den Prüfstand stellen will - obwohl jedem mündigen Bürger das Recht zugestanden sein sollte, seine "Pensionskasse" zu verzocken, wie es nunmehr verbotene Facebook-Werbung offenbar empfohlen hat. Denn auch darauf ist Verlass: Auf die Gier. Sie ist der Grund, weshalb regelmäßig von "vielen, vielen Euro" oder "Dollar" Vermögen gefaselt wird, während jemand weder das eine noch das andere besitzt, dafür aber hochspekulative Konstrukte auf Speichermedien oder Jetonstapel am BlackJack im Casino seiner Wahl ...und sie nicht verkauft, solange die Gier nach mehr überwiegt. Denn das tut sie: Darauf ist Verlass! Deshalb gibt es so erstaunlich wenige wohlhabende oder reiche Zocker auf der Welt. Der Großteil kommt beim Crash nicht einmal dazu, seine Verkaufswünsche "zu jedem Kurs!" anzumelden: "Alle Leitungungen besetzt" - etwa so wie bei Bitcoin, wo faktisch nur 3-4 Transaktionswünsche pro Sekunde angemeldet werden können (also so viele wie Zahlungsvorgänge in jedem mittelgroßen deutschen Einkaufszentrum) - weltweit! Im Falle von "Bitcoin" mussten kleine Transaktionswünsche vor Weihnachten bis zu 10 Tage (Tage!) warten, weil von einer der "Börsen" die großen (proftablen!) zuerst abgewickelt wurden - also ganz wie im richtigen, nicht virtuellen Leben! Clearing Banken richtiger Währungen würden sich so etwas trotzdem nie erlauben.
ksail 31.01.2018
3. Richtige Entscheidung!
Man wundert sich in letzter Zeit ja sehr, auf wie vielen seriösen Portalen "offiziell" Werbung für solche Schneeballsysteme gemacht werden darf. Bei jeder Lottowerbung gibt es staatliche Vorgaben. Wenn da nur Geld drinsteckt, dessen Verlust niemanden schmerzt, ist es ja noch in Ordnung; ich glaube aber, dass da viele unbedarfte "Anleger" drauf reinfallen, die da ihre Ersparnisse hineinstecken.
chriss.gmax 31.01.2018
4.
Zitat von ksailMan wundert sich in letzter Zeit ja sehr, auf wie vielen seriösen Portalen "offiziell" Werbung für solche Schneeballsysteme gemacht werden darf. Bei jeder Lottowerbung gibt es staatliche Vorgaben. Wenn da nur Geld drinsteckt, dessen Verlust niemanden schmerzt, ist es ja noch in Ordnung; ich glaube aber, dass da viele unbedarfte "Anleger" drauf reinfallen, die da ihre Ersparnisse hineinstecken.
Da sieht mal wieder was Ahnungslosigkeit hervorruft. Gerade Lotto als Beispiel zu nennen, finde ich sehr amüsant. Lotto gehört dem Staat und dieser nimmt damit versteckte Steuern ein, die die Bürger freiwillig zahlen. Man könnte auch von einem Regierungsmonopol sprechen, da anderweitige private Anbieter verboten sind in Deutschland. Ich möchte damit niemanden verurteilen der Lotto spielt, aber wenn man so etwas als positives Beispiel nennt und damit die Aussage bestärkt, dass Kryptowährungen nicht beworben werden sollten, dann möchte ich Ihnen raten zuerst einmal das zu hinterfragen, was weiterhin beworben wird.
ksail 31.01.2018
5.
Zitat von chriss.gmaxDa sieht mal wieder was Ahnungslosigkeit hervorruft. Gerade Lotto als Beispiel zu nennen, finde ich sehr amüsant. Lotto gehört dem Staat und dieser nimmt damit versteckte Steuern ein, die die Bürger freiwillig zahlen. Man könnte auch von einem Regierungsmonopol sprechen, da anderweitige private Anbieter verboten sind in Deutschland. Ich möchte damit niemanden verurteilen der Lotto spielt, aber wenn man so etwas als positives Beispiel nennt und damit die Aussage bestärkt, dass Kryptowährungen nicht beworben werden sollten, dann möchte ich Ihnen raten zuerst einmal das zu hinterfragen, was weiterhin beworben wird.
Sie müssen nicht auf jedes Buzzword gleich anspringen. Ich hab keinen Vergleich zu irgendwelchen staatlichen Glücksspielen gezogen, denn hier geht es ja gar nicht um eine staatliche Regelung, sondern nur Verständnis dafür geäußert, dass endlich etwas mehr Sensibilität bei der Werbung für solche Schneeballsysteme gezeigt wird. Passt alles wunderbar.
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