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Umstrittene Entscheidung: Facebook löscht Enthauptungsvideo nun doch

Facebook überall: Hickhack um Gewaltvideo Zur Großansicht
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Facebook überall: Hickhack um Gewaltvideo

Mit nackter Haut hat Facebook ein Problem, doch bei Gewalt sind sich die Verantwortlichen wohl nicht so sicher. Das Video einer Enthauptung, das viele Nutzer schockierte, wurde zunächst entfernt, dann wieder freigeschaltet - und nun wieder gelöscht.

Was denn nun? Erst am Dienstag machte die Meldung die Runde, Facebook erlaube wieder Fotos oder Videoclips mit gewalttätigen Inhalten. Dies unter der Einschränkung, sie müssten der Verurteilung der gezeigten Vorgänge dienen. Nun wurde ein umstrittener Clip, der die Enthauptung einer Frau wohl in Mexiko zeigt, kurz nach seiner Zulassung wieder entfernt, wie "All Things D" berichtet.

Das Facebook-Management hatte zuvor ein erst im Mai verfügtes Verbot drastischer dokumentarischer Videos wieder aufgehoben. Bis jetzt war es Facebook-Mitgliedern verboten, Fotos oder Videos mit gewalttätigen Inhalten - wie zum Beispiel Enthauptungen - zu posten, unabhängig vom Zweck und von der Art ihrer Beiträge. Die Erlaubnis wurde damit gerechtfertigt, die Verurteilung von in Videos oder Fotos gezeigten gewalttätigen Aktionen sei Teil der Redefreiheit.

Die neuerliche Wende begründeten die Netzwerkmacher mit negativen Nebeneffekten. "The Verge" zitiert aus einer Stellungnahme, in der es heißt, der strittige Clip "verherrlicht Gewalt auf unanständige und verantwortungslose Art". Zuvor habe es zur Rechtfertigung der Zulassung des Videos geheißen: "Würde das Video gefeiert oder zu darin gezeigten Handlungen aufgefordert, wäre unsere Haltung eine andere."

Grundsätzlich aber, so "The Verge" weiter, halte Facebook an seiner Zulassung von gewalttätigen Inhalten fest. Das gelte jedoch nur für zum Zweck der Verurteilung hochgeladene Clips. Netzwerkmitglieder würden nun in den Nutzungsbedingungen aufgefordert, dies "auf verantwortungsvolle Weise zu tun". Dabei solle sorgfältig überlegt werden, an welchen Leserkreis sich die entsprechende Nachricht wende und diesen auf die Art des Inhalts hinzuweisen. So könnte jeder Leser selbst entscheiden, ob er die Bilder oder Videos ansehen wolle.

Darüberhinaus behält sich Facebook vor, auch selbst zu "prüfen, ob die Person, die den Inhalt geteilt hat, es verantwortungsvoll getan hat, indem sie beispielsweise das Video oder Bild mit einer Warnung versehen und ob sie es mit einem altersgerechten Publikum geteilt hat".

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1.
mr.andersson 23.10.2013
Zitat von sysopREUTERSMit nackter Haut hat Facebook ein Problem - doch bei Gewalt sind sich die Verantwortlichen offenbar nicht so sicher. Das Video einer Enthauptung, das viele Nutzer schockierte, wurde erst entfernt, dann doch wieder freigeschaltet. Nun hat sich Facebook noch einmal umentschieden. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/facebook-loescht-enthauptungsvideo-lieber-doch-wieder-a-929460.html
Ist das nicht recht typisch für amerikanische Medien? Vor Nackheit müssen die Konsumenten angeblich geschützt werden, und an den Anblick von Gewalt gewöhnt werden. Mir hat sich das traumatisierende Element eines nackten Menschen nie erschlossen. Ebensowenig habe ich den pädagogischen Nutzen von Enthauptungsvideos verstanden, auch wenn man sie nur zum verurteilen anschauen darf. Aber naja, ich muss ja auch nicht alles verstehen.
2.
kjartan75 23.10.2013
Zitat von sysopREUTERSMit nackter Haut hat Facebook ein Problem - doch bei Gewalt sind sich die Verantwortlichen offenbar nicht so sicher. Das Video einer Enthauptung, das viele Nutzer schockierte, wurde erst entfernt, dann doch wieder freigeschaltet. Nun hat sich Facebook noch einmal umentschieden. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/facebook-loescht-enthauptungsvideo-lieber-doch-wieder-a-929460.html
Meine Rede schon seit Jahren...Nipplegate & Co. ist um Längen verurteilenswerter als das Abknallen von Leuten oder dass man Kindern Waffen schenkt. Mit Dingen, wie Gott die Menschen schuf, haben die Amis schon immer ein Problem...aber was man alles so im Nachmittagsprogramm von Deutschland sieht, da fragt man sich auch, warum Gewalt im TV sehr viel eher geduldet wird als Nacktheit oder Sex. Leider sind das alles noch die völlig verqueren Denkweisen von Kirchen, die da in der Erziehung noch durchscheinen.
3. kultur
kl1678 23.10.2013
Zitat von mr.anderssonIst das nicht recht typisch für amerikanische Medien? Vor Nackheit müssen die Konsumenten angeblich geschützt werden, und an den Anblick von Gewalt gewöhnt werden. Mir hat sich das traumatisierende Element eines nackten Menschen nie erschlossen. Ebensowenig habe ich den pädagogischen Nutzen von Enthauptungsvideos verstanden, auch wenn man sie nur zum verurteilen anschauen darf. Aber naja, ich muss ja auch nicht alles verstehen.
Eine hochgradig verklemmete Sexualmoral inkl. neurotischem Umgang mit Nackheit und gleichzeitig öffentliche Hinrichtungen als Volksbelustigung. Das ist ja ein sehr altes und weit verbreitetes kulturelles Muster. In Afghanistan, Saudi-Arabien, etc. noch in seiner ursprünglichsten Form zu bestaunen, aber auch bei uns noch präsent. Ich denke, es hat mit Machtstrukturen zu tun. Sex hat ja immer etwas Anarchisches. Unterdrückte Triebe hingegen, die sich in Gewalt äußern, können vom Herrschenden intrumentalisiert werden. Aus dieser Sicht ist er besser, wenn sich das Kind an den Anblick rollender Köpfe gewöhnt als an den weiblicher Brüste.
4. optional
PeterPe 23.10.2013
Andere Laender andere Sitten! In Amerkia wird Naktheit traditionell nicht gezeigt, genauso wie in Europa Gewalt nicht gezeigt wird und in islamischen Gegenden unverhuellte Frauen. Das ist Teil der Kultur. Schwierig wird es jedoch, wenn es ein globales Angebot ist.
5.
molm 23.10.2013
Ich finde sowas ja erschreckend. Der Großteil (behaupte ich mal, genaue Zahlen kenne ich jetzt nicht), der Facebook-User ist minderjährig. Denen solche Videos über eine riesige Plattform, die Facebook ist zugänglich zu machen finde ich unverantwortlich
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