Regeln zu Hassrede Facebook löscht Zitate der US-Unabhängigkeitserklärung 

Anlässlich des Unabhängigkeitstags veröffentlichte eine US-Zeitung auf Facebook häppchenweise die amerikanische Unabhängigkeitserklärung. Das klappte anfangs gut - doch dann gab es ein Problem.

Zuckerberg vor Facebook-Logo (Archivbild)
DPA

Zuckerberg vor Facebook-Logo (Archivbild)


Facebook hat von einer US-Zeitung veröffentlichte Zitate aus der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung offline genommen - eventuell, weil sie rassistische Äußerungen gegen Ureinwohner enthielten. In dem Post der Zeitung war, aufgrund des Originaltexts der Erklärung, unter anderem die Rede von "gnadenlosen Indianer-Wilden, deren bekannte Art der Kriegsführung es ist, jeden ohne Rücksicht auf Alter, Geschlecht und Stand zu vernichten".

Die Zeitung "The Vindicator" aus Liberty in Texas hatte im Vorlauf zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli die Erklärung häppchenweise bei Facebook veröffentlicht. Der zehnte von zwölf Teilen war für die Nutzer allerdings nicht abrufbar - und von Facebook bekam die Zeitung die Mitteilung, dass sie mit einem Post gegen die Regeln zu Hassrede verstieß.

"Um ehrlich zu sein, enthält diese Passage so einiges, was als Hassrede eingestuft werden kann", räumte das Blatt ein und scherzte, vielleicht hätte Thomas Jefferson lieber von "Native Americans in einer herausfordernden Phase ihrer kulturellen Entwicklung" schreiben sollen. Einen Tag später entschuldigte sich Facebook für einen "Fehler", bat "The Vindicator" um Entschuldigung und gab den Post frei.

Facebook steht seit Jahren unter Druck, mehr gegen Hassrede und Beleidigungen zu unternehmen. Das Unternehmen setzt dafür verstärkt automatisierte Software ein und betont, dass immer mehr Posts herausgefiltert werden, noch bevor Nutzer sie zu sehen bekommen.

In der Vergangenheit hatte sich Facebook wiederholt entschuldigen müssen, weil Kunstwerke und historische Fotos wegen der Darstellung von Nacktheit zeitweise entfernt worden waren.

mbö/dpa



insgesamt 31 Beiträge
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henson999 05.07.2018
1. Da sieht man es
Wenn selbst Facebook mit 30000 Mitarbeitern es nicht hinbekommt, richtige Contentfilter zu bauen, wie sollen es dann alle anderen Seiten schaffen. Vielleicht kann das mal jemand dem Voss in einfachen Worten erklären, die auch er versteht. Was wird passieren: Die Contentfilter werden so scharf gestellt, dass viele Inhalte, die eigentlich erlaubt sind, auch gefiltert werden. Und da wird sich sicherlich niemand hinstellen und die alle dann manuell freischalten. Aber eine Zensur ist das ja nicht. Hauptsache die zwei postiven Blockungen haben funktioniert und der Voss kann sich vor seinen Lobbyfreunden als der Held der Stunde feiern lassen.
ericstrip 05.07.2018
2. Ja...
...die sind schon toll, diese Uploadfilter. Und Facebook wird noch die mit am weitesten entwickelten haben. Andere löschen bestimmt noch mehr und noch willkürlicher. Daher echt eine Top-Idee, das zum Gesetz zu machen, liebe EU. Dann habt Ihr endlich Ruh'. So ist's doch gemeint, oder? Aber bitte bloß keinen Katzenfotofilter vorschreiben, dann wacht die Bevölkerung auf.
maier2206 05.07.2018
3. Das zeigt den ganzen Irrsinn der Zensur auch bei Facebook!
Es gibt hunderte von ähnlichen Beispiele. Die Zensur ist nach unserem deutschen Grundgesetz übrigens verboten. Jetzt wird versucht die Zensur durch die Hintertüre wieder einzuführen. Was der eine z.B. als Meinungsäußerung oder als "Hassrede" definiert, ist wiederum für andere absolut regierungstreu. Das alles ist relativ und einem demokratischen Staat absolut unwürdig.
TomRohwer 05.07.2018
4.
1975 verhängte Indira Gandhi für einige Jahre den Notstand in Indien (weil ihr Wahlmanipulationen nachgewiesen worden waren) und erließ eine Pressezensur. Die englischsprachige "Times of India" veröffentlichte daraufhin eine Todesanzeige, in der es hieß, ein gewisser "L.I.Berty" und eine gewisse "T.Ruth" beklagten das allzu frühe Ableben ihres über alles geliebten Kindes "D.E.M.O'cracy". Die indische Zensurbehörde brauchte Wochen, bis sie den Witz kapiert hatte und den verantwortlichen Anzeigenleiter verhaften ließ... Zensur macht dumm. Immer. Ohne Ausnahme. Und am dümmsten macht sie stets die Zensoren.
g_bec 05.07.2018
5. Alte Leier.
Zitat von maier2206Es gibt hunderte von ähnlichen Beispiele. Die Zensur ist nach unserem deutschen Grundgesetz übrigens verboten. Jetzt wird versucht die Zensur durch die Hintertüre wieder einzuführen. Was der eine z.B. als Meinungsäußerung oder als "Hassrede" definiert, ist wiederum für andere absolut regierungstreu. Das alles ist relativ und einem demokratischen Staat absolut unwürdig.
Immer diese alte Leier von "keine Zensur". Sie wollen doch eigentlich auch nur wieder ungestraft Dinge sagen, die man ja wohl noch sagen darf, nicht wahr? Das wird langsam fad. Bitte aufhören mit Jammern und mal nachprüfen, was Zensur wirklich ist.
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