Facebook-Richtlinien Zuckerberg will Beiträge von Holocaust-Leugnern nicht entfernen lassen

"Ich glaube nicht, dass sie absichtlich falsch liegen": Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat den Umgang des Netzwerks mit Holocaust-Leugnern verteidigt - ihre Beiträge müssten nicht zwangsläufig gelöscht werden.

Mark Zuckerberg
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Welche Inhalte soll Facebook von der Plattform entfernen? Darüber gibt es seit Längerem eine Debatte. Mark Zuckerberg hat nun die Facebook-Strategie verteidigt und dabei mit einem Beispiel für Irritation gesorgt: Posts von Nutzern, in denen der Holocaust geleugnet wird, würden nicht von der Plattform entfernt werden. Der Grund: Sie würden nicht mit Vorsatz handeln.

Facebook war wegen des Themas Holocaust-Leugnung schon 2017 in die Schlagzeilen geraten: Damals stellte das Netzwerk als Reaktion auf die Veröffentlichung interner Unterlagen klar, dass es weltweit nur in acht Ländern - darunter Deutschland, Italien und Belgien - Einträge blockiere, die den Massenmord an den Juden leugnen.

In einem Interview mit dem amerikanischen Technikblog "Recode" fragte Mitgründerin Kara Swisher Facebook-Chef Zuckerberg jetzt, wie er gleichzeitig sagen könne, dass er die Verbreitung falscher Informationen auf der Plattform bekämpfe, aber keine Verschwörungsinhalte verhindert würden. Als Beispiel nannte sie die Behauptung, dass der Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule in Connecticut im Jahr 2012 nicht passiert sei.

Zuckerberg stimmte zu, dass es beleidigend sei, wenn ein Sandy-Hook-Opfer der Lüge bezichtigt werde - und dass das verhindert werden sollte.

Holocaust-Leugner als Beispiel

Daraufhin versuchte er, seinen Standpunkt näher zu erläutern - und wählte dafür das Beispiel der Holocaust-Leugner. Er selbst sei Jude, sagte Zuckerberg, und es gebe eine Reihe von Menschen, die bestreiten, dass der Holocaust passiert sei. Das fände er beleidigend. "Aber letztlich glaube ich nicht, dass unsere Plattform das entfernen sollte, weil ich denke, dass verschiedene Leute bei manchen Dingen falsch liegen", sagte er und ergänzte: "Ich glaube nicht, dass sie absichtlich falsch liegen."

Swisher unterbrach Zuckerberg daraufhin und sagte, dass das im Fall von Holocaust-Leugnern jedoch sehr wohl Absicht sein könnte.

Zuckerberg fuhr fort, es sei schwer, Absichten nachzuvollziehen. Allerdings mache auch er Dinge falsch, wenn er öffentlich spreche. Er werde niemanden von der Plattform nehmen, nur weil er mehrmals etwas falsch mache. Sollte es niemandem Schaden zufügen, dann könnten diese Inhalte auf der Seite bleiben - auch wenn Menschen es als beleidigend empfinden könnten. Allerdings bedeute das nicht, dass die Inhalte weiterverbreitet werden sollten. Facebook habe die Verantwortung, das zu verhindern.

Auf das Beispiel mit den Holocaust-Leugnern reagierten zahlreiche Internetnutzer mit Kritik.

Zuckerberg hat seine Aussagen in einer E-Mail an "Recode" im Anschluss an das Interview noch einmal klargestellt: "Ich persönlich finde die Leugnung des Holocaust zutiefst beleidigend, und ich habe absolut nicht vorgehabt, die Absicht von Leuten zu verteidigen, die das tun", sagte er und fügte hinzu: "Unser Ziel mit gefälschten Nachrichten besteht nicht darin, zu verhindern, dass irgendjemand etwas Falsches sagt - sondern darin, dass gefälschte Nachrichten und Fehlinformationen nicht über unsere Dienste verbreitet werden." Sollte ein Beitrag aber für Gewalt oder Hass gegen eine bestimmte Gruppe sorgen, würde er gestrichen werden.

Video: Hassmaschine Facebook

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cop

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