Nach dem Datenskandal Facebook im Käfig

Nach dem Cambridge-Analytica-Debakel kämpft Facebook um das Vertrauen seiner Mitglieder und verspricht ihnen mehr Kontrolle. Derweil veröffentlicht Mozilla einen gesicherten "Facebook-Container" für den Firefox-Browser.

Facebook-Logo auf Smartphone auf Laptop-Tastatur (Symbolbild)
DPA

Facebook-Logo auf Smartphone auf Laptop-Tastatur (Symbolbild)


Facebook zieht erste Konsequenzen aus dem Datenskandal: Der Konzern kündigte bereits am Mittwoch an, wie er die Anforderungen der EU-Datenschutzverordnung umsetzen möchte - knapp zwei Monate vor dem Stichtag im Mai. Die Verwaltung der Daten soll demnach künftig vereinfacht werden, die Mitglieder sollen mehr Kontrolle über ihre persönlichen Informationen bekommen.

"Die vergangene Woche hat uns gezeigt, wie viel mehr wir noch daran arbeiten müssen, unsere Regeln durchzusetzen und den Menschen zu helfen, zu verstehen, wie Facebook funktioniert und welche Optionen sie im Umgang mit ihren Daten haben", schrieb die zuständige Facebook-Managerin Erin Egan.

Deshalb werden laut Facebook die gesamten Einstellungen überarbeitet. Die Nutzer sollen leichter einsehen, prüfen und löschen können, was sie einst veröffentlicht haben. Die Datenschutzeinstellungen sollen gebündelt und an einem Ort zu finden sein.

Nicht alle wollen sich in dieser Sache auf Facebook verlassen

Außerdem wird es künftig möglich sein, sämtliche Daten und bei Facebook hochgeladene Inhalte in Formaten herunterzuladen, in denen sie zu einem anderen Dienst verlagert werden können. Anders als die gesetzliche Regelung sollen die Neuerungen nicht nur in Europa greifen, sondern weltweit.

Mitte März war bekanntgeworden, dass die britische Analysefirma Cambridge Analytica offenbar auf unlautere Art an bestimmte Daten von insgesamt 50 Millionen Facebook-Nutzern gelangt war - ohne deren Wissen oder Zustimmung. Die Firma war bekannt geworden, weil sie den Wahlkampf von Donald Trump unterstützt hatte. Ob auch die besagten Daten zu diesem Zweck ausgewertet wurden, ist allerdings unklar.

Seit dem Debakel hat Facebook an der Börse fast 100 Milliarden Dollar an Marktwert eingebüßt. Die bislang erfolgsverwöhnten Facebook-Anleger fürchten eine strengere Regulierung des Geschäfts. Das Unternehmen habe "laut und deutlich" vernommen, dass es mehr tun müsse, um Menschen zu informieren, teilte Facebook nun mit - und versprach mehr Kontrolle und Transparenz.

Facebook im Firefox-Browser isolieren

Derweil hat Mozilla just eine Erweiterung für den Browser Firefox entwickelt, die dabei helfen soll, die Facebook-Nutzung von den übrigen Aktivitäten im Internet zu trennen. Das Add-on "Facebook-Container" soll verhindern, dass das Unternehmen auf Daten und Informationen von anderen Websites zugreifen und damit das Nutzerverhalten außerhalb der Plattform auswerten kann.

Denn Facebook verfüge, wie es in der entsprechenden Mitteilung von Mozilla heißt, "über ein Netzwerk von Trackingtools auf verschiedenen Websites. Deren Code verfolgt Sie unsichtbar und es ist dadurch fast unmöglich, nachzuvollziehen, wann die so gesammelten Daten mit anderen geteilt werden."

Die neue Browser-Erweiterung sorge dafür, dass Facebook in einem virtuellen Container gestartet und ausgeführt wird. So wird das Surfen im Netz von Facebook getrennt, die Firma kann außerhalb seiner eigenen Grenzen nicht mehr zusehen, so das Versprechen. Die Funktionsfähigkeit von Facebook soll dadurch jedoch nicht eingeschränkt werden.

Laut dem Tech-Blog "Golem" ist die Entwicklung des Werkzeugs beschleunigt worden, auch wenn sie selbst nichts mit dem aktuellen Skandal zu tun habe. Eine Weitergabe bereits gesammelter Facebook-Daten - wie zum Beispiel im Fall Cambridge Analytica - könne die Erweiterung ohnehin nicht verhindern, schreibt auch Mozilla. "Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass es für Facebook deutlich schwieriger wird, Ihre gesammelten Aktivitäten außerhalb von Facebook zu nutzen, um Ihnen Anzeigen und andere personalisierte Nachrichten zu senden", heißt es. Allerdings sei Facebook keineswegs "das einzige Unternehmen, das Ihre Daten außerhalb seines eigentlichen Servicebereichs sammelt."

juh/dpa/Reuters



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