Versuchsballon: Facebook nimmt Geld für Direktnachrichten

Jemanden zu erreichen, den man nicht persönlich kennt, kann bei Facebook schwierig sein. Nun will das Unternehmen das ändern, und zwar gegen Geld. Ausgewählte Nutzer können die Möglichkeit testen, für einen Dollar pro Nachricht auch Unbekannte direkt anzuschreiben. Facebook verkauft Aufmerksamkeit.

Facebook Messages: Künftig garantierte Zustellung für einen Dollar - für Ausgewählte Zur Großansicht

Facebook Messages: Künftig garantierte Zustellung für einen Dollar - für Ausgewählte

New York - Facebook testet in den USA die Möglichkeit, Nachrichten für je einen Dollar an jemanden außerhalb des eigenen Freundeskreises schicken zu können. Es handele sich nur um einen eingeschränkten Probelauf, erklärten die Betreiber des weltgrößten Online-Netzwerks in einem Blog-Eintrag. Die Zahl solcher Nachrichten ist auf eine pro Woche beschränkt, Unternehmen können an dem Test nicht teilnehmen. Bei dem einen oder anderen Nutzer dürfte die Ankündigung dennoch die Sorge wecken, dass man hier zum Ziel unerwünschter Spam-Nachrichten von zahlungskräftigen Absendern werden könnte. Facebook dagegen erklärte, die Funktion könne auch helfen, Spam zu bekämpfen - schließlich werden die unerwünschten Werbe-E-Mails nicht zuletzt deshalb in so großer Zahl verschickt, weil das praktisch nichts kostet.

Facebook geht mit der Neuerung einen weiteren Schritt in eine längst eingeschlagene Richtung: Das Unternehmen will eine Art Aufmerksamkeitsmakler sein, der sich dafür bezahlen lässt, Zugriff auf seine Nutzer zu garantieren. Mit einem großangelegten universellen Nachrichtenwerkzeug, das E-Mails, SMS- und Facebook-Nachrichten verschmelzen sollte, ist Facebook bereits vor zwei Jahren einmal gescheitert.

Die bezahlten Nachrichten landen künftig direkt im Postfach des Angeschriebenen statt wie bislang in dem Unterordner "Sonstiges", wo sie oft übersehen werden. Die Funktion könne zum Beispiel nützlich sein, wenn es um Jobangebote gehe oder wenn man jemanden nach dem Auftritt bei einer Veranstaltung anschreiben wolle, erläuterte das Unternehmen.

Angebot für Spammer, Stalker und Virenschreiber?

Facebook wird vermutlich auch mit Missbrauch konfrontiert werden: Die Funktion dürfte auch für Spammer, Stalker und Virus-Verteiler ihren Reiz haben. Allerdings immer nur für einen Versuch - selbstverständlich kann man Nutzer, die einen ungewollt kontaktieren, blockieren oder als Spammer melden.

Der Preis für die Premiumnachrichten wurde zunächst auf einen Dollar pro Nachricht angesetzt, aber Facebook wolle damit experimentieren, berichtet das "Wall Street Journal". Facebook hat inzwischen mehr als eine Milliarde Mitglieder, aber das geschäftliche Wachstum verlangsamte sich zuletzt. Das Online-Netzwerk sucht nach neuen Einnahmequellen, auch weil sein Geschäft mit Werbung auf mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets erst am Anfang steht.

Mit neuen Datenschutzregeln schaffte Facebook die Möglichkeit ab, konkret festzulegen, welche Nutzer andere anschreiben können. Stattdessen gibt es neue Filter. So können Nutzer einstellen, ob direkt in ihrem Postfach nur Nachrichten von ihren Freunden oder auch von Freunden der Freunde landen. Nachrichten von Unbekannten werden von Facebook normalerweise automatisch in den "Sonstiges"-Ordner sortiert.

Ganz neu ist die Idee, Nutzen für den garantierten Zugang zur Aufmerksamkeit anderer Nutzer bezahlen zu lassen, nicht. Die Business-Netzwerke LinkedIn und Xing beispielsweise bieten ihren zahlenden Kunden einen ähnlichen Service - auch sie können Nachrichten an Menschen verschicken, mit denen sie bislang nicht verbunden waren.

cis/dpa

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insgesamt 18 Beiträge
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1. xing-nein danke !
Kawee 21.12.2012
Hatte versucht über xing eine alte Freundschaft wieder aufleben zu lassen. Die Person war angeblich registriert bei xing, jedoch der Allerwelts-Name erforderte von mir ein Anschauen eines angeblichen Fotos meiner Bekanntschaft. Dieses Anschauen war laut xing nur möglich, wenn man Mitglied wurde. Ich ging darauf ein. Jedoch bekam ich das Foto noch immer nicht gezeigt--das gibt es erst, wenn man Premium-Mitglied wird, kostenpflichtig. Und da sage ich mir: Xing kann mich mal....
2. *
Hoppeditz 21.12.2012
Zitat von sysopJemanden zu erreichen, den man nicht persönlich kennt, kann bei Facebook schwierig sein. Nun will das Unternehmen das ändern, und zwar gegen Geld. Ausgewählte Nutzer können die Möglichkeit testen, für einen Dollar pro Nachricht auch Unbekannte direkt anzuschreiben. Facebook verkauft Aufmerksamkeit. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/facebook-nimmt-geld-fuer-direktnachrichten-a-874243.html
Facebook verkauft nicht Aufmerksamkeit, sondern schlicht und ergreifend die Profildaten seiner User. Das war, ist und wird immer vorrangiges Ziel des pfiffigen Kerlchens aus Kalifornien sein.
3.
EinJemand 21.12.2012
Jeder, der Werbeplatz verkauft (gedruckt, online, im Radio) ist ein "Aufmerksamkeitsmakler".
4. @Kawee
AlexBauer1981 21.12.2012
Hmm, irgendwie verstehe ich jetzt diesen Kommentar zur ursprünglichen Meldung nicht. Und ich konnte bisher - auch ohne Premium-Mitglied zu sein - immer das Bild eines gesuchten "Nichtkontaktes" sehen.
5. Hahaha, jetzt aber shorten....
andydevine 21.12.2012
... denn das ist ja wohl ein Offenbarungseid in punkto Geschäftsmodell. Wird Zeit am schnellen Tod der Aktie zu partizipieren!
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Facebook: Bezahlter Aufmerksamkeitsmakler Zur Großansicht
AFP

Facebook: Bezahlter Aufmerksamkeitsmakler

Die zehn größten Börsengänge der Welt
Rang Firma Jahr Volumen in Mrd Dollar Land
1. General Motors 2010 23,1* USA
2. AgBank 2010 22,1 China
3. AIA (Versiche- rer) 2010 22,0 Hongkong
4. ICBC (Bank) 2006 21,97 China
5. Visa (Kredit- karten) 2008 19,65 USA
6. NTT Mobile 1998 18,05 Japan
7. Enel (Energie) 1999 16,59 Italien
8. Facebook 2012 16,01** USA
9. NTT (Telekom) 1986 13,75 Japan
10. Deutsche Telekom 1996 12,49 Deutschland
* Bei Addition der Stamm- und Vorzugsaktien; ** Bei Verkaufspreis am oberen Ende der Spanne; Quelle Reuters


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