Manipulierte Seiten Facebook rechtfertigt Psycho-Experiment

Hunderttausende Facebook-Mitglieder wurden unwissentlich zu Studienteilnehmern: Wegen einer gezielten Manipulation der Neuigkeitenseite steht der Konzern massiv in der Kritik. Ein beteiligter Datenanalyst hat nun Stellung genommen.

Facebook-Nutzer beim Newsfeed-Aufruf: Ärger um Studie aus dem Jahr 2012
REUTERS

Facebook-Nutzer beim Newsfeed-Aufruf: Ärger um Studie aus dem Jahr 2012


Hamburg - Facebook hat auf die teils massive Kritik an seinem Psycho-Experiment reagiert. "Wir überlegen sorgfältig, welche Forschung wir betreiben und haben ein striktes internes Aufsichtsverfahren", rechtfertigt Datenanalyst Adam Kramer das Experiment in einem Facebook-Post. Man habe die Untersuchung durchgeführt, weil man sich für die emotionale Wirkung von Facebook interessiere sowie für die Menschen, die das soziale Netzwerk nutzten.

"Wir fanden es wichtig, die gängige Sorge zu untersuchen, dass Leute sich schlecht oder ausgeschlossen fühlen, wenn ihre Freunde positive Inhalte veröffentlichen", schreibt Kramer. "Gleichzeitig waren wir beunruhigt, dass Menschen auf den Facebook-Besuch verzichten könnten, wenn sie der Negativität ihrer Freunde ausgesetzt sind." Im vor vier Wochen veröffentlichten Paper habe man die Motive nicht ausreichend klargemacht.

Facebook hatte im Januar 2012 ein Experiment durchgeführt, das sich um die Neuigkeitenseite des Netzwerks drehte. Für die Anfang Juni veröffentlichte Studie wurden die Newsfeeds von insgesamt 689.003 englischsprachigen Nutzern eine Woche lang analysiert und zum Teil beeinflusst. Rund 310.000 Nutzer sahen im Rahmen des Psychologie-Experiments einen manipulierten Newsfeed, ohne dass sie etwas davon wussten. Eine Gruppe sah vor allem positive Einträge ihrer Freunde, eine andere überwiegend negative.

"Wollten niemanden aufregen"

Analyst Kramer betont, dass mit Blick auf das ganze Netzwerk nur eine geringe Zahl von Nutzern Teil des Experiments war, "0,04 Prozent der Nutzer, das heißt: jeweils einer von 2500". Die Beiträge von niemandem seien "versteckt" worden, sie seien nur in einigen Feeds nicht aufgetaucht. Auf den Seiten der Freunde seien die Beiträge wie üblich angezeigt worden.

"Ziel all unserer Untersuchungen bei Facebook ist es, herauszufinden, wie wir unseren Service verbessern können", schreibt Kramer. "Als jemand, der das Experiment selbst geschrieben und entwickelt hat, kann ich sagen, dass wir nie vorhatten, jemanden vor den Kopf zu stoßen. Meinen Co-Autoren und mir tut leid, auf welche Art die Forschung im Paper beschrieben wurde und dass dadurch Aufregung entstanden ist."

Als die Studie Anfang Juni veröffentlicht wurde, hatten die Forscher eingeräumt, dass der Effekt der Newsfeed-Manipulation gering war. Eines der Ergebnisse der Studie lautet, dass diejenigen Nutzer, die weniger negative Meldungen zu sehen bekamen, mehr positive Inhalte (+0,06 Prozent) und weniger negative (-0,07 Prozent) veröffentlichten. Wer weniger positive Postings als üblich angezeigt bekam, produzierte mehr Inhalte mit negativer (+0,04 Prozent) und weniger mit positiver Stimmung (-0,01 Prozent). Analyst Kramer schreibt dazu: "Rückblickend könnte es sein, dass der wissenschaftliche Nutzen des Papers nicht alle Aufregung rechtfertigt."

mbö/dpa

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Immanuel_Goldstein 30.06.2014
1.
Zitat von sysopREUTERSHunderttausende Facebook-Mitglieder wurden unwissentlich zu Studienteilnehmern: Wegen einer gezielten Manipulation der Neuigkeitenseite steht der Konzern massiv in der Kritik. Ein beteiligter Datenanalyst hat nun Stellung genommen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/facebook-rechtfertigt-psycho-experiment-auf-neuigkeitenseiten-a-978253.html
An unwissentlichen Menschenexperimenten gibt es nichts zu rechtfertigen. Sie sind schlichtweg illegal. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, auch wenn es Facebook und die anderen Vasallen-Firmen der NSA gerne hätten.
bugs bunny 30.06.2014
2. Es reicht
Jeder normal vernünftige Mitteleuropäer mit ein wenig mehr Hirn als unsere Vorfahren auf den Bäumen müsste doch jetzt endlich sagen: es reicht! und sich aus diesem a-sozialen Netzwerk abmelden. Aber nein, es wird so weiter gehen und die bösesten Fiktionen aus Science-Ficton werden zur Realität werden. Man fragt sich, wozu unsere Generation (ü/60) eigentlich ihre Kinder und Enkel erzogen hat? Anscheinend ist das meiste auf der Strecke geblieben.
f-rust 30.06.2014
3. so what ?
facebook ist ein kommerzunternehmen, kein wohltätigkeitsinstitut. ich bin seit etwas mehr als 1 jahr auf facebook und nutze das, was kostenlos ist, so gut ich es für meine wünsche und zwecke kann. das tut ja wohl jede/r so, oder? und eben fb auch. ein bisschen wie Spon: der dienst ist kostenlos, aber deshalb eben werbung, immer ein bisschen mehr. so what? na und? DIESE kritik an fb ist blauäugig. finde ich, aber jede/r wie er/sie meint ... man wird ja nicht gewzungen, dabei zu sein, oder?
ketzer2000 30.06.2014
4. Bewusst sein
Zitat von sysopREUTERSHunderttausende Facebook-Mitglieder wurden unwissentlich zu Studienteilnehmern: Wegen einer gezielten Manipulation der Neuigkeitenseite steht der Konzern massiv in der Kritik. Ein beteiligter Datenanalyst hat nun Stellung genommen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/facebook-rechtfertigt-psycho-experiment-auf-neuigkeitenseiten-a-978253.html
Wenn ich mich mit meinen intimen Daten im Internet bewege - dazu gehört insbesondere auch, wie ich micht fühle - sollte mir klar sein, dass diese Daten vom Betreiber der Plattform verwendet werden können. Grundsätzlich, nein, noch nicht mal grundsätzlich, ist nichts privat! Ich laufe auch nicht mit dem Megaphone über die Straße und sage damit jedem, ob es mir gut oder schlecht geht. Der Weg ist nicht mehr weit, unterschwellinge Botschaften in Facebook zu setzen, um Massen zu manipulieren, da ich nie siccher sein kann, ob eine Nachricht authentisch ist. Insofern ist Facebook nicht besser oder schlechter als SpON oder Bild!
sappelkopp 30.06.2014
5. Der Punkt ist ja nicht der...
Zitat von sysopREUTERSHunderttausende Facebook-Mitglieder wurden unwissentlich zu Studienteilnehmern: Wegen einer gezielten Manipulation der Neuigkeitenseite steht der Konzern massiv in der Kritik. Ein beteiligter Datenanalyst hat nun Stellung genommen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/facebook-rechtfertigt-psycho-experiment-auf-neuigkeitenseiten-a-978253.html
...wissenschaftliche Nutzen. Der Punkt ist der Vertrauensverlust, die Möglichkeit, dass FB jeden Tag manipuliert. Aber wie immer, die Nutzer nehmen es hin, zu groß ist die Angst, nicht mehr Hip zu sein.
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