Cambridge-Analytica-Skandal Zahl der Geschädigten deutlich höher als bislang bekannt

Der Facebook-Skandal ist deutlich größer als bislang angenommen. Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern seien mit der Firma Cambridge Analytics geteilt worden. Bisher war man von rund 50 Millionen betroffenen Nutzern ausgegangen.

REUTERS


Der Datenskandal bei Facebook hat deutlich größere Dimensionen als bislang angenommen. Insgesamt seien die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern "unzulässig" mit der britischen Datenanalysefirma Cambridge Analytica geteilt worden, teilte der Technologiechef von Facebook, Mike Schroepfer, in einer Pressemitteilung mit. Bisher war von rund 50 Millionen betroffenen Nutzern ausgegangen worden.

Die meisten der betroffenen Nutzer stammten aus den USA - rund 71 Millionen (81,6 Prozent), gefolgt von den Philippinen (1,4 Prozent) und Indonesien (1,3 Prozent). Als erstes EU-Land taucht Großbritannien an Stelle vier in dem Ranking auf (1,2 Prozent).

Bei dem Datenskandal hatte der Entwickler einer Umfrage-App Informationen von Nutzern an die Analysefirma Cambridge Analytica weitergereicht, die unter anderem für das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump gearbeitet hatte. Dabei geht es nicht nur um die Daten der Umfrage-Teilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde. Das erklärt die hohe Zahl der betroffenen Nutzer.

An der Umfrage hätten sich lediglich 65 Nutzer aus Deutschland beteiligt, wie Facebook auf Anfrage erklärte. Über die Erfassung der Informationen von Freunden - zum Beispiel auch durch Verbindungen zu Nutzern in anderen Ländern - kommt am Ende eine Zahl von bis zu 309.815 betroffenen Facebook-Mitgliedern aus Deutschland heraus.

Die Daten sollen unerlaubt für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump ausgewertet und genutzt worden sein. Behörden in den USA wie in Großbritannien haben deshalb Ermittlungen eingeleitet.

Maßnahmen zum verbesserten Datenschutz

In der Mitteilung kündigte Schroepfner zudem Facebooks geplante Maßnahmen gegen Datenmissbrauch an. Dazu gehöre der stärker eingeschränkte Zugang zu Information über Veranstaltungen, private Gruppen oder Seiten. Besonders über Programmierschnittstellen (APIs) seien solche Informationen zuvor leichter als notwendig abrufbar gewesen.

Zudem sollen Apps, die auf Facebook agieren, stärker vom Unternehmen überprüft werden. In Zukunft dürften sie keinen Zugang zu persönlichen Informationen wie Religionszugehörigkeit oder politischen Ansichten mehr abfragen. Gleichzeitig solle die Transparenz von Apps erhöht werden, indem über dem Newsfeed ein Link eingeblendet wird, mit dem User geteilte Informationen einsehen können.

Zuckerberg sagt vor US-Kongress aus

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte sich zuvor für den Datenmissbrauch entschuldigt und eine Reihe von Reformen in dem Onlinenetzwerk angekündigt. In einem Interview sagte er aber auch, es werde "einige Jahre" brauchen, um die Probleme mit dem Schutz von Nutzerdaten zu beheben.

Am Mittwoch kommender Woche will Zuckerberg im US-Kongress zu dem Skandal aussagen. Zuckerberg werde dann vom Handelsausschuss des Repräsentantenhauses angehört, teilten Mitglieder des Gremiums am Mittwoch in Washington mit.

ans/AFP/Reuters

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insgesamt 19 Beiträge
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trex#1 04.04.2018
1.
In den Zeitungen stand, dass die FDP und die CDU von der Post analysierte Daten ihrer Kunden für den Wahlkampf gekauft haben. Sollten deutsche Medien nicht eher darüber berichten als über den US-Wahlkampf? - - - - - Wer suchet, der findet...: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/deutsche-post-verkauft-daten-an-parteien-illegal-ist-das-nicht-a-1201057.html; MfG Redaktion Forum
andros0813 04.04.2018
2.
soso, es werde einige jahre dauern bis es die nötige sicherheit für die fb-konten gibt...wer sich jetzt noch fb benutzt, hat es nicht besser verdient...
wexelweler 04.04.2018
3. Es gibt keine Geschädigten Facebook Nutzer
Hier hat nur eine Bande von Spin Doctors eine neue Art der Analyse für Werbezwecke gefunden die eine effizientere und zielgerichtete Art der Werbung erlauben. Geschädigt wurde allenfalls die Welt die sich mit klein-Donni rumschlagen muss. Im übrigen halte ich die Daten für ziemlich zweifelhaft und die daraus resultierenden Strategien allenfalls für möglicherweise und meist zufällig richtig. Allenfalls hatten die einen guten Instinkt. Ich habe im Bereich Datenanalyse gearbeitet und weiss deshalb wie schwierig es sein kann aus nicht zusammenpassenden Teilinformationen einen schlaue Interpretation zu erlauben. Das Mansagement möchte dann dass fehlende Information durch ähnliche, veraltete, duplizierte oder geschätzte Informationen ergänzt wird, Prozentwerte idealisiert und geschönt werden. Das kennt man ja auch von vielen Statistiken, die grossen Kaffeesatzleser vor dem Herrn. Leider wird das immer noch so gemacht und vom Gesetzgeber nicht nur geduldet sondern auch so gemacht. Siehe z.B. die Arbeitslosenstatistik, wo sogar kranke Arbeitslose herausgerechnet werden. Hat's in der letzten Statistik weniger Arbeitslose war die Grippesaison wohl länger ... Ich weiss schon warum ich nicht traurig bin nicht mehr in dieser Branche zu arbeiten.
Supertramp 04.04.2018
4. wenn Trump hier Vorteile bei seinem Wahlkampf ergaunert hat, ist die wahl manipuliert
Neuwahlen müssen in der USA her
gerhard.heinzmann 04.04.2018
5. Viel Wind um nichts
Ich sage es immer wieder meinen Kindern: seid euch darüber im Klaren dass alles was Ihr irgendwo, vollkommen egal auf welcher Plattform, von euch im Internet postet quasi öffentlich ist und auch nie mehr gelöscht werden kann. Wenn ich ein Profil auf Facebook oder LinkedIn oder sonst wo anlege dann muss ich mir darüber im Klaren sein dass die Daten die ich dort von mir preisgebe trotz aller (angeblichen) Sicherheitsmaßnahmen für nahezu jeden versierten User zugänglich sind. Jeder kann ein Bild von mir kopieren und weiß Gott wo verwenden. Das ist doch nicht so schwer zu begreifen. Die einzige Möglichkeit sich dieser "Gefahr" zu entziehen ist Enthaltsamkeit; nur wenn ich keinerlei Daten und keine Profile von mir im Internet veröffentliche bin ich einigermaßen sicher, abgesehen von Einträgen im Telefonbuch und sonstigen öffentlichen Medien. Auch die kann man mittels Unterlassungserklärung weitestgehend vermeiden. Wenn ich aber freiwillig (und gutgläubig) Profile von mir im Internet anlege und freizügig persönliche Daten preisgebe dann darf ich mich nicht über die Folgen beschweren. So dumm kann man ja gar nicht sein.
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