Nach Datenskandal Facebook sperrt 200 Apps vorläufig

Nach dem Skandal um Cambridge Analytica hatte Facebook angekündigt, alle Drittanbieter-Apps zu prüfen. Nun hat der Konzern einen Zwischenstand veröffentlicht. Indes belegt ein Medienbericht weitere Nachlässigkeiten.

Facebook-Schriftzug
AP

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Facebook hat den Verdacht, dass rund 200 Apps einen Missbrauch von Nutzerdaten ähnlich wie im Skandal um Cambridge Analytica betrieben haben. Diese Apps seien nach der Überprüfung "Tausender" Anwendungen vorübergehend gesperrt worden, teilte das Unternehmen in einem Blogeintrag mit. Nun folge eine "gründliche Untersuchung", wie und in welchem Umfang die fraglichen Apps tatsächlich Daten von Facebook-Nutzern missbräuchlich verwendet haben, hieß es weiter.

Mit der weitreichenden Überprüfung reagiert Facebook auf den aktuellen Datenskandal. Ein britischer Wissenschaftler hatte über eine Umfragen-App Informationen zu Dutzenden Millionen Nutzern aus der Facebook-Plattform bekommen. Anschließend reichte er sie an die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica weiter - widerrechtlich, wie Facebook betont. Der Wissenschaftler hingegen sieht sich als Bauernopfer des Konzerns.

Erstes Update zur angekündigten Untersuchung

Während nur einige Hunderttausend Nutzer direkt an der Umfrage teilnahmen, bekam die App gemäß der damaligen Funktionsweise von Facebook auch Zugriff auf einige Informationen von deren Freunden bei dem Onlinenetzwerk. Dadurch könnten nach Facebook-Schätzungen bis zu 87 Millionen Mitglieder betroffen sein.

Den automatischen Zugriff auf die Daten der Facebook-Freunde von Umfrageteilnehmern schaltete das soziale Netzwerk bereits 2014 ab. Im Zuge des aktuellen Datenskandals kündigte der Konzern aber an, außerdem alle Apps von Drittanbietern zu überprüfen, die an Facebook andocken konnten.

Die Mitteilung von Montag ist das erste Update zu dieser Untersuchung. Genaue Zahlen der suspendierten und insgesamt überprüften Apps nannte Facebook nicht. Sollte sich herausstellen, dass einige der gesperrten Apps tatsächlich Daten missbräuchlich genutzt haben, sollen die Nutzer informiert werden.

Neue Enthüllungen zu Drittanbieter-App

Der "New Scientist" berichtet indes von einem konkreten neuen Fall, in dem Facebook-Nutzerdaten schlecht geschützt worden seien. Es gibt einige Parallelen zu den vorigen Enthüllungen.

Wie auch im Fall von Cambridge Analytica wurden die Nutzerdaten laut dem wissenschaftlichen Fachmagazin über eine Drittanbieter-App für Persönlichkeitstests gesammelt. Ein Quiz namens MyPersonality soll Informationen wie das Geschlecht, das Alter und den Beziehungsstatus von rund drei Millionen Facebook-Nutzern gesammelt haben. Von 150.000 Nutzern sollen auch Status-Updates abgegriffen worden sein. Namen allerdings wurde nicht gespeichert.

Die Daten sollten über eine Website eigentlich nur einem begrenzten Kreis von Menschen - Wissenschaftlern zum Beispiel - zugänglich gemacht werden. Doch war diese Seite offenbar extrem schlecht gegen Zugriffe Fremder geschützt.

Laut dem "New Scientist" ließen sich der Nutzername und das Passwort für den Login durch eine einfache Internetsuche in "weniger als einer Minute" online finden. So könnte theoretisch jeder die von MyPersonality gesammelten Daten abgegriffen haben. Ob das passiert ist, ist unklar.

gru/dpa



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