Facebook-Psychologie Zeig mir deine Likes - und ich weiß, wer du bist

Sind Sie Raucher, konservativ, schwul? Solche Fragen können Forscher allein auf Basis von Facebook-Likes beantworten. Eine Studie zeigt: Die Daten des sozialen Netzwerks erlauben mit einer Präzision von bis zu 95 Prozent Rückschlüsse auf die Persönlichkeit der Nutzer.

Daumen hoch: Der Like-Button verrät viel über den, der ihn angeklickt hat
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Daumen hoch: Der Like-Button verrät viel über den, der ihn angeklickt hat

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Berlin - Mit allem, was wir tun, geben wir etwas über uns preis: Das T-Shirt, die Lieblingsband, der Laden, in dem wir einkaufen - alles Puzzlestücke für ein Bild unserer Persönlichkeit. Je mehr davon bekannt ist, umso schärfer ist das Bild.

Wie gut ein Computerprogramm Persönlichkeitsmerkmale von Menschen abschätzen kann, zeigt eine neue Studie über Facebook-Likes. Michael Kosinski von der University of Cambridge und seine Kollegen haben dabei als einzige Information die Klicks auf den "Gefällt mir"-Button von 58.000 Facebook-Mitgliedern benutzt. Damit konnten sie beispielsweise mit einer Trefferquote von 93 Prozent das Geschlecht vorhersagen und mit 73 Prozent Genauigkeit Zigarettenraucher identifizieren.

"Wir zeigen, dass man eine Vielzahl von persönlichen Eigenschaften automatisch und akkurat aus den Facebook-Likes einer Person ableiten kann", schreiben die Forscher im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences". In ihrer Studie benutzen sie ein mathematisches Modell, das quasi mit den Likes einer Person gefüttert wird und daraus errechnet, ob der Betreffende ein Anhänger der Demokraten oder der Republikaner ist, Muslim oder Christ.

An der Studie nahmen 58.466 Freiwillige aus den USA teil, die den Forschern Zugriff auf die von Ihnen vergebenen Likes gegeben hatten. Im Durchschnitt hatte jeder der Teilnehmer 170 Mal den Facebook-Button geklickt. Die Likes verteilten sich auf 55.814 verschiedene Web-Angebote wie cnn.com oder die Nachrichtensatire "The Colbert Report".

Das mathematische Modell erlaubte dann ziemlich präzise Vorhersagen etwa zur sexuellen Orientierung oder zur politischen Einstellung. Die höchste Trefferquote erreichte es bei der Frage nach der Hautfarbe (weiß oder schwarz) - in 95 Prozent der Fälle lag es dabei richtig.

Genauigkeit der Vorhersage

Eigenschaft Trefferquote
Gebunden/Single 67 %
Zigarettenraucher 73 %
Trinkt Alkohol 70 %
Drogenkonsument 65 %
Weiß/Afroamerikaner 95 %
Christ/Moslem 82 %
Demokrat/Rebublikaner 85 %
Schwuler/heterosexueller Mann 88 %
Lesbische/heterosexuelle Frau 75 %
Geschlecht 93 %
Um die Vorhersagen ihres Modells überprüfen zu können, nutzten die Forscher Fragebögen zur Persönlichkeit, die jeder der Studienteilnehmer ausfüllen musste. Teils griffen die Wissenschaftler dabei auch auf Informationen zurück, welche die Probanden selbst in ihren Facebook-Profilen hinterlegt hatten. Dort können Nutzer beispielsweise angeben, ob sie an Männern oder Frauen interessiert sind.

Bei der Vorhersagte der Intelligenz erreichte das Modell nur eine Genauigkeit von 39 Prozent. Bestimmte Like-Buttons erlaubten allerdings trotzdem zuverlässige Prognosen. Der "Colbert Report" beispielsweise erwies sich als Indikator hoher Intelligenz. Klicks bei der Motorradmarke Harley Davidson oder der Parfümeriekette "Sephora" waren hingegen ein Hinweis auf geringere Intelligenz.

"Die Studie zeigt, wie wenige Daten von einem Menschen ausreichen, um automatisch und präzise eine Vielzahl persönlicher Informationen abzuschätzen", schreiben die Forscher. Zugleich warnen sie vor einem möglichen Missbrauch derartiger Analysen. Man könne damit leicht viele Menschen durchleuchten - ohne deren Einwilligung und ohne, dass diese etwas davon mitbekämen. "Es sind Situationen vorstellbar, in denen solche Vorhersagen, selbst wenn sie falsch sind, das Wohl eines Menschen gefährden, seine Freiheit oder gar sein Leben."

Wie umstritten die Möglichkeiten der Datenanalyse sind, hatte der Streit um die Kreditwürdigkeits-Auskunftei Schufa im Sommer 2012 gezeigt. Die Ankündigung der Schufa, das Potential sozialer Medien zur Bonitätsprüfung untersuchen zu lassen, hatte Datenschützer und Politiker alarmiert. Nach massiver Kritik an dem Vorhaben stoppte das von der Schufa beauftragte Hasso-Plattner-Institut das Projekt.

Nutzer sozialer Netzwerke sollten genau aufpassen, welche Informationen sie öffentlich machen möchten und welche nicht. Niemand sollte sich falschen Illusionen hingeben: Was öffentlich ist, wird auch genutzt, etwa von Strafverfolgungsbehörden, Kriminellen - oder Scheidungsanwälten, die dort nach Belegen für Ehebruch suchen. Und der Internetgigant Facebook macht letztlich nichts anderes, als mit der Persönlichkeit seiner Nutzer Geld zu verdienen.

Tipp: Ob die eigenen "Gefällt mir"-Angaben öffentlich sind oder nicht, lässt sich leicht in der eigenen Timeline entstellen. Es genügt ein Klick auf den Privatsphäre-Button unter einer beliebigen mit Like markierten Seite.

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insgesamt 81 Beiträge
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Seite 1
kroto 11.03.2013
1. Wirklich?
Ein digitales Netzwerk, dass beinahe das komplette soziale Umfeld und Interessen abbilden kann, erlaubt nun mal Rückschlüsse auf seine Nutzer. Wie sollte es anders sein? Wenn ich z.B. eine Legalisiert-Marihuana-Kampagne like, nun ja, dann ist die wahrscheinlichkeit das ich Drogen konsumiere nicht allzu gering. Epochale Entdeckung.
richardheinen 11.03.2013
2. Selbst schuld
Zum einen ist mir vollkommen unklar, was an einem sozialen Netzwerk wie facebook sozial sein soll. Das hat mir bisher noch keiner erklären können. Zum anderen sind die Nutzer dieser Netzwerke es selber schuld, wenn sie leichtsinnig ihre teils doch intimen Daten preisgeben. Auf dem kleinen Marktplatz der Heimatstadt plaudert niemand etwas über sich aus, aber sich weltweit zu outen, das ist offensichtlich immer drin.
Newspeak 11.03.2013
3. ...
Niemand sollte sich falschen Illusionen hingeben: Was öffentlich ist, wird auch genutzt, Genau. Niemand sollte sich der Illusion hingeben, daß wir in einem Rechtsstaat leben und so etwas wie Anstand noch von Bedeutung ist. Daß ist nämlich die Übersetzung für den obigen Satz in Zeiten des ungehemmten Kapitalismus.
Dengar 11.03.2013
4. Hmm...
Wir haben zwar kein Fratzenbuchprofil, aber falls das mal obligatorisch werden sollte, werfe ich meine ganze Familie in den einen Account...Auf das "Profil" wäre ich dann echt gespannt.
brocklanders 11.03.2013
5. Andersrum
Wer sich die Likes für einzelne Post anschauen will, kann sich gratis über sapplause.com die stats für jede offizielle Seite abrufen. Dabei kann man auch nachschauen, in welchen Ländern die Fans zu Hause sind. Sehr gutes Tool. Hier mal die von Spiegel Online aus den letzten zwei Wochen. http://www.sapplause.com/show.html#!q=cGFnZT0zODI0Njg0NDg2OCZjb3VudHJpZXM9VE9QNDUmbmFtZXM9U1BJRUdFTCBPTkxJTkUmc3RhcnQ9MjUtMDItMjAxMyZlbmQ9MTEtMDMtMjAxMyZtZXRob2Q9YXBwbGF1c2U=
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