Umstrittene Funktion Facebook testet Gesichts­erkennung in Europa

Das soziale Netzwerk wagt einen weiteren Anlauf: Nach dem gescheiterten Versuch vor fünf Jahren will Facebook erneut die Gesichtserkennung in Europa einführen. Dieses Mal sollen die Nutzer eine Wahl haben.

Symbolbild
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Rund fünf Jahre nach dem ersten gescheiterten Versuch probiert es Facebook erneut: Die Gesichtserkennung soll wieder in Europa eingeführt werden. Die Nutzer sollen selbst entscheiden können, ob sie die Funktion aktivieren oder nicht. Bislang war die Funktion in Ländern der EU nicht verfügbar.

In einem Blogbeitrag teilte das Unternehmen am Mittwoch mit, dass zunächst einige Nutzer in Europa ausgewählt werden, um die Gesichtserkennung zu testen. "Wir fragen zunächst nur einen kleinen Prozentsatz von Menschen, damit wir sicher gehen können, dass alles ordentlich funktioniert", heißt es in der Mitteilung.

Mit der Funktion sollen sich künftig Betrugsversuche besser erkennen lassen. So werde ein Nutzer benachrichtigt, wenn ein Betrüger ein fremdes Foto als sein Profilfoto benutzt. Die Nutzer werden auch von Facebook darauf hingewiesen, wenn sie unmarkiert auf einem Foto auftauchen - mit dessen Veröffentlichung sie vielleicht gar nicht einverstanden sind.

Von der Gesichtserkennung sollen auch Menschen mit Sehbehinderung profitieren. Ein Algorithmus verknüpft Namen mit den Personen, die auf dem Foto abgebildet sind, und liest dem Nutzer bei Bedarf vor, wer auf dem Foto zu sehen ist.

Die von Datenschützern kritisierte Funktion wird nun ausgerechnet anlässlich der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung wieder eingeführt. In der Ankündigung verspricht Facebook den Nutzern zunächst mehr Kontrolle über Privatsphäre-Einstellungen.

Die Gesichtserkennung ist nur eine Funktion, die getestet werden soll. Die Aktivierung sei freiwillig, werde den Nutzern vorgeschlagen und müsse aktiv eingeschaltet werden. Wenn der User nichts unternehme oder den Vorschlag ablehne, bleibe die Gesichtserkennung ausgeschaltet.

2013 stoppte Facebook die Gesichtserkennung

Die Opt-In-Funktion war auch die Voraussetzung der Gesichtserkennungs-Gegner, die den ersten Vorstoß in Europa verhindert hatten. Im Jahr 2013 scheiterte das soziale Netzwerk mit dem Versuch, die Gesichter der Mitglieder zu scannen. Datenschützer kritisierten damals die Tests und zwangen Facebook dazu, die Gesichtserkennung einzustellen.

Damals drohten die Gegner: Sollte Facebook erneut Funktionen zur Gesichtserkennung einführen, ohne eine Zustimmung der Betroffenen vorab einzuholen, würde ein neues Verfahren eingeleitet. Der US-Konzern sichert nun zu, in Zukunft datenschutzrechtliche Vorgaben zu erfüllen.

jbr/juh/dpa



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