Rubens-Gemälde So protestieren belgische Museen gegen Facebooks Nacktheits-Bann

Der belgische Maler Rubens ist berühmt für seine Akte. Damit auf Facebook werben dürfen belgische Museen aber nicht. Ein skurriles Video macht nun mobil gegen die Anti-Nacktheits-Regeln der Plattform.

Rubens-Gemälde in Dresden
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Rubens-Gemälde in Dresden


Bitte nicht anschauen, hier sind nackte Menschen zu sehen: Mit dieser ironisch gemeinten Botschaft überraschte die flämische Tourismusbehörde in Belgien Museumsbesucher, die sich in Antwerpen Werke des einflussreichen Künstlers Peter Paul Rubens ansehen wollen.

Mit der Aktion, die werbewirksam in einem YouTube-Video festgehalten wurde, protestiert eine Reihe von belgischen Museen überspitzt gegen Facebooks strenge Anti-Nacktheits-Richtlinien für Werbung.

Die Museen aus der Region Flandern wollten mit Bildern des berühmten Malers in dem sozialen Netzwerk werben. Das wurde aber zum Problem, denn der 1640 gestorbene Maler aus Antwerpen ist bekannt für seine Aktmalereien. Facebooks Werberichtlinien verbieten aber die Darstellung von Nackten, auch wenn es um Kunst geht. Ausnahmen gibt es nur für Skulpturen, nicht für Gemälde.

Geht es um normale Beiträge auf Facebook, nicht um Werbung, ist das Netzwerk zwar immer noch streng und erlaubt keine allzu freizügigen Bilder. Weibliche Brustwarzen etwa sind tabu. Für Kunst gilt das aber nicht.

Zu unanständig für Facebook

Der britische "Guardian" berichtet nun von einem Brief der Museen in Flandern an Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Darin beschwert sich die Tourismusbehörde stellvertretend, dass das Netzwerk die von Rubens gemalten Brüste, Hinterteile und Engelchen als unanständig erachte. Deshalb könne man den berühmten Künstler nicht einsetzen, um für die Region auf Facebook zu werben.

Um zu verdeutlichen, wie irrwitzig Facebooks Werberegeln aus Sicht der flämischen Museen sind, hat die Behörde die Richtlinien der Plattform quasi eins zu eins ins Museum übertragen und über die Aktion ein Video gedreht. Darin sind verwunderte Touristen - es ist unklar, ob es sich um Schauspieler handelt - zu sehen, die im Rubenshaus Werke des Künstlers ansehen wollen. Sicherheitspersonal schickt die Besucher aber weg von den Wänden, an denen die Akte hängen. Diese zu sehen sei ihnen nicht erlaubt.

Facebooks Richtlinien führte in der Vergangenheit unter anderem zur Sperrung des als Werbemittel gedachten Fotos einer Neptun-Statue - weil das Kunstwerk aus dem 16. Jahrhundert einen nackten Mann mit Dreizack in der Hand zeigte. Auch ein ikonisches Foto aus dem Vietnamkrieg war zeitweise gesperrt.

gru



insgesamt 7 Beiträge
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noalk 24.07.2018
1. Das dürften echte Museumsbesucher sein
Denn so echt, wie die ihre Verwunderung oder ihren Humor zeigen, schafft das keine solche Zahl von Schauspielern. Ergänzung zum Artikel: Die fbi-Personen haben offensichtlich nur solchen Besuchern den Blick auf die Gemälde verwehrt, die auf Befragen bestätigten, ein facebook-Konto zu haben.
neanderspezi 24.07.2018
2. Erst die Zollmaßnahmen, dann die kulturellen Maßnahmen
Man könnte meinen, dass nach und nach alles Kranke aus den USA nach Europa geholt werden müsse und nicht zuletzt auch die sittliche Verkorkstheit, Prüderie und der evangelikale Glaubenshorizont auf altbiblischem Level aus dem Land geistiger Ausfallerscheinungen. Die Evolutionstheorie wird vermutlich ebenfalls bald als Irrlehre behandelt und als komplett unglaubwürdige Fakebotschaft ins noch ungebildete europäische Hinterland verfrachtet und im US-Bekehrungseifer neben der Entsorgung vieler wissenschaftlicher Disziplinen, in den Unterricht unverrückbar fest eingebunden. Facebook wird dann die noble Aufgabe erhalten, das Lehrmaterial zunächst für Europa und dann für das übrige kulturelle Ödland entsprechend aufzubereiten.
g2525 24.07.2018
3. Vielerlei Maß ...
... von Herrn Zuckerberg. Das Leugnen des Holocaust ist für ihn kein Problem, rechtsradikale oder judenfeindliche Einträge werden nur mit gehöriger Zeitverzögerung - evtl. - gelöscht. Was ist denn das für ein prüdes Bürschchen, wenn ihm jahrhundertealte oder zeitgenössische Kunstwerke auf- oder erregen, wenn Nippel & Co. zu sehen sind? Da kann man nur verständnislos den Kopf schütteln ...
Sibylle1969 24.07.2018
4.
Das Bild „Leda mit dem Schwan“ am Anfang des Artikels habe ich neulich in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden gesehen. Es war ziemlich - wie die Amerikaner sagen würden - explicit, dh eindeutig sexuell, da ja Leda vom Schwan offensichtlich penetriert wird. Andere Bilder alter Meister wie Rubens sind da erheblich harmloser, mal ein paar nackte Brüste oder auch vollständig nackte Frauengestalten, meist aus der antiken Mythologie. Aber die Regeln von Facebook sind da viel strikter, geprägt von der viel prüderen puritanisch geprägten amerikanischen Kultur.
dasfred 25.07.2018
5. Zu Nr.4 Sibylle 1969
Ich glaube, in Anbetracht des Schwans, hätten Sie an dieser Stelle auch den Ausdruck vögeln benutzten dürfen. Man ist hier ja nicht bei Facebook.
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