Messenger-Apps Facebook und WhatsApp bleiben getrennt

Facebooks Messenger soll auf absehbare Zeit weitgehend werbefrei und von WhatsApp getrennt bleiben, verspricht der zuständige Manager. Auch zur Datenweitergabe an Behörden machte er eine klare Aussage.

Facebook-Manager David Marcus: Keine Pläne, Messenger und WhatsApp zusammenzulegen
DPA

Facebook-Manager David Marcus: Keine Pläne, Messenger und WhatsApp zusammenzulegen


Facebook habe keine Eile, mit seinem Kurznachrichtendienst Messenger Umsätze zu erwirtschaften, sagte der zuständige Facebook-Manager David Marcus am Rande der Internet-Konferenz DLD in München. Man wolle die App "nicht mit Werbung zukleistern", vielmehr habe der Komfort der Nutzer Vorrang. "Wenn es uns egal wäre, könnten wir das machen - und bei 500 Millionen Nutzern jede Menge Geld verdienen."

Eine Überlegung für die Zukunft sei allerdings, Unternehmen kostenpflichtige Kanäle zur Kommunikation mit ihren Kunden per Messenger anzubieten. Spekulationen über eine Integration von Bezahlfunktionen in den Messenger erteilte Marcus eine Absage: "Wir haben derzeit kein Interesse, ein Bezahlgeschäft aufzubauen." Der 41-Jährige führte bis zu seinem Wechsel zu Facebook im vergangenen Jahr den Bezahldienst Paypal.

Marcus bekräftigte auch, dass der seit Anfang 2014 zu Facebook gehörende Kurznachrichtendienst WhatsApp weitgehend unabhängig agiere. WhatsApp behielt seinen Firmensitz außerhalb des Facebook-Geländes, es gebe wie angekündigt keine Daten-Zusammenlegung, man tausche sich nur regelmäßig über die Strategie aus. "Außerdem ist vereinbart, dass einige neue Funktionen, die wir testen, mit der Zeit in WhatsApp integriert werden könnten." Das werde auch bei Ideen zum Geldverdienen der Fall sein. "Wir haben keine Pläne, die beiden Dienste zusammenzuführen."

Datenweitergabe an Behörden

Als Facebook WhatsApp für knapp 23 Milliarden Dollar übernahm, machte sich bei vielen Nutzern die Sorge breit, ihre Daten würden mit den Beständen des sozialen Netzwerks verknüpft. Facebook und WhatsApp versicherten, das sei nicht geplant. "Im Moment geht es nicht um Daten", sagte Marcus. Derzeit hätten beide Dienste, der Messenger und WhatsApp, das Ziel, die Marke von einer Milliarde Nutzern zu knacken.

Der Facebook-Manager erläuterte erstmals, wie WhatsApp und Messenger unter einem Dach parallel betrieben werden sollen. Die Vision sei, WhatsApp mehr für die schnelle Kommunikation mit Grundfunktionen zu positionieren - "eine Art neue Version der SMS". Der Facebook-Messenger solle mit zusätzlichen Anwendungen und Funktionen angereichert werden.

WhatsApp hat über 600 Millionen aktive Nutzer und damit mehr als Facebooks Messenger, der von etwas mehr als 500 Millionen Menschen genutzt wird. Es ist nicht bekannt, wie stark sich die Nutzerkreise überlappen. Während der Messenger auf dem Facebook-Profil aufsetzt, ist WhatsApp lediglich mit der Handynummer verknüpft. Marcus stellte klar, dass Facebook Daten aus dem Messenger in den von Gesetzen vorgesehenen Fällen an Behörden weitergibt.

Facebook entwickelt eigene Spracherkennung

Technisch will Facebook die Spracherkennung im Messenger weiterentwickeln. Die Technologie für eine Funktion, die gesprochene Nachrichten in geschriebenen Text umwandelt, sei eine Eigenentwicklung des sozialen Netzwerks, sagte Marcus.

Dabei sei besonders wichtig, dass die Facebook-Software lerne, ganz normal gesprochene Sätze zu verarbeiten. "Üblicherweise versuchen die Menschen, besonders klar und deutlich zu reden, wenn sie mit Computern sprechen." Wenn sie kurze Nachrichten für einander aufnehmen, sei dies nicht der Fall. Facebook testet dieFunktion zur Umwandlung gesprochener Nachrichten in Text bisher in einem kleinen Kreis von Nutzern in den USA.

mak/dpa

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Badener1848 20.01.2015
1. Im Moment geht es nicht um Daten...
Ein klares Dementi, dass WhatsApp nicht irgendwann mit Facebook zusammengeführt wird, sieht anders aus. Aber irgendwie muss sich ja der Einkauf für Facebook lohnen, die machen das ja nicht aus reinem Gutmenschentum.
Beobachtung 20.01.2015
2. Trennung macht keinen Sinn
es ist Blödsinn 2 Messenger unter einem Dach zu betreiben. warum. sollte fb das machen ?
cor 20.01.2015
3. Was redet der da?
"Facebook habe keine Eile, mit seinem Kurznachrichtendienst Messenger Umsätze zu erwirtschaften" Stimmt, denn es passiert schon. Die Nachrichten werden ausgewertet und anhand dessen personalisierte Werbung angezeigt.
Tick & Doof 20.01.2015
4. Lügenbaron
Aha. Erstmal wird das gesamte Adressbuch hochgeladen obwohl dem Großteil der darin stehender Personen der nicht zugestimmt hat. Und dann wollen die 2 Messenger nebeneinander betreiben? Klar. Passt auch wieder super in ihr geschlossenes System. Anstatt Messenger offen zu gestalten, damit sich alle miteinander unterhalten können und nicht zu Software gezwungen werden, wird weiterhin das geschlossene System ausgebaut. Bei der SMS war Software, Handymodell und Provider egal - jeder war dabei. Bei WhatsApp und Messenger braucht man das richtige Telefon und die richtige Software. Hat man einen Exoten wie Jolla oder demnächst Ubuntu, ggf. Firefox OS, dann kann man kein WhatsApp und keine Messenger App benutzen. Auf Dauer macht das das Internet kaputt. Denn das ist offen und wurde anfangs nicht von 3-4 Datenkraken betrieben, die keine Daten mehr aus ihrem System lassen. Facebook ist da mit Abstand das Schlimmste!
abby_thur 20.01.2015
5. Messenger-Apps: Facebook und WhatsApp bleiben getrennt
Zitat von Beobachtunges ist Blödsinn 2 Messenger unter einem Dach zu betreiben. warum. sollte fb das machen ?
Nicht ganz. Meine Theorie und Vermutung ist: Es werden ja seit neustem viele User zur Klarnamenpflicht verdonnert. D.H. ein Reiner Zufall soll doch jetzt bitte Norman Müller heißen, man wird ja angeschrieben per Mail. Nun, woher weiß Facebook das? What's App liest das Telefonbuch der Nutzer aus, wenn da einer ein paar Mal unter Norman Müller gespeichert ist, bei Facebook aber Reiner Zufall heisst, dann liegt die Vermutung nahe, dass dies nicht sein richtiger Name ist. Wer die Facebook App verwendet, weiß, dass Facebook auch die Telefonnummer des entsprechenden Smartphones checkt.
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