Facebook-Verfehlungen Online-Jagd auf Israels Wehrpflicht-Sünderinnen

Israels Armee hat ein Problem: Zu viele Soldatinnen verweigern den Wehrdienst. Viele davon mit der Begründung, sie seien strenggläubig. Eine Sonderabteilung überführt Schummlerinnen jetzt per Facebook - mit Erfolg.

Israelische Soldatin: 42 Prozent der Israelinnen verweigern den Dienst an der Waffe
AP

Israelische Soldatin: 42 Prozent der Israelinnen verweigern den Dienst an der Waffe


Junge Männer müssen für drei Jahre zum Kommiss, junge Frauen für zwei: In Israel ist der Wehrdienst eine ernste Sache und kostet noch richtig Lebenszeit. Sich um die Bürgerpflicht zu drücken, ist nicht einfach - außer man ist besonders strenggläubig, lebt buchstabengetreu nach den jüdischen Glaubensvorschriften. Wer das tut, kann den Dienst an der Waffe verweigern - und offensichtlich tun das vor allem Frauen recht gern. Doch denen will die Armee jetzt per Facebook auf die Schliche kommen, berichtet die britische " Times" (nur für Abonnenten).

Eine Spezialeinheit ist demnach mit der Aufgabe betraut worden, Schummlerinnen ausfindig zu machen, die ihre tiefe Religiosität nur vorschieben. Eine Analyse der Facebook-Aktivitäten der verweigernden Damen soll zutage bringen, ob sie sich wirklich den jüdischen Regeln gemäß verhalten, oder ob man ihnen Fehlverhalten, womöglich sogar regelmäßiges, nachweisen kann. Eine Aktion, die offenbar erfolgreich verläuft. Bisher haben die Ermittler dem Zeitungsbericht zufolge bereits rund 1000 Falsch-Verweigerinnen aufgespürt, deren Facebook-Aktivitäten einen gar nicht so orthodox geprägten Lebensstil verrieten.

Dabei gehen die Mitglieder der Spezialeinheit offenbar gezielt auf die Suche nach ganz bestimmten Online-Beweisen. Das können beispielsweise Fotos sein, auf denen die Frauen in Restaurants beim Verzehr unkoscherer Speisen zu sehen sind oder Bilder, auf denen sie in Kleidung posieren, die orthodoxe Juden als unangebracht ansehen würden, erklärte ein Armeeoffizier der Zeitung " Ha'aretz"

Verräterische Samstagsaktivitäten

Manchmal sind es aber auch scheinbar Kleinigkeiten, mit denen sich die Verweigerinnen verraten. Eine unachtsam am Samstag in Facebook geschriebene Statusmeldung reicht da schon aus. Denn Samstag ist der jüdische Ruhetag, der Sabbat, an dem orthodox lebende Juden keine Arbeit verrichten - und auch keine elektrischen Geräte benutzen sollen, also auch keine Computer oder Handys. Manchmal locken die Ermittler Verdächtige auch selbst in die Falle, indem sie vorgeben, sie per Facebook zu einer Party am Freitagabend einladen zu wollen. Auch wer einer solchen Einladung zusagt ist geliefert, denn der Sabbat beginnt nicht erst am Samstagmorgen, sondern wird bereits mit dem Sonnenuntergang am Freitag eingeläutet.

Der Grund, weshalb das Militär jetzt so eifrig gegen die Schein-Verweigerinnen vorgeht: Viele liberale Israelis sind sauer, weil sie das Gefühl haben, die Last des Wehrdiensts werde allein von ihren Schultern getragen. Dem Brigadegeneral Amir Rogovsky zufolge verweigern derzeit 42 Prozent der jungen Israelinnen den Wehrdienst, wobei das Gros das mit ihrer Religiosität begründet (35 Prozent). Um diesen Aderlass zu stoppen, sei die Spezialeinheit vor zwei Jahren innerhalb des Militärgeheimdienstes eingerichtet worden.

Ab in die Kaserne

In den vergangenen Monaten allerdings hatte es eher düster ausgesehen, um das Verhältnis der israelischen Armee zu Facebook. Im August hatten Fotos für Aufsehen gesorgt, auf dem eine Soldatin lächelnd neben gefangenen Palästinensern mit verbundenen Augen zu sehen ist. Sie selbst hatte es bei Facebook eingestellt. Monate zuvor wurde berichtet, rund 200 Elitesoldaten hätten sich von einer hübschen jungen Frau via Facebook becircen lassen, Geheimnisse auszuplaudern. Geschickt worden war die Dame von der Hisbollah.

Auch gegen solche Sicherheitslecks soll die Spezialeinheit laut "Ha'aretz" vorgehen und darf bei der Befragung verdächtigter Soldaten angeblich sogar Lügendetektoren einsetzen. Eine solche Behandlung müssen die jetzt per Facebook überführten Schein-Verweigerinnen freilich nicht fürchten. Zwar könnte ihr Vergehen grundsätzlich als Straftat verfolgt und mit Gefängnis bestraft werden, doch so weit will die Armee nicht gehen. Sie begnügt sich damit, die Frauen zum Dienst einzuziehen - für zwei Jahre.

mak

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