Werbung mit Nutzern Facebook verschiebt Start umstrittener Werberegeln

Facebook nimmt sich Bedenkzeit: Damit reagiert der Konzern auf die Kritik von Mitgliedern und Datenschützern. Geprüft werden soll nun, ob die neuen Regeln zur Werbung mit Nutzernamen und Fotos überarbeitet werden.

Facebook-Chef Zuckerberg: Doch keine Werbung mit Minderjährigen?
REUTERS

Facebook-Chef Zuckerberg: Doch keine Werbung mit Minderjährigen?


Den Start der neuen Nutzungsbedingungen hat Facebook erst einmal verschoben. Das Unternehmen will die umstrittenen Änderungen noch einmal prüfen, wie die US-Tageszeitung "Los Angeles Times" berichtet. "Wir nehmen uns Zeit, um sicherzugehen, dass die Nutzerkommentare gesichtet werden und mit in die Entscheidung einfließen, ob weitere Änderungen nötig sind." Der Prozess sei wohl in der kommenden Woche abgeschlossen.

Facebook reagiert damit unmittelbar auf die Kritik der Nutzer an den neuen Regeln. Grund für den Protest: der US-Konzern will sich das uneingeschränkte Recht einräumen mit Nutzernamen zu werben und die Reklame nicht immer als Werbung zu kennzeichnen. Außerdem sind US-Datenschützer darüber verärgert, dass Facebook auch mit den Profilen von Minderjährigen werben will.

Sechs große Datenschutzorganisationen haben nun bei der US-Handelskommission FTC eine Beschwerde eingereicht. Sie werfen Facebook vor, dass der Konzern mit den geänderten Nutzungsbedingungen gegen eine Vereinbarung aus dem Jahr 2011 verstoße. Darin war festgehalten worden, dass Namen und Bilder von Netzwerk-Mitgliedern nicht ohne ihre Zustimmung zu Werbezwecken genutzt werden dürfen.

Vor knapp einer Woche hatte die Facebook-Datenschutzbeauftragte Erin Egan den knapp 1,2 Milliarden Mitgliedern mitgeteilt, dass man die Regeln ändern werde. Die Nutzer haben sich vor allem darüber beklagt, dass den neuen Nutzungsbedingungen zufolge künftig uneingeschränkt mit ihren Namen, Profilbildern und Interessen geworben werden darf. Facebook hatte eine Passage gestrichen, die besagt, dass Werbung mit der eigenen Identität über die Privatsphäre-Einstellungen eingeschränkt werden kann.

Facebook hingegen erklärte, dass lediglich die Sprache in den Nutzungsbedingungen angepasst worden sei. Die Mitglieder sollen laut einer Sprecherin auch in Zukunft die Möglichkeit haben, die Werbung mit ihrem Namen auf den Freundeskreis zu beschränken oder komplett zu deaktivieren. Allein: Facebook ist nach den neuen Regeln nicht dazu verpflichtet, diese Einstellungen beizubehalten.

jbr



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insgesamt 4 Beiträge
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mike.papa.sierra 06.09.2013
1. ...
Wann merken die "Nutzer" bei FB endlich, dass nicht Kunden sind sondern die Ware?'
fragel 06.09.2013
2. Facebook soll es doch ruhig machen
Wer so dämlich ist und Facebook nutzt , muss es ja auch irgendwie merken. Von mir aus können die das machen. Ich war nie in diesem Verein und werde auch nie da zu finden sein. Jeder der sich bei Facebook anmeldet, sollte zuerst das Kleingedruckte lesen und wenn er sich dann anmeldet, muss er mit solchen Sachen rechnen. Boykott ist eine Möglichkeit, Änderungen herbei zu führen.
kritischerleser50 06.09.2013
3. Inkonsequent
"fragel" hat doch völlig recht: Ich amüsiere mich auch immer über die, die sich in sozialen Netzwerken anmelden und dann rumkreischen, wenn für sie, "völlig überraschend" offenbart wird, was mit ihren Daten geschieht - wobei man die schlimmsten Sachen wahrscheinlich gar nicht weiß. Also entweder nicht wundern und nicht meckern, oder RAUS DA ! Wenn denen Millionen und Millionen Nutzer abspringen, setzt vielleicht ein Umdenken ein. Aber: Drin bleiben und meckern - das ist der falsche Weg. Man muss den Betreibern klarmachen, wer Kunde ist, und das man nicht gezwungen ist, dort zu bleiben oder gar dankbar sein muss, dort sein zu dürfen !
FrankDr 06.09.2013
4.
Zitat von mike.papa.sierraWann merken die "Nutzer" bei FB endlich, dass nicht Kunden sind sondern die Ware?'
Wieso gehen Sie davon aus, die Leute wüssten das nicht? Sie benutzen ja auch google und wollen nicht pro Suchanfrage 2 cent abgebucht bekommen. Genauso läuft Facebook.
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