Facebook: Wie man Nutzer zu Spamschleudern macht

Facebooks neue Funktionen bieten viele Möglichkeiten - auch für Menschen mit schlechten Absichten. Der neue "like"-Button, der sich in jede beliebige Website einbinden lässt, ist ein perfektes Werkzeug für Spammer und andere zwielichtige Gesellen: Er lässt sich nämlich fälschen.

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Facebook: Spamschleuder Nutzer?

Wie macht man möglichst viele Katzenfans zu Spam-Versendern? Seitdem Facebook seine neuen Features vorgestellt hat, lässt sich diese Frage mit Leichtigkeit beantworten: mit Hilfe des neuen "Like"-Buttons, mit dem Facebook-Nutzer auf beliebigen Web-Seiten kundtun können sollen, wenn sie etwas gut finden. Denn den kann man ganz leicht fälschen und Menschen so dazu bringen, Dinge zu loben, die sie gar nicht mögen, ja vermutlich nicht mal kennen.

Konkret würde das mit den Katzen und dem Spam so funktionieren: Man bastelt sich eine Web-Seite mit vielen Bildern von süßen und knuddeligen Katzenbabies drauf - so etwas ist in den Weiten des Internets innerhalb von ein paar Stunden zusammengeklaubt. Man versehe die Katzen mit ein paar noch zauberhafteren Bildunterschriften, so dass der Katzenfreund von Welt gar nicht anders kann als "ahhh" und "oohhh" zu machen und beinahe reflexhaft auf den in die Seite eingebundenen "Like"-Button zu klicken - um seinem Facebook-Freundeskreis mitzuteilen, dass er gerade diese süße Katzenseite entdeckt hat.

Was der Katzenfreund nicht ahnt: Der "Like"-Button ist gar nicht mit der Katzenseite verknüpft, sondern mit einer ganz anderen. Beispielsweise einer Website, die im Drive-by-Verfahren versucht, Trojaner auf schlecht abgesicherten Computern zu platzieren. Oder mit einer Abzockseite, die einem im Kleingedruckten ein teures, völlig nutzloses Abo unterjubelt. Oder mit einer Pornoseite, die dringend ein bisschen neues Publikum braucht. Mit einem Klick hat der Katzenfreund unabsichtlich seinem gesamten Netz-Freundeskreis gegenüber unwissentlich für Pornos, Viren oder Trickbetrug geworben. Wenn einer, der die Empfehlung sieht, auf den entsprechenden Link klickte, würde er direkt dorthin umgeleitet - und sich dort beispielsweise eben einen Trojaner einfangen.

Herausgefunden hat das Arnab Nandi, ein Doktorand an der University of Michigan. Nandi band in einen Blogeintrag zum Thema einen "Like"-Button ein - und brachte damit bis Freitagnachmittag über 2000 Nutzer dazu, sich unfreiwillig zur offiziellen Website von Britney Spears zu bekennen.

Auch das Tech-Blog "ReadWriteWeb" hat die Sache anhand eines Beispiels anschaulich vorgemacht - klickt man auf den Like-Button im Blogeintrag, während man bei Facebook eingeloggt ist, erscheint im eigenen Facebook-Profil und in den Newsfeeds des digitalen Freundeskreises kein Lob für den Artikel, sondern eins für das Twitter-Feed des ReadWriteWeb-Autors Richard MacManus. Auch, wenn man die "Like"-Entscheidung aus dem eigenen Facebook-Newsfeed wieder entfernen kann - in den Eingeweiden von Facebooks Datenschatz bleibt die Information erhalten, wie MacManus und Nandi in ihren Artikeln ausführen.

"Wird dieses Problem sich so stark ausbreiten, dass die Leute anfangen werden, das "Gut finden" überall im Netz zu fürchten?", fragt MacManus. Arnab Nandi hat sich bereits einen Namen für die neue Welle mit diesem Trick herbeigeführter Nachrichten ausgedacht, die er erwartet: Newsfeed-Spam. Der durchschnittliche Facebook-Nutzer hat etwa 130 Netzwerk-Kontakte, - ein Millionenheer von Multiplikatoren, die künftig jeder Trickser mit etwas Geschick zu seiner Privatarmee machen kann.

cis

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Facebook Funktionen
felk 23.04.2010
Zitat von sysopFacebooks neue Funktionen bieten viele Möglichkeiten - auch für Menschen mit schlechten Absichten. Der neue "like"-Button, der sich in jede beliebige Website einbinden lässt, ist ein perfektes Werkzeug für Spammer und andere zwielichtige Gesellen: Er lässt sich nämlich fälschen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,690913,00.html
mich würde viel mehr interessieren, wie es kommt, dass mich a) immer mehr fake-Profile "adden" möchten ... und noch schlimmer b) ich von solchen fake-Profilen benachrichtigt werde, dass sie meine Freundschaftsanfrage (die ich nie gestellt hatte!!!) angenommen hätten und wir somit "Freunde" wären -->???
2. Wann recherchiert SPON dazu?
HALHAL 23.04.2010
Zitat von felkmich würde viel mehr interessieren, wie es kommt, dass mich a) immer mehr fake-Profile "adden" möchten ... und noch schlimmer b) ich von solchen fake-Profilen benachrichtigt werde, dass sie meine Freundschaftsanfrage (die ich nie gestellt hatte!!!) angenommen hätten und wir somit "Freunde" wären -->???
Das wüßte ich auch gern! Vor allem: Was bringen diese Fake-Profile den Erstellern?
3. Ist doch cool...
MaxGrabowski 23.04.2010
... so wird durch die Etablierung der "ilike"-Button-Dialektik mittels Spammern dafür gesorgt, daß Herr Zuckerberg kein Land gewinnt, sondern verliert. Ich kann daran nur gutes sehen. Nebenbei, liessen sich auch noch simpelste Cookie-Stealing-Techniken etablieren, die endlich die faulen Nutzer abgewöhnen lässt immer überall angemeldet zu bleiben. Oder gab es hier bei SPON u.a. auch nen Social-Network-FB-Button? Ich hoffe die kommende Spamwelle wird globale Ausmaße annehmen! Wovon man bei den veritablen Lochsuchern der Viagra-Fraktion ausgehen kann.
4. Simple Marketing Methode
MaxGrabowski 23.04.2010
Zitat von felkmich würde viel mehr interessieren, wie es kommt, dass mich a) immer mehr fake-Profile "adden" möchten ... und noch schlimmer b) ich von solchen fake-Profilen benachrichtigt werde, dass sie meine Freundschaftsanfrage (die ich nie gestellt hatte!!!) angenommen hätten und wir somit "Freunde" wären -->???
Im Internet-Marketing, gilt wie bei Weibern: It's a numbers game! Soll heissen, entweder sind es automatisierte/programmierte Vorgänge, um möglichst viele FB-User vollzuspammen, oder zu teilen indische Anbieter, die für 0,10 US-Cent ein FB-Profil anlegen und Friends in hunderten adden. Wird in Zukunft sicher noch krassere Ausmaße annehmen. Es sei denn man muss sich bei FB u.a. mit dem Führerschein authentifizieren. Aber wollt ihr das? Ja, klar, die Hardcore-FB-Fetischisten haben kein Problem, mit Weitergabe ihere Daten.... Schickt der Auftraggeber, nachdem er 'sozialisiert' ist, darüber Werbung (Wobei:jegliche Werbung ist eigentlich Spam -auch die im Radio oder im TV - nur man hat sich daran gewöhnt) erreicht er mit einem Klick einige zigtausend und hat gleichzeitig die Reputation von 'authentischen' Usern - durch das vorherige adden. Sehr nützlich heutzutage. Reputationsmanagement umgekehrt sozusagen.
5. Genauso wie
dutchinnz 23.04.2010
es gilt: "Jedes Land hat die Regierung die es verdient", gilt auch: "Jeder, der das geistige Niveau hat um sich bei Facebook & Co anzumelden, bekommt das, wofür er gewählt hat". Im Nachhinein klagen über eigenes Versagen ändert daran nichts.
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Facebook
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Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook 845 Millionen aktive Mitglieder weltweit (Dezember 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite.
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Google+ ist der Versuch, den sozialen Funktionen von Facebook und Twitter etwas entgegenzusetzen. Das soziale Netzwerk wurde im Juni 2011 gestartet und hat nach Firmenangaben rund 170 Millionen Nutzer (April 2012). Der Funktionsumfang ist rein aus Nutzersicht vergleichbar mit Facebook, Schnittstellen für externe Entwickler sind allerdings eingeschränkt. Google animiert seine Nutzer, das Netzwerk als zentralen Hub für seine Dienste zu nutzen. Mehr zu Google+ auf der Themenseite.
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Der auf kurze Textnachrichten spezilalisierte Dienst Twitter wurde im Juli 2006 gegründet. Populär wurde der Dienst als Verteilnetzwerk für Links, Fotos und Videos. Twitter zählt nach eigenen Angaben mehr als 140 Millionen Nutzer (März 2012). Mehr zu Twitter auf der Themenseite.
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Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Nach eigenen Angaben hat Xing über 11,7 Millionen Mitglieder (Stand: Dezember 2011), etwa acht Prozent haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme. Mehr zu Xing auf der Themenseite...
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Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess in StudiVZ, später finanzierten es vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben rund 17,4 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2011). Mehr zu StudiVZ auf der Themenseite...
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Im Mai 2005 gegründet, hat das Netzwerk Lokalisten nach eigenen Angaben (Stand Juli 2010) inzwischen 3,6 Millionen Nutzer. Mehr zu Lokalisten bei Wikipedia...
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Das 1996 in Regensburg gegründete Unternehmen Spin betreibt ein eigenes soziales Netzwerk, aber auch integrierte Unter-Communitys mit regionalem Fokus, die mit Partnern vor Ort (Lokalradios vor allem) betrieben werden. Nach eigenen Angaben (Stand Februar 2011) hat Spin.de eine Million aktive Mitglieder. Mehr zu Spin.de bei Wikipedia...
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Wer-kennt-wen wurde von den beiden Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler gegründet. Seit Februar 2009 gehört das Netzwerk vollständig RTL Interactiv, die Gründer schieden Ende August 2010 aus. Das Netzwerk hat laut Betreiber über 9,5 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2012). Mehr zu Wer-kennt-wen bei Wikipedia...
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MySpace war 2006 das populärste soziale Netzwerk in den USA. Ein Jahr zuvor war es von Rupert Murdochs News Corporation gekauft worden. Bekannt wurde es durch die Möglichkeit, Musik einzubinden. Künstler und Bands nutzten die Plattform als Marketingplattform. Zeitweise hatte MySpace mehr als 220 Millionen Nutzer, nach Berechnungen von Google rund 30 Millionen Nutzer (Dezember 2011). Mehr zu MySpace auf der Themenseite...

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