Demütigung im Netz Facebook will gegen Rachepornos vorgehen

Mithilfe einer Software will Facebook verhindern, dass intime Fotos ohne Zustimmung der Betroffenen geteilt werden. Dabei hatte der Konzern gerade in Deutschland noch behauptet, so etwas sei technisch gar nicht möglich.

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Facebook will gegen sogenannte Rachepornos auf seiner Plattform vorgehen. Wenn betroffene Nutzer Nacktaufnahmen melden, die ohne ihre Zustimmung veröffentlicht worden sind, soll eine Bilderkennungssoftware diese aus dem Netzwerk filtern. Dazu soll es auch eine neue Meldeoption geben, die "Nacktbilder von mir" lautet.

"Revenge Porn" ist eine Gattung der Pornografie im Netz. Allgemein versteht man darunter, dass Personen intime Fotos anderer ohne deren Zustimmung veröffentlichen. Den Namen erhielt das Phänomen aus dem Grund, dass die Abgebildeten damit häufig gedemütigt werden sollen. In der Regel sind die Opfer Frauen, die Täter ehemalige Partner.

Die Bilderkennungssoftware soll dafür sorgen, dass als "Racheporno" markierte Inhalte weder auf der Plattform geteilt, noch per Kurznachricht im Messenger weiter verschickt werden können. Das Programm laufe auch auf der Foto- und Videoplattform Instagram.

Die Software fertige vom Inhalt einen "digitalen Fingerabdruck" an, damit spätere Versuche auch von anderen Personen, ihn zu teilen, unterbunden werden. Die Software sei auch gut darin, die Fotos immer noch zu erkennen, wenn sie abgeändert worden seien, sagte eine Facebook-Managerin am Mittwochnachmittag. Ähnliches geschieht bei der Verfolgung von Kinderpornografie und terroristischen Inhalten.

Die Ankündigung hat eine Pointe

Wiederholt hatten Opfer geklagt, dass Facebook nicht genug tue, um sie zu schützen. Zuletzt stand der Konzern auch in der Kritik, weil in seinem Live-Videofeature Vergewaltigungen übertragen wurden. Von daher ist die Ankündigung womöglich ein wichtiger Schritt, um die Nutzerinnen und Nutzer zu schützen.

Die Ankündigung hat für deutsche Beobachter aber auch eine Pointe. Denn dass eine Software unzulässige Bilder erkennen kann und diese auch für die Weiterverbreitung sperren könnte, hatte Facebook in Deutschland in den vergangenen Wochen ausdrücklich dementiert.

In einem Gerichtsverfahren hatte ein syrischer Flüchtling von Facebook gefordert, sein Foto mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, das wiederholt für Verleumdungen missbraucht wurde, zu sperren. Doch dabei argumentierte der Konzern, es sei unzumutbar und technisch kaum möglich, leicht veränderte Fotoinhalte wiederzuerkennen. Facebooks Anwalt sprach vor Gericht gar davon, dass man dafür einer Wundermaschine brauche, die leider noch nicht erfunden sei. Der Konzern bekam Recht.

Beim Thema Rachepornos scheint Facebook nun eine Wundermaschine entdeckt zu haben.

fab

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