Von Matthias Kremp
Um einen Rechtsstreit über den Missbrauch von Nutzerdaten beizulegen, zahlt Facebook zehn Millionen Dollar (rund 7,9 Millionen Euro) an wohltätige Organisationen. Das gehe aus Gerichtsdokumenten hervor, die am Samstag veröffentlicht wurden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Demnach haben auch die Kläger der Zahlung dieses Betrages zugestimmt.
Fünf Facebook-Mitglieder hatten gegen den Konzern geklagt, nachdem der Anfang 2011 die sogenannten "Sponsored Stories" als neue Werbeform eingeführt hatte. Mit der Funktion kann theoretisch jeder Nutzer zur Werbefigur werden. Klickt beispielsweise jemand auf den "Like"-Button einer Firma, kann diese einen Werbehinweis mit dem Inhalt "Nutzer XY gefällt Produkt Z" in den Nachrichtenstrom der Facebook-Freunde jenes Users einblenden.
Für zahlende Werbekunden, die sich sonst auf fiktive Figuren verlassen müssen, ist diese Art der Werbung extrem attraktiv. Da sie ihre Produkte mit einer Person verbinden können, die dem Empfänger der Werbung persönlich bekannt ist, hoffen sie auf eine Art Vertrauensbonus. Facebook-Managerin Sheryl Sandberg zufolge wird der Wert einer solchen "Sponsored Story" zwei- bis dreimal höher angesetzt als der herkömmlicher Werbung.
Genau dagegen haben sich die Kläger im Prozess gegen das soziale Netzwerk zur Wehr gesetzt. Sie hatten im März 2011 vor einem Gericht im kalifornischen San José Klage eingereicht. Ihr Vorwurf: Facebook verwende ihre Fotos und "Gefällt-mir"-Hinweise ohne ihre Zustimmung - und ohne sie dafür zu entschädigen - zu Werbezwecken.
Es hätte viel teurer werden können
Das Verfahren war in den USA als Sammelklage angelegt worden, der sich zahlreiche Mitglieder hätten anschließen können. Tatsächlich fanden sich aber nur fünf Personen für die Klage zusammen. Ihnen hatte Richterin Lucy Koh zugestanden, glaubhaft gemacht zu haben, dass ihnen durch Facebooks Handeln ein ökonomischer Schaden entstanden sei. Das Geld soll nun an Organisationen gezahlt werden, die "den Zielen der Kläger verbunden sind".
Hätten sich mehr Facebook-Mitglieder der Klage angeschlossen, hätte die Entschädigungszahlung Gerichtsdokumenten zufolge bis zu mehrere Milliarden Dollar betragen können, schreibt Reuters. Nahezu jeder dritte Amerikaner hätte sich an dem Prozess beteiligen können.
Es ist nicht das erste Mal, dass Facebook sich aus einem derartigen Prozess mit Zahlung einer Millionensumme herauskauft. Schon 2009 hatte der Konzern 9,5 Millionen Dollar in die Gründung einer Stiftung zur Förderung des Datenschutzes im Internet investiert, um einen Rechtsstreit zu beenden. Damals hatten Nutzer gegen Facebooks Werbeprogramm "Beacon" geklagt. "Beacon" informierte den Freundeskreis von Facebook-Mitgliedern automatisch über deren Einkäufe bei Facebook-Werbepartnern und wurde nach dem Verfahren eingestellt.
Facebook ist immer wieder Vorwürfen ausgesetzt, die Privatsphäre seiner weltweit rund 900 Millionen Nutzer zu verletzen. Im Mai hatte das soziale Netzwerk einen der größten Börsengänge aller Zeiten hingelegt. Der Gang aufs Parkett war von großen Erwartungen begleitet worden, doch war der Aktienkurs an den drei ersten Handelstagen um fast ein Fünftel eingebrochen.
Mit Material von AFP
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