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Gestorbene Tochter als Titelbild: Facebook entschuldigt sich für automatischen Jahresrückblick

Facebook-Logo (in Dublin): Der Jahresrückblick kommt nicht bei jedem gut an Zur Großansicht
DPA

Facebook-Logo (in Dublin): Der Jahresrückblick kommt nicht bei jedem gut an

Für die meisten ist Facebooks Jahresrückblick eine nette Sache. Für Nutzer, die einen geliebten Menschen verloren haben, kann er dagegen eine Qual sein. Nach Berichten über einen solchen Fall hat sich das Netzwerk nun entschuldigt.

Auch Facebook hat seinen Nutzern ein Weihnachtsgeschenk gemacht: einen individuellen Jahresrückblick, eine Online-Zusammenfassung ihrer Aktivität im sozialen Netzwerk. Ein Algorithmus fügt dafür die beliebtesten Bilder des Jahres zu einer Art Fotokalender mit dem Titel "Year in Review" zusammen und verschönert ihn mit bunten Illustrationen und aufmunternden Sprüchen. Wer will, kann diesen mit seinen Freunden teilen.

In mindestens einem Fall kam das automatische Geschenk allerdings ziemlich schlecht an: Der Web-Designer Eric Meyer beschreibt in einem viel gelesenen Blogpost, wie in seinem Jahresrückblick, zwischen Partyfotos und positiven Sprüchen, auch immer wieder seine Tochter auftaucht. Rebecca war im Juni 2014 an ihrem sechsten Geburtstag gestorben.

Meyer schrieb, er wisse, "dass das kein absichtlicher Angriff war": "Diese unabsichtliche, algorithmische Grausamkeit ist das Ergebnis von Code, der in den allermeisten Fällen funktioniert und Menschen daran erinnert, wie großartig ihr Jahr war. (...) Aber all diejenigen, die den Tod einer geliebten Person verarbeiten müssen, lange Klinikaufenthalte hinter sich haben, sich getrennt oder eine Arbeitsstelle verloren oder sonst eine von hundert Krisen durchlebt haben, möchten vielleicht nicht auf so ein Jahr zurückblicken."

Den Facebook-Entwicklern warf er in seinem Beitrag Naivität und Ignoranz vor: "Das Design (des Jahresrückblicks - d. Red.) ist für den Idealnutzer gemacht - den fröhlichen, glücklichen Nutzer mit dem schönen Leben. Andere Anwendungsfälle zieht es gar nicht erst in Betracht."

Den Jahresrückblick bekommt jeder

Tatsächlich hätten sich Vorfälle wie der beschriebene wohl vermeiden lassen: Zum Beispiel könnte die App weniger aufdringlich sein und die Nutzer nicht mit fertiggestellten Kalendern konfrontieren, sondern ihnen Bilder zur Auswahl geben. Web-Designer Meyer etwa sah schon in der Jahresrückblickswerbung in seiner Timeline das Bild seiner Tochter - umgeben von tanzenden Figuren. Und, außerdem: Warum fragt Facebook nicht erst mal, ob man überhaupt so einen Jahresrückblick will?

Ohne auf solche Kritik im Detail einzugehen, hat sich Facebook mittlerweile für die Panne entschuldigt. In einem Gespräch mit der "Washington Post" sprach Projektmanager Jonathan Gheller von deutlichem Verbesserungsbedarf bei der algorithmischen Zusammenfassung: "Die App "war super für viele Leute, aber in diesem Fall brachten wir Trauer statt Freude."

Nach der Facebook-Reaktion hat Eric Meyer übrigens einen weiteren Blogpost veröffentlicht - in dem er sich wiederum beim Facebook-Team entschuldigt. Ihr Fehler sei keine Ausnahme - die ungünstigsten Fälle zu ignorieren, sei typisch. Anstatt einzelnen Teams nun Vorwürfe zu machen, sei es eigentlich an der Zeit, diesen Normalzustand zu ändern - gerade angesichts dessen, dass algorithmische Informationsauslieferung wie beim Jahresrückblick zunehmend häufiger wird. Meyer schreibt: "Es wird uns viel Zeit, Übung, Fehler kosten, herauszufinden, wie das besser geht."

kno

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Unvermeidlich
exHotelmanager 29.12.2014
Dies sind wohl Geschehnisse, die wir nicht vermeiden können. Woher ollte Facebook wissen, dass die Tochter verstorben ist? Ich habe kürzlich von Stayfriends eine Aufforderung erhalten, einem längst verstorbenen Freund zum Geburtstag zu gratulieren. Auch dort hat man angeblich meinen Hinweis zum Anlass genommen, das System zu optimieren.
2. Genau
spiegelfrauchen 29.12.2014
, wenn sich der geliebte Mensch abrupt getrennt hat , man seine gemeinsame Zukunktsgestaltung und sein Zuhause verloren hat , dann ist das einfach sehr tragisch ! Natürlich haben viele Menschen auch ein wunderbares Jahr , aber ungefragt ist dieser Jahresrückblick für manche Menschen schmerzhaft !
3.
Mr Bounz 29.12.2014
Es wäre auch möglich sich durch die Bider positiv an seine Tochter zu erinnern. Der Blogger, der sich wohl mit den Netz auskennen müsste, sollte mal reflektieren was er so postet.
4. that's facebook
Eu1ropa 29.12.2014
wisst ihr denn nicht, dass ihr das recht am bild aufgebt, wenn ihr bilder in facebook postet?
5. Das ist Facebook
Bakturs 29.12.2014
Das ist Facebook. Da muss man sich nicht über zwanghafte aufgezwungene " Verbesserungen" leben oder das Netzwerk am besten ignorieren. Da wird sich auch in Zukunft nicht daran ändern, denn Facebook möchte die Zukunft der Menschen bestimmen und nach ihrem Willen dirigieren.
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Zum Autor
  • Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

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