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Falschmeldungen: Mexikanischen Twitterern drohen 30 Jahre Haft

Autounfälle, panische Eltern, zusammengebrochene Notrufleitungen - und das alles wegen ein paar Twitter-Meldungen. Zwei Mexikaner haben die Nachricht von einer angeblichen Geiselnahme in einer Schule verbreitet. Nun drohen ihnen bis zu 30 Jahren Haft.

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AFP

Twitter-Homepage: Haftstrafe für Falschmeldung

Mexiko-Stadt - Es gibt Nachrichten, die besser nie verschickt worden wären. Zwei Mexikanern droht die bislang womöglich härteste Strafe wegen Twitter-Meldungen: 30 Jahre Haft. Die Behörden werfen ihnen vor, in der Stadt Veracruz über das soziale Netzwerk Panik und Chaos verbreitet zu haben. Am 25. August hatten sie Falschmeldungen über eine Geiselnahme an einer Schule getwittert - in einer Stadt, in der wegen eines erbarmungslosen Bandenkriegs die Nerven ohnehin blank liegen.

Bei den Angeklagten handelt es sich um einen Mathelehrer und eine Radiomoderatorin. "Meine Schwägerin hat mich gerade verstört angerufen, sie haben gerade fünf Kinder aus der Schule entführt", lautete eine der Twitter-Nachrichten des Mannes.

Der Innenminister des Staates Veracruz, Gerardo Buganza, verglich die Ereignisse mit der Panik, die Orson Welles 1938 mit seiner Rundfunksendung "Krieg der Welten" ausgelöst hatte. "Das war wenig im Vergleich zu dem, was hier passierte", sagte er. "Wir hatten hier 26 Autounfälle, Leute ließen ihre Autos mitten auf der Straße stehen, um ihre Schulkinder zu holen." Durch die Twitter-Nachrichten sei so große Panik ausgebrochen, dass die Notrufnummern zusammenbrachen und damit für echte Notfälle unerreichbar waren.

Den beiden Mexikanern wird laut Innenminister Buganza nun Terrorismus und Sabotage vorgeworfen, die Höchststrafe wären 30 Jahre Gefängnis. Im Internet kursieren bereits Petitionen für ihre Freilassung.

aar/dapd/AP

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insgesamt 13 Beiträge
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1. schönes Beispiel...
elperiquito 05.09.2011
...wie man das Web 2.0 NICHT verstehen darf: Als Nachrichtenquelle. Twitter war ursprünglich wohl kaum dazu gedacht, weltbewegende Neuigkeiten an die Öffentlichkeit zu überbringen, sondern eher Nachrichten à la "sitze grad auf dem Topf, Verstopfung ist heute besser", wer's lesen will, soll glücklich werden. So geschmacklos und dämlich der Scherz auch sein mag, Schuld sind nicht die Twitterer, sondern diejenigen, die Tweets ernst und für bare Münze nehmen. Twitter ist kein Nachrichtenmedium und sollte es auch, verdammt noch mal, nicht werden, denn wozu brauchen wir noch einen Pressekodex, wenn man jeden geistigen Schwachsinn, den jemand von sich gibt als gehaltvolle Nachricht auffasst. Jeder angetrunkene Dödel sollte, so geschmacklos es auch sein mag, weiterhin das Recht haben, morgens um 4 zu twittern, dass der Dritte Weltkrieg angefangen hat und Hamburg nicht mehr existiert. Wer es liest und glaubt, ist selbst Schuld. Twitter ist nicht die dpa, Twitter ist nicht der Spiegel. Bestraft die, die grundlos in Panik verfallen und nicht diejenigen, die Twitter als das benutzen, wofür die allermeisten Web 2.0-Errungenschaften ursprünglich entwickelt wurden: Ein bisschen Spaß, ein bisschen zwischenmenschlicher Austausch, ein bisschen Mitmachen.
2. na toll
saako 05.09.2011
und für mörder gibts 3 jahre, wie letzthin hier zu lesen war ... naja, der ganz normale wahnsinn dieser welt
3. zynismus
viejo 05.09.2011
Zitat von sysopAutounfälle, panische Eltern, zusammengebrochene Notrufleitungen - und das alles wegen ein paar Twitter-Meldungen. Zwei Mexikaner haben die Nachricht von einer angeblichen Geiselnahme in einer Schule verbreitet. Nun drohen ihnen bis zu 30 Jahren Haft. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,784320,00.html
Man muss schon ausserordentlich zynisch, oder eben eine korruptes Mitglied einer korrupten mexikanischen Institution (gleich welcher, leider) um den Orson Wellschen Prank aus den 30ern mit der Situation hier in Mexiko zu vergleichen: schliesslich werden hier taeglich Schulen ueberfallen, Schueler aus der Schule zwecks Verkaufs an Organhaendler in den USA entfuehrt, Eltern oder Angehoerige per Telefon (das heisst hier Express-Entfuehrung, und ist wahrscheinlcih die einzige mexikanische Erfindung ueberhaupt) zu Loesegeldzahlungen fuer angeblich entfuehrte Kinder veranlasst, etc.etc. Was den Herrn wohl gestoert haben duerfte: normalerweise werden derartige Nachrichten moeglichst unterdrueckt.
4. Wenn,
susie.sunshine 05.09.2011
dumm gelaufen. Sowas macht man nicht. Oder? Obwohl man bekommt ja täglich viele Lügen mitgeteilt. Gibts dann dafür auch 30 Jahre Knast?
5. recht so...
night.hawk 05.09.2011
Was an einem Medium wie Twitter überhaupt "sozial" sein soll, hat sich mir sowieso noch nie erschlossen. Was für eine Art von Information von normalen Menschen ohne besonderes öffentliches Interesse ist es wert, auf 140 Zeichen komprimiert an den Rest der Welt rausgeblasen zu werden?? Aber wer das tut, muss auch dafür haften. Und wenn das noch dazu Lehrer und Moderatoren sind, erst recht. Ob 30 Jahre verhältnismäßig sind, darüber kann man sicher streiten. Aber vielleicht motivierert sowas die ganzen "Digital Natives" mal, erst zu denken und dann zu twittern, posten und flickrn.
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Twitter
Prinzip
zu Deutsch zwitschern oder schnattern, ermöglicht es, kurze Textnachrichten als Mikroblog per SMS, Instant Messaging oder Web-Oberfläche zu veröffentlichen. Andere Nutzer können diese Meldung beispielsweise mit ihrem Mobiltelefon oder RSS-Reader verfogen. Der Dienst heißt Twitter, die SMS-ähnlichen Nachrichten Tweets. mehr zu Twitter auf der Themenseite
Geschäft
Twitter hat bislang kein Erlösmodell. Im Gespräch sind Werbung oder kostenpflichtige Twitter-Accounts für Unternehmen. Ende 2008 lehnte CEO Evan Williams ein Übernahmeangebot über 500 Millionen Dollar von Facebook ab. Akute Geldsorgen hat die Firma dennoch nicht - 55 Millionen US-Dollar Risikokapital hat das Unternehmen seit Gründung erhalten, zuletzt brachte eine Finanzierungsrunde noch einmal 35 Millionen US-Dollar.
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