Fan-Seite dsds-news.de RTL verteidigt Lieblingsmarke "DSDS"

RTL will die "Deutschland sucht den Superstar"-Fanseite dsds-news.de sperren lassen. Der Kölner Sender unterstellt dem Betreiber eine kommerzielle Nutzung der Marke "DSDS" - und der kann nicht plausibel erklären, warum das angeblich nicht so ist.

Von Carolin Neumann


RTL und sein Aushängeschild "Deutschland sucht den Superstar" sorgen mal wieder für Schlagzeilen. Aktuell geht es jedoch nicht um skandalträchtige Kandidaten, sondern um das beliebte Fanportal dsds-news.de. In einem Einschreiben fordert RTL den Website-Betreiber Philipp Klöckner auf, wegen einer Markenrechtsverletzung die Domain zu löschen und andere von ihm verwaltete Domains auf RTL zu übertragen.

"Traurige Nachrichten": Der Betreiber von dsds-news.de erzählt öffentlich von der RTL-Abmahnung

"Traurige Nachrichten": Der Betreiber von dsds-news.de erzählt öffentlich von der RTL-Abmahnung

"RTL steht 100 Prozent hinter privaten Fanseiten", teilt der Sprecher von RTL interactive Thomas Bodemer SPIEGEL ONLINE auf Anfrage mit. Allerdings habe Philipp Klöckner mit dsds-news.de ein stark kommerzielles Angebot geschaffen, das mit einer klassischen Fanseite nichts zu tun habe. Das sei RTL erst kürzlich aufgefallen, erklärt Bodemer. Im Rahmen seiner Festanstellung bei einem bekannten Internet-Serviceportal ist Klöckner mit dem Thema Suchmaschinenoptimierung -Search Engine Optimization (SEO) - betraut. Bei RTL geht man davon aus, dass er auch auf dsds-news.de SEO betreibe. Das unterstreicht für die Kölner offenbar den kommerziellen Charakter der Seite.

Diese gibt es jedoch bereits seit Herbst 2006. Schon vor zwei Jahren habe der Sender ihn gebeten, das offizielle Logo der Casting-Sendung nicht mehr zu nutzen, sagt Philipp Klöckner. Dem sei er nachgekommen. "Das ist möglich, ändert aber nichts an der vorliegenden Markenrechtsverletzung", erklärt RTL-interactive-Sprecher Bodemer.

War sich der "DSDS"-Fan bewusst, dass es sich bei "DSDS" um eine eingetragene Marke handelt? "Natürlich, es wäre gelogen, das abzustreiten", so Philipp Klöckner zu SPIEGEL ONLINE. "In aller Regel werden solche Fanseiten aber geduldet, deswegen habe ich es in Kauf genommen."

"Eine freche Forderung"

Nun weist RTL in seinem Einschreiben jedoch nicht bloß auf eine Verletzung des Markenrechts auf dsds-news.de hin, sondern fordert "die Domain umgehend zu löschen sowie sämtliche andere auf Sie registrierte oder von Ihnen als Admin verwalteten Internet-Domains, die sich begrifflich an die Marke 'DSDS' anlehnen, offenzulegen und auf die RTL Television GmbH zu übertragen."

"Eine freche Forderung", findet Klöckner und mutmaßt sogleich, der Sender wolle sich sein Projekt unter den Nagel reißen, jetzt, da es bei "Deutschland sucht den Superstar"-Fans beliebt und erfolgreich sei.

"Ein solcher Anspruch auf Übertragung besteht definitiv nicht", beurteilt der Kölner IT-Anwalt Christian Solmecke den Fall. "Nur in seltenen Fällen wird eine Löschung der Domain von den Gerichten angenommen." Einer Klage könne Website-Betreiber Klöckner entgehen, wenn er entweder auf dsds-news.de fortan nur noch eine schwarze Seite zeigt - oder aber die Werbung von der Website entfernt.

Letzteres hat auch Klöckner selbst schon überlegt und auch öffentlich angeboten. Jedoch betont er, dass dsds-news.de gar keine kommerzielle Seite sei. Er fühlt sich ungerecht behandelt. "Die Einnahmen decken gerade mal die monatlichen Ausgaben für den Server und Aufwandsentschädigungen für die Autoren", sagt er. Klöckner hat SPIEGEL ONLINE Einsicht in seinen Google-AdSense-Account gewährt; mit diesem Werbemodell verdient dsds-news.de monatlich zwischen 100 und 400 US-Dollar. Hinzu kommen nach eigenen Angaben weitere maximal 200 Euro monatlich durch die Einbindung eines Amazon-Shops und Bannerwerbung.

Wo RTL die Grenze zieht, ab der eine Fanseite ein kommerzielles Angebot ist, konnte Thomas Bodemer nicht genauer erläutern. "Das wird von Fall zu Fall entschieden. Im vorliegenden Fall ist es offensichtlich, zumal der Betreiber auch schon öffentlich eingeräumt hat, dass er mit der Seite Geld verdient."

Die Rede ist von einem Interview, das Klöckner bereits vor zwei Jahren dem Blog dieweltistscheisse.de gab und das gewisse Widersprüche aufdeckt. Dort gab Klöckner zum Beispiel ein monatliches Einkommen im vierstelligen Bereich an und sagte: "Ich möchte gern beweisen, dass man mit Blogging auch in Deutschland schon Geld verdienen kann."

Löschung oder Klage?

RTL jedenfalls verlangt in seinem Einschreiben, dass der "DSDS"-Fan eine Unterlassungserklärung unterschreibt, und droht mit gerichtlichen Schritten. Dass mit dem Sender nicht zu spaßen ist, wenn es um sein Aushängeschild "Deutschland sucht den Superstar" geht, haben die Kölner in der Vergangenheit schon mehrere Male bewiesen. Zum einen hatte RTL sämtliche "DSDS"-bezogenen Videos von YouTube und MyVideo löschen lassen. Außerdem erzählt Anwalt Solmecke von einem großen deutschen Möbelhaus, das von RTL erfolgreich auf Schadensersatz verklagt wurde, weil es ein Gewinnspiel mit dem Titel "S. sucht Deutschlands hässlichstes Jugendzimmer" veranstaltet und ein dem "DSDS"-Logo ähnelndes Bild genutzt hatte.

Andere Blogs und "DSDS"-Fanseiten solidarisieren sich mit Klöckners dsds-news.de. Stephan Schmied hat sein ebenfalls recht bekanntes Portal dsds-superstar.de vorerst offline genommen, als er von den rechtlichen Schwierigkeiten seines Kollegen hörte. "Ich kann den Weg, den RTL beschreitet, nicht nachvollziehen. Immerhin bauen Fanseiten wie unsere den Hype um 'Deutschland sucht den Superstar' mit auf", erklärte er auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. dsds-superstar.de hat Schmieds Angaben zufolge eine ähnliche Kosten-Nutzen-Struktur wie dsds-news.de. Er wolle keinen Rechtsstreit mit RTL riskieren, sagte Schmied, versprach aber, die Seite wieder online zu stellen, sollte sich die Situation beruhigen.

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.