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Fastenbrecher bei Facebook: "Wir essen und trinken wann und wo wir wollen"

Fastenbrecher bei Facebook: "Wir essen und trinken wann und wo wir wollen"


Essen, Trinken, Rauchen - all das ist für Muslime während des Fastenmonats Ramadan von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang verboten. In Tunesien hat der salafistische Geistliche Adel Almi seine Anhänger nun dazu aufgerufen, Muslime, die sich nicht an diese Vorschrift halten, zu fotografieren und diese Bilder zu veröffentlichen. So sollen die Ertappten öffentlich an den Pranger gestellt werden.

Einige junge Tunesier wollen sich davon nicht unter Druck setzen lassen. Um gegen die religiöse Bevormundung zu protestieren, gehen sie in die Offensive und verbreiten Bilder von sich beim Fastenbrechen über Twitter und Facebook.

Auf den Fotos posieren sie mit einer Zigarette im Mund, einem Kaffeebecher in der Hand, knipsen den gefüllten Pizzakarton oder die Schokokekse, sich selbst und ihre Freunde am Strand oder beim Baden. Einige halten zusätzlich ein Schild mit der Uhrzeit ins Bild, wenn nicht schon der strahlende Sonnenschein verrät, dass es mitten am Tag ist.

Innerhalb von knapp zehn Tagen haben sich rund 12.000 Fans mit der Facebook-Seite "Diese Bilder wurden während des Ramadan für Adel Ami gemacht" solidarisiert. "Wir essen und trinken, wann und wo wir wollen", lautet ihre Botschaft. Jeder, der möchte, kann sie mit einem eigenen Foto unterstützen.

Die "Fattara", so lautet die tunesische Bezeichnung für diejenigen, die sich nicht an die Fastenregeln halten, gelten noch immer als eine gesellschaftliche Provokation, obwohl Tunesien offiziell als toleranter als sein Nachbarstaat Marokko gilt. Dort steht öffentliches Essen und Trinken vor Sonnenuntergang während des Ramadans unter Strafe. Wer zuwiderhandelt, muss mit Verhaftung rechnen. Moderne Tunesier, wie die bekannte Bloggerin Lina Ben Mhenni, die sich von den Extremisten in ihrer Freiheit bedroht fühlt, sagen allerdings, dass sich die Stimmung in Bezug auf religiöse Gebote auch in Tunesien gewandelt hat.

Um die Gläubigen nicht in Versuchung zu führen, rief Noureddine Khademi, Minister für religiöse Angelegenheiten, tunesische Restaurant- und Cafébetreiber auf, ihre Lokale während der Fastenzeit tagsüber zu schließen, es komme ja doch niemand. Tatsächlich ist es für die Tunesier schwierig, außerhalb der eigenen Wohnung eine Einrichtung zu finden, in der gegessen oder getrunken werden kann. Deshalb stellen die jungen Tunesier nicht nur Selbstporträts online, sondern auch Tipps, wo und wann welche Cafés geöffnet sind.

Der Ramadan endet in diesem Jahr übrigens - je nach Region und Bestimmung - um den 9. August.

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29 Leserkommentare
suane 20.07.2013
Dany Sahne 20.07.2013
Jurist2 20.07.2013
Sibylle1969 20.07.2013
Eu1ropa 20.07.2013
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Emil Peisker 21.07.2013
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erwin90 22.07.2013
Werner655 22.07.2013

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