Informationsfreiheit: Fax kaputt - Pentagon beantwortet kritische Fragen nicht  

Faxgerät: Der altmodische Weg scheint für Fragesteller noch der beste zu sein Zur Großansicht
Corbis

Faxgerät: Der altmodische Weg scheint für Fragesteller noch der beste zu sein

Das US-Verteidigungsministerium muss Fragen von Medien beantworten. Derzeit allerdings nicht alle - das Faxgerät funktioniert nicht, und alle gefaxten Anfragen bleiben unbearbeitet. Es kann noch Wochen oder Monate dauern, bis das Pentagon auf Faxe reagiert.

Anfang September richtete der US-Informationsdienst Muckrock eine Anfrage ans amerikanische Verteidigungsministerium. Erkundigt wurde sich danach, wie hoch der Jahresetat der Zivilverwaltung im Pentagon ist.

Solche Anfragen müssen Regierungsstellen beantworten, dazu verpflichtet sie das Informationsfreiheitsgesetzes FOIA (Freedom of Information Act). Das Muckrock-Team stellte die Anfrage per Fax - und scheiterte. Das Fax konnte auch nach mehreren Versuchen nicht versandt werden.

Nach zwei Wochen schließlich erreichte Shawn Musgrave von Muckrock einen Beamten im Pentagon, der die Sachlage erklärte: Das betreffende Faxgerät sei leider schon seit einigen Wochen defekt, höchstwahrscheinlich müsse ein neues Gerät angeschafft werden. Allerdings kann in einer der größten Verwaltungen der Welt nicht irgendein Mitarbeiter einfach losgehen und im nächsten Laden einen neuen Fernkopierer kaufen. Es gilt, Vorschriften zu beachten.

Der Chef der FOIA-Abteilung im Pentagon erklärte: Sollte die IT-Abteilung kein Ersatzgerät vorrätig haben, könne ein neues erst ab Beginn des nächsten Fiskaljahres am 1. Oktober bestellt werden. Er hoffe, das Gerät irgendwann im Oktober zu erhalten, die Angelegenheit könne sich aber auch bis Anfang November hinziehen.

Immerhin gibt es für Journalisten noch die Möglichkeit, Anfragen per Brief zu stellen. Es existiert sogar eine Art Web-Portal, das allerdings so nutzerunfreundlich gestaltet ist, dass das Muckrock-Team freiwillig das Faxgerät angeworfen hat. Für "Ars Technica" scheint der Zweck dieses Designs darin zu liegen, Fragesteller abzuschrecken und automatisierte Informationsanfragen zu unterbinden.

Die Beantwortung der Anfragen geht zudem recht gemächlich vonstatten. Berichte beziffern den Bearbeitungsrückstand auf tausend FOIA-Anfragen. Bei "The Verge" glaubt man, dass es durch das defekte Faxgerätnoch mehr werden dürften. Twitter-User zeigen für die Angelegenheit eher Unverständnis.

Während manche die Geschichte vom kaputten Fax für eine Ausrede halten, bietet ein anderer Twitterer eine technische Erklärung für das Problem:"Vielleicht einfach ein Papierstau."

meu

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Fax?
mseepgood 18.09.2013
Wer bitte faxt noch im Jahr 2013? Hallo?! Jahr zwei-tau-send-drei-zehn! Internetausdrucker oder was?
2. russische Logik
Mertrager 18.09.2013
Und ich dachte, in USA kann man sich ein neues Fax leisten oder sogar ein gebrauchtes reparieren.
3.
Atheist_Crusader 18.09.2013
Das Ganze "lächerlich" zu nennen, wäre wohl die Untertreibung des Jahrhunderts.
4. Blanker Unfug
artusdanielhoerfeld 18.09.2013
Das Pentagon hat natürlich wie alle Behörden und Firmen für ihre Bürogeräte Wartungs- und Reparaturverträge mit den Hersteller- oder Vertriebsfirmen. Ein defektes Gerät müsste innerhalb von wenigen Stunden repariert oder ersetzt werden, sonst würde die betreffende Firma rausfliegen. Die Behauptung, ein Faxgerät könne auf Wochen nicht instandgesetzt werden, ist eine glatte Lüge, sonst nichts.
5. Faxen und Faxen
carolushessen 18.09.2013
das sind wirklich nur Faxen-Nonsens, denn so eine angebliche Rechtvorschrift ist totaler Unsinn, die gibt es nicht und ist nur vorgeschobenes Lamento.
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