Handysicherheit US-Senator will Hintertüren für FBI verbieten

Scharfe Kritik an US-Behörden: Der US-Senator Ron Wyden will mit einem Gesetz das FBI und andere bremsen. Diese wollen Smartphones und Computer mit staatlich verordneten Spähschnittstellen ausrüsten.

US-Senator Ron Wyden: Gesetz gegen Abhörschnittstellen in Handys
REUTERS

US-Senator Ron Wyden: Gesetz gegen Abhörschnittstellen in Handys


Washington - Das FBI hat bei einigen Politikern mit seiner PR-Offensive gegen wirksam verschlüsselte Handys nun genau das Gegenteil erreicht. Im September hatte der FBI-Chef James Comey seinen Feldzug gestartet und für staatlich verordnete Spähschnittstellen in Smartphones geworben - übrigens nicht zum ersten Mal (siehe Kasten unten). Nun regt sich Widerstand im US-Senat. Der US-Senator Ron Wyden hat am Donnerstag den Entwurf für ein Gesetz vorgestellt, das spezielle Zugriffsmöglichkeiten für Sicherheitsbehörden in Smartphones und Computern verbieten soll.

Wyden wehrt sich in einer Stellungnahme vehement gegen die Forderungen der Strafverfolgungsbehörden. "Starke Verschlüsselung und eine vernünftige Computersicherheit sind der beste Weg, um die Daten der Amerikaner vor Hackern und Bedrohungen aus dem Ausland zu schützen", sagte der Senator. Außerdem seien verschlüsselte Geräte am besten dafür geeignet, die Grundrechte zu schützen, da sich häufig das gesamte Leben der Bürger auf dem Smartphone befinde. Eine stabile Computersicherheit könne "das Vertrauen der Nutzer wiederherstellen, das jahrelang durch falsche Angaben der Geheimdienste über die Massenüberwachung der Amerikaner zerrüttet wurde", sagte Wyden. Die Grundlage für seinen Entwurf fasst der Demokrat in drei Punkten zusammen:

  • Sicherheitslücken schwächen die Cybersicherheit
  • Staatliche Vorschriften für technologische Entwicklungen verhindern Innovation
  • Verordnete Abhörschnittstellen zerstören das Vertrauen in Geräte aus den USA

Der Gesetzentwurf sende eine "Botschaft an die Behördenchefs damit aufzuhören, auf rücksichtslose Weise immer neue Wege zu suchen, um die privaten Informationen der Amerikaner aufzusaugen, und stattdessen das Vertrauen der Öffentlichkeit wieder herzustellen", heißt es in Wydens Stellungnahme. Das FBI hingegen hält an seinem Standpunkt fest. Gegenüber dem Techportal "The Verge" verwies ein Sprecher auf die Aussagen des FBI-Chefs und fügte hinzu: "Direktor Comey hat in seinen Stellungnahmen ziemlich klargemacht, dass das FBI keine Hintertür fordert, sondern einen Vordereingang mit einem entsprechenden Gerichtsbeschluss und einem Anbieter, der uns die Inhalte liefert".

James Comey hatte Apple und Google scharf für die Pläne kritisiert, die mobilen Betriebssysteme vor Zugriffen von außen komplett abzuschotten. Nur wenn der Nutzer sein Handy selbst entsperrt, sollen Daten zugänglich sein, andernfalls bleiben sie verschlüsselt. Weder das Unternehmen selbst noch Strafverfolgungsbehörden sollen demnach auf die Informationen zugreifen können.

Comey äußerte sich besorgt über die Verschlüsselungsoffensive. Zwar könne er das Bedürfnis nach Privatsphäre nachvollziehen, sagte er im Oktober, dennoch sei es unter gewissen Umständen nötig, auf mobile Geräte zuzugreifen. Beispielsweise bei Entführungen oder einer Bedrohung durch Terroristen.

Kurz erklärt: Crypto Wars
  • Corbis
    In den USA begann der Kampf gegen Volksverschlüsselung schon in den Neunzigerjahren. Er wurde mit einem Gesetzesvorschlag im US-Senat eröffnet. Anbieter elektronischer Kommunikationsdienste sollten verpflichtet werden, Behörden die Möglichkeit zum Zugriff auf jede Art elektronischer Kommunikation zu verschaffen. Das Gesetz scheiterte schließlich am Widerstand von Bürgerrechtlern und Industrie. Aber es motivierte einen Softwareentwickler namens Phil Zimmermann dazu, sich über Verschlüsselung für jedermann Gedanken zu machen. Zimmermann entwickelte den Standard PGP (das steht für pretty good privacy, ziemlich guter Datenschutz), mit dem bis heute E-Mails und anderes sicher verschlüsselt wird. Sogar NSA-Enthüller Edward Snowden empfiehlt PGP.
1991 stellte Zimmerman seine Software kostenlos zur Verfügung. Dann wurde ein Verfahren gegen ihn eröffnet, das sich drei Jahre hinzog. Der Vorwurf: Er exportiere Verschlüsselungstechnologie, die wie Waffentechnologie einzustufen sei. Der Fall wurde fallengelassen, und heute gilt weder der Export noch die Benutzung von Kryptografie-Technik in den USA als Verbrechen. Doch das wurde nur auf Druck von Bürgerrechtlern erreicht. Etwa um die gleiche Zeit machte die NSA einen eigenen Vorschlag, um ihr Verschlüsselungsproblem zu lösen: Hersteller von Telefonanlagen sollten einen von der NSA entwickelten Chip zur Verschlüsselung einsetzen. Der Trick: Für diesen sogenannten Clipper Chip gab es einen Nachschlüssel, auf den der Geheimdienst oder Strafverfolger bei Bedarf hätten zugreifen können. Das Projekt wurde heftig kritisiert und verschwand gegen 1996 sang- und klanglos von der Bildfläche. Mittlerweile verschafft sich die NSA Hintertüren auf anderem Weg.

jbr



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breakthedawn 05.12.2014
1. Da fragt man sich, wer die wirklichen Terroristen sind.
Und immer wieder werden die gleichen dümmlichen Argumente für das Aushebeln der Privatsphäre vorgeschickt: Entführungen und Terroristen. Tja, gerade die US Regierung terrorisiert doch die ganze Welt und entführt Menschen nach Guantanamo oder in andere Folterkeller.
mibigan@web.de 05.12.2014
2. Die Frage nach den wahren Terroristen kann ich beantworten:
Die wahren Terroristen sind die, welche sich und Andere (meist Unbeteiligte) in die Luft sprengen, ein Verhalten was man von den USA nicht erwarten kann. Das die USA eigene Interessen durchsetzen möchte kann man nicht als die Welt terrorisieren einstufen, insbesondere, da sie sich dabei (meist) an die Rahmen der Gesetze und Verträge halten. Wie lange möchten Sie noch auf Guantanamo herumreiten, soweit ich weiß hat es seit Jahren keine neuen Gefangenen mehr gegeben.
vo2 05.12.2014
3.
Zitat von mibigan@web.deDie wahren Terroristen sind die, welche sich und Andere (meist Unbeteiligte) in die Luft sprengen, ein Verhalten was man von den USA nicht erwarten kann. Das die USA eigene Interessen durchsetzen möchte kann man nicht als die Welt terrorisieren einstufen, insbesondere, da sie sich dabei (meist) an die Rahmen der Gesetze und Verträge halten. Wie lange möchten Sie noch auf Guantanamo herumreiten, soweit ich weiß hat es seit Jahren keine neuen Gefangenen mehr gegeben.
Ich würde es auch nicht erwarten. Wird aber billigend in Kauf genommen. Sanktionslos natürlich. http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-12/jemen-usa-drohnenangriff-opfer-vereinte-nationen
belia269 05.12.2014
4. @mibigan@web.de
Ich würde auch nicht soweit gehen, Amerikaner als "die wahren Terroristen" zu betiteln. Nichtsdestotrotz sind gewisse Zahlen interessant zu beobachten: http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Terrorismus/tote.html (habe hierbei nur den ersten Link gewählt, den google als Resultat meiner Suche hervorbrachte). 1,5 Millionen Todesopfer im Irak durch direkte Gewalteinwirkung in 10 Jahren sind eine beachtliche Zahl, wenn auch nicht klar ist durch wessen "Hand" dies geschah. Interessanter sind die ca. 3000 Tote durch Drohnenangriffe, von denen ca. 80% Zivilisten waren. Diese einfach als "Collateral Damage" zu akzeptieren, bzw. in Kauf zu nehmen, finde ich eines zivilisierten Landes wie den USA unwürdig. Da ich aber keine Lösung für das real existierende Terrorismusproblem habe, halte ich mich allgemein mit Kritik zurück.
LauschenIstTerror 05.12.2014
5. Einseitige Sichtweise!
Was hat denn den Terror in 1984 ausgemacht? Gewalt? Sich in die Luft sprengende Attentäter? Die wechselnden Feindbilder die der Staat erschafft? Nein! Es war das sichere Wissen darüber, daß der große Bruder alles sieht und alles weiß. Und das Wissen daß er bei Abweichungen von den Regeln hart durchgreifen wird. Für mich ist die Totalüberwachung der USA ganz klar eine Form von Terror. Dieser Terror tritt Ihnen nicht die Vordertür ein, nein er kommt unterschwellig und perfide daher. Er schleicht sich unterbewusst in unser aller Gedanken und bringt im Grunde genommen 'fast' jeden dazu sich erst einmal wiederspruchslos in die Masse einzufügen, ja nicht herauszustechen alles so zu tun wie die anderen, um ja nicht in einer der falschen Datenkategorien aufzutauchen. Was die falsche Kategorie ist und wie man die Einordnung vermeidet, sagt Ihnen aber niemand. Also lieber mal den Ball noch flacher halten als eigentlich nötig, denn der große Bruder sieht alles und liest alles und hoert alles und wertet alles aus und speichert alles, für immer! Gestern durftest du noch die Bildchen runterladen ,die unschuldige Jugendliche beim Posen zeigen, aber ab morgen bist du erpressbar - sobald das Gesetz geändert wurde. Oder denkt jemand der Edathy ist einfach so aufgeflogen? Nicht vielleicht, weil er Chef des NSU Untersuchungsausschuß war, und damit der Gegenspieler unsers Verfassungsschutzes? Oder man kennt halt die speziellen Vorlieben seiner Feinden und stellt entsprechende Fallen: Strauß-Kahn, Assange. Alles Zufälle? Sicher, dream on!
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