Das "Wall Street Journal" berichtet, dass Apple in Kooperation mit den Medienkonzernen CBS und Disney einen Einstieg ins IPTV-Geschäft plane. Der Jobs-Company schwebt demnach eine Art Inhalte-Abo vor: Apple könnte Fernsehshows und Serien großer Sender über das Internet anbieten. Die Kunden müssten dafür eine monatliche Gebühr bezahlen. Apple wolle die nötigen Lizenzverträge im kommenden Jahr abschließen und den Dienst dann auch freischalten, berichtete die Zeitung. Die Pläne seien Teil eines Umbaus des Programms iTunes, über das Apple bereits Musik, Videos und Spiele zum Herunterladen anbietet.
Dass Apple, der Ex-Computerbauer, der sich in den letzten Jahren zum Unterhaltungselektronik-, Internet-, Handy-Entwickler und Multimedia-Kaufhaus entwickelte, auch TV-Ambitionen hat, war seit langem klar. Apple TV, die kleine Streaming-Box des Unternehmens, war als Multimedia-Server konzipiert worden und krankte lange daran, dass Apple keine adäquate Füllung zur Verfügung stellen konnte: Apple verkaufte Empfangsgeräte ohne Programm. Erst mit einiger Verspätung wurden im iTunes Store auch Filme und TV-Inhalte angeboten, zuerst zum Kauf, jetzt auch im Verleih. Wer aber kauft sich sein tägliches TV-Programm einzeln teuer zusammen?
Naheliegender wäre es, im On-Demand-Verfahren auf den Nutzer zugeschnittene Portfolios anzubieten, die dann verstreamt werden könnten - der Web-Stream mausert sich längst zur neuen Sendeform. Dann, kommentiert auch MG Siegler bei TechCrunch, könnte aus der Apple TV-Box noch ein Verkaufsschlager werden. Die Koppelung von Online-Befütterung und Hardware hatte sich schon beim iPod bewährt - dem Produkt, das aus dem wankenden Krisenunternehmen Apple eine der profitabelsten Firmen der Branche gemacht hat.
IPTV wird zum Milliardengeschäft
Doch Apple geht es wohl um mehr, als nur darum, den Verkauf von Hardware anzukurbeln. Es geht um die weitere Diversifizierung des Geschäftes, um die Erschließung keimender, Profit versprechender Märkte. Die US-TV-Landschaft hat sich schon ein gutes Stück vom Sender-Fernsehen mit festen Programmschemata wegentwickelt. Der Time-Shift ist dank Tivo in vielen Haushalten Standard, die On-demand-Videoplattform Hulu.com gehört zu den populärsten Web-Seiten in den USA. Dort, zitiert das "Wall Street Journal" ein Marktforschungsunternehmen, dürften 2010 bereits 1,14 Milliarden Dollar für über das Internet vertriebene TV- und Filminhalte ausgegeben werden.
Der Markt scheint also mehr als bereit, über das Internet, das fast flächendeckend breitbandig ausgebaut ist, den Kabel-TV-Firmen Konkurrenz zu machen. Zumal der Trend hin zum Produzentenfernsehen, zur Direktvermarktung von TV-Inhalten geht. In dieser Hinsicht hat Apple-Chef Steve Jobs dann gleich zwei Füße in der Tür: Er ist auch größter Einzelaktionär des Disney-Konzerns, der unter anderem hinter der ABC-Senderkette steht.
Wie üblich kommentiert Apple auch in diesem Fall keinerlei Mutmaßungen oder Zitate aus anonymen Quellen: Apple ist für seine Geheimniskrämerei berüchtigt, das Unternehmen nutzt höchst geschickt die stets brodelnde Apple-Gerüchteküche als kostenlose Werbe- und PR-Möglichkeit. Konkretes könnte man aber schon sehr bald erfahren, denn selten kommen solche Zwischenmeldungen aus laufenden Verhandlungen zufällig an die Öffentlichkeit: Anfang Januar steht die Consumer Electronic Show CES in Las Vegas an, auf der Apple wie üblich nicht vertreten sein wird. Was Steve Jobs allerdings in fast jedem Jahr und - wie im Falle des iPhone - mitunter sehr erfolgreich versucht, ist, der CES mit einer größeren Nachricht die Show zu stehlen. Die Gerüchteköche heizen ihre Kessel schon an.
Hierzulande ändert all das erst einmal nichts
Für deutsche Internetnutzer und TV-Freunde wird auch diese Nachricht wieder auf absehbare Zeit unrelevant bleiben: Der hiesige Markt hinkt der Entwicklung in Sachen IPTV um etliche Jahre hinterher. On-demand-Lösungen scheitern an Lizenzfragen, an der Vielzahl von Firmen und Organisationen, die hier an Entertainment-Inhalten mitverdienen wollen und am Fehlen eines einheitlichen Lizenzierungsrechtes für Europa.
Die Sender selbst haben kaum ein Interesse daran, ihre Perlen leichter und kostengünstig zur Verfügung zu stellen: Ihr Geschäftsmodell beruht auf einem Programm-Mix, der eben nicht nur Perlen enthält, sondern auch jede Menge billigsten Käse. Den, das haben schon erste On-Demand-Versuche amerikanischer Sender Mitte des Jahrzehnts gezeigt, sieht sich dann aber niemand mehr an, was die Möglichkeiten werblicher Querfinanzierung stark einschränkt.
On-demand-Streamingdienste bieten bisher einige Telekommunikationsunternehmen mit einem Mix aus regulären TV-Programmen und Videotheken-Angeboten. Leicht haben es solche Pay-TV-Angebote in Deutschland jedoch nicht: Die Bereitschaft, über die GEZ-Zwangsgebühr für ARD und ZDF hinaus für TV-Inhalte zu bezahlen, ist äußerst gering ausgeprägt.
pat
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