Fernsehen via Web: Apple will Vertriebskanal für Internet-TV werden

iTunes war erst der Anfang: Medienberichten zufolge plant der Ex-Computerkonzern Apple den nächsten Markt aufzurollen. In Kooperation mit zwei US-TV-Riesen will Apple angeblich groß in das IPTV-Geschäft einsteigen. In den USA ist der Markt dafür reif.

Steve Jobs: Der Apple-Chef ist auch bei Disney der starke MannZur Großansicht
AFP

Steve Jobs: Der Apple-Chef ist auch bei Disney der starke Mann

Das "Wall Street Journal" berichtet, dass Apple in Kooperation mit den Medienkonzernen CBS und Disney einen Einstieg ins IPTV-Geschäft plane. Der Jobs-Company schwebt demnach eine Art Inhalte-Abo vor: Apple könnte Fernsehshows und Serien großer Sender über das Internet anbieten. Die Kunden müssten dafür eine monatliche Gebühr bezahlen. Apple wolle die nötigen Lizenzverträge im kommenden Jahr abschließen und den Dienst dann auch freischalten, berichtete die Zeitung. Die Pläne seien Teil eines Umbaus des Programms iTunes, über das Apple bereits Musik, Videos und Spiele zum Herunterladen anbietet.

Dass Apple, der Ex-Computerbauer, der sich in den letzten Jahren zum Unterhaltungselektronik-, Internet-, Handy-Entwickler und Multimedia-Kaufhaus entwickelte, auch TV-Ambitionen hat, war seit langem klar. Apple TV, die kleine Streaming-Box des Unternehmens, war als Multimedia-Server konzipiert worden und krankte lange daran, dass Apple keine adäquate Füllung zur Verfügung stellen konnte: Apple verkaufte Empfangsgeräte ohne Programm. Erst mit einiger Verspätung wurden im iTunes Store auch Filme und TV-Inhalte angeboten, zuerst zum Kauf, jetzt auch im Verleih. Wer aber kauft sich sein tägliches TV-Programm einzeln teuer zusammen?

Naheliegender wäre es, im On-Demand-Verfahren auf den Nutzer zugeschnittene Portfolios anzubieten, die dann verstreamt werden könnten - der Web-Stream mausert sich längst zur neuen Sendeform. Dann, kommentiert auch MG Siegler bei TechCrunch, könnte aus der Apple TV-Box noch ein Verkaufsschlager werden. Die Koppelung von Online-Befütterung und Hardware hatte sich schon beim iPod bewährt - dem Produkt, das aus dem wankenden Krisenunternehmen Apple eine der profitabelsten Firmen der Branche gemacht hat.

IPTV wird zum Milliardengeschäft

Doch Apple geht es wohl um mehr, als nur darum, den Verkauf von Hardware anzukurbeln. Es geht um die weitere Diversifizierung des Geschäftes, um die Erschließung keimender, Profit versprechender Märkte. Die US-TV-Landschaft hat sich schon ein gutes Stück vom Sender-Fernsehen mit festen Programmschemata wegentwickelt. Der Time-Shift ist dank Tivo in vielen Haushalten Standard, die On-demand-Videoplattform Hulu.com gehört zu den populärsten Web-Seiten in den USA. Dort, zitiert das "Wall Street Journal" ein Marktforschungsunternehmen, dürften 2010 bereits 1,14 Milliarden Dollar für über das Internet vertriebene TV- und Filminhalte ausgegeben werden.

Der Markt scheint also mehr als bereit, über das Internet, das fast flächendeckend breitbandig ausgebaut ist, den Kabel-TV-Firmen Konkurrenz zu machen. Zumal der Trend hin zum Produzentenfernsehen, zur Direktvermarktung von TV-Inhalten geht. In dieser Hinsicht hat Apple-Chef Steve Jobs dann gleich zwei Füße in der Tür: Er ist auch größter Einzelaktionär des Disney-Konzerns, der unter anderem hinter der ABC-Senderkette steht.

Wie üblich kommentiert Apple auch in diesem Fall keinerlei Mutmaßungen oder Zitate aus anonymen Quellen: Apple ist für seine Geheimniskrämerei berüchtigt, das Unternehmen nutzt höchst geschickt die stets brodelnde Apple-Gerüchteküche als kostenlose Werbe- und PR-Möglichkeit. Konkretes könnte man aber schon sehr bald erfahren, denn selten kommen solche Zwischenmeldungen aus laufenden Verhandlungen zufällig an die Öffentlichkeit: Anfang Januar steht die Consumer Electronic Show CES in Las Vegas an, auf der Apple wie üblich nicht vertreten sein wird. Was Steve Jobs allerdings in fast jedem Jahr und - wie im Falle des iPhone - mitunter sehr erfolgreich versucht, ist, der CES mit einer größeren Nachricht die Show zu stehlen. Die Gerüchteköche heizen ihre Kessel schon an.

Hierzulande ändert all das erst einmal nichts

Für deutsche Internetnutzer und TV-Freunde wird auch diese Nachricht wieder auf absehbare Zeit unrelevant bleiben: Der hiesige Markt hinkt der Entwicklung in Sachen IPTV um etliche Jahre hinterher. On-demand-Lösungen scheitern an Lizenzfragen, an der Vielzahl von Firmen und Organisationen, die hier an Entertainment-Inhalten mitverdienen wollen und am Fehlen eines einheitlichen Lizenzierungsrechtes für Europa.

Die Sender selbst haben kaum ein Interesse daran, ihre Perlen leichter und kostengünstig zur Verfügung zu stellen: Ihr Geschäftsmodell beruht auf einem Programm-Mix, der eben nicht nur Perlen enthält, sondern auch jede Menge billigsten Käse. Den, das haben schon erste On-Demand-Versuche amerikanischer Sender Mitte des Jahrzehnts gezeigt, sieht sich dann aber niemand mehr an, was die Möglichkeiten werblicher Querfinanzierung stark einschränkt.

On-demand-Streamingdienste bieten bisher einige Telekommunikationsunternehmen mit einem Mix aus regulären TV-Programmen und Videotheken-Angeboten. Leicht haben es solche Pay-TV-Angebote in Deutschland jedoch nicht: Die Bereitschaft, über die GEZ-Zwangsgebühr für ARD und ZDF hinaus für TV-Inhalte zu bezahlen, ist äußerst gering ausgeprägt.

pat

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 8 Beiträge
Es wird meiner Meinung nach für Apple relativ schwierig, für sein Internetfernsehen einen Platz zu finden.Das Hauptproblem sind die Kosten, weil nur relativ Wenige bereit sein werden für die Dienste zu bezahlen.Im Internet gibt [...]
Zitat von sysopiTunes war erst der Anfang: Medienberichten zufolge plant der Ex-Computerkonzern Apple den nächsten Markt aufzurollen. In Kooperation mit zwei US-TV-Riesen will Apple angeblich groß in das IPTV-Geschäft einsteigen. In den USA ist der Markt dafür reif. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,668655,00.html
Es wird meiner Meinung nach für Apple relativ schwierig, für sein Internetfernsehen einen Platz zu finden.Das Hauptproblem sind die Kosten, weil nur relativ Wenige bereit sein werden für die Dienste zu bezahlen.Im Internet gibt es zu viele wertvolle werbefinanzierte Gratisinhalte wie Youtube, die ganzen Social Networks, große Nachrichtenportale , Blogs u.v.a.m. Neben den eigenen Anbieter wird es schwer für Apple den Leuten weiteres Geld aus der Tasche zu ziehen, zumal auch die großen Nachrichtenportale wie SPON/corriere.it u.s.w. interessante TV- und Video-Inhalte anbieten... Einer der Hauptkonkurrenten werden wohl Plattformen wie bsw. Youtube sein... Die zunehmende Zersplitterung der Gesellschaft macht bsw. Youtube unschlagbar,weil jederzeit jeglicher Inhalt abrufbar ist.Die Amateurfilmer sind genauso wichtig,weil sie alle Sparten vom Bergsport bis zum Amateurmusikvideo abdecken; Auch Amateurvideos sind oft fast nahezu professionell gemacht und erlauben es zudem Youtube immer am Puls der Zeit zu bleiben... Wie z.B.... http://www.youtube.com/watch?v=QPPaqR5rneg Und vor Allem kosten die Clips fast gar nichts gegen ein einzukaufendes TV-Internet-Programm... Youtube erlaubt kleinen Amateuren weltweite Aufmerksamkeit mit relativ geringen Mitteln und gibt Vielen eine Chance,die sonst keine hätten.Die unterschiedlichen "Arbeits- und Ruhezeiten" rund um den Globus unterstützen On demand-Inhalte noch mehr; ein weiterer wunder Punkt von I-TV... Der Apple-Vorstoß scheint mir eher der Versuch, ein für's TV konzipiertes Konzept auf's Internet zu übertragen... Das Internet verlangt wohl eher nach "eigenen" Lösungen... Ob sie sich kostenmäßig wohl nicht verheben ; und riskieren zwischen ÖR und "Gratisinternet" zerquetscht zu werden... Ich werde jedenfalls keinen € zusätzlich ausgeben Viele weihnachtliche Grüße aus Südtirol...
autocrator 22.12.2009
Zitat aus dem Artikel: "Für deutsche Internetnutzer und TV-Freunde wird auch diese Nachricht wieder auf absehbare Zeit unrelevant bleiben: Der hiesige Markt hinkt der Entwicklung in Sachen IPTV um etliche Jahre [...]
Zitat aus dem Artikel: "Für deutsche Internetnutzer und TV-Freunde wird auch diese Nachricht wieder auf absehbare Zeit unrelevant bleiben: Der hiesige Markt hinkt der Entwicklung in Sachen IPTV um etliche Jahre hinterher." gute nacht deushlandesh, verschlaf' schön die entwicklungen auf der welt, und "schuld" ist natürlich mal wieder keiner: weder die telekommunikations-aufsichtsbehörde, noch die öffentlich-rechtlichen fernsehsender, noch die privaten, noch die ganzen filmrechte-händler, online-plattform-betreiber, entrepreneur-förderer, oder das wirtschaftsministerium, die werbewirtschaft, oder risikoinvestitionskapitalgeber .... wen wundert es, dass die musik auf der welt inzwischen wo ganz anders gespielt wird ... ? aber vielleicht hat deushlandesh ja künftig eine chance, als verpenntes dornröschen-märchenland für den welttourismus.
mac4ever 23.12.2009
Nach dem digitalen Rundfunk DAB wird in D gerade die nächste Innovation vergeigt. Die "Breitbandinitiative" führt keineswegs zu flächendeckendem IPTV (HD) fähigen Strukturen, sondern nur zu Magerbreitband von 2 Mbit/s, [...]
Zitat von sysopiTunes war erst der Anfang: Medienberichten zufolge plant der Ex-Computerkonzern Apple den nächsten Markt aufzurollen. In Kooperation mit zwei US-TV-Riesen will Apple angeblich groß in das IPTV-Geschäft einsteigen. In den USA ist der Markt dafür reif. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,668655,00.html
Nach dem digitalen Rundfunk DAB wird in D gerade die nächste Innovation vergeigt. Die "Breitbandinitiative" führt keineswegs zu flächendeckendem IPTV (HD) fähigen Strukturen, sondern nur zu Magerbreitband von 2 Mbit/s, was mal gerade mal ein etwas schnelleres Normalsurfen und Streaming in SDTV- anstatt HDTV-Qualität bedeutet. Einige Gründe für diese Misere wurden im Artikel genannt, einer der wichtigsten ist jedoch der Zugriff der Länderfürsten auf die Medienlandschaft. Denn wenn unsere föderalen kleinstaatlichen Politstrukturen im Mittelalter steckenbleiben, bleibt das die technologische Entwicklung ebenfalls. Alles, was in D Ländersache ist, wird im täglichen länderegoistischen Machtgerangel zerrieben. Das betrifft die Bildung oder eben auch den digitalen Rundfunk, der so kleinkariert und interessenkastriert plaziert wurde, daß es zwangsläufig ein Mißerfolg werden mußte, weil mangels attraktiven Angeboten kaum jemand die Technologie nutzte. Trotz vollmundiger Absichtserklärungen der Ministerpräsidentenkonferenz Ende September gehen auf Betreiben der KEF die beiden einzigen bundesweiten Radioprogramme DRadio und DLF am Jahresende aus dem Angebot. Damit ist DAB tot.
Svenson1973 23.12.2009
Jetzt habe ich mich extra angemeldet um meinen Unmut darüber mitzuteilen, wie "doof" ich es finde, Apple als Excomputerkonzern zu bezeichnen, nur weil man dort auch in andere Bereiche vordringt. Soll wohl eine [...]
Jetzt habe ich mich extra angemeldet um meinen Unmut darüber mitzuteilen, wie "doof" ich es finde, Apple als Excomputerkonzern zu bezeichnen, nur weil man dort auch in andere Bereiche vordringt. Soll wohl eine Provokation sein?! Ich kenne im übrigen keine andere Firma, die bessere Computer baut als Apple... Spiegel online wird in meinen Augen immer undifferenzierter!
Das ist sicherlich augenzwinkernd gemeint, weil der hier verantwortliche Redaktions-Praktikant nicht in der Lage war für den Begriff "ehemaligen reinen Computerkonzern" ein sprachlich tadelloses Synonym zu entwickeln. [...]
Zitat von Svenson1973Jetzt habe ich mich extra angemeldet um meinen Unmut darüber mitzuteilen, wie "doof" ich es finde, Apple als Excomputerkonzern zu bezeichnen, nur weil man dort auch in andere Bereiche vordringt. Soll wohl eine Provokation sein?! Ich kenne im übrigen keine andere Firma, die bessere Computer baut als Apple... Spiegel online wird in meinen Augen immer undifferenzierter!
Das ist sicherlich augenzwinkernd gemeint, weil der hier verantwortliche Redaktions-Praktikant nicht in der Lage war für den Begriff "ehemaligen reinen Computerkonzern" ein sprachlich tadelloses Synonym zu entwickeln. Man muß die Artikeleinleitung dann halt anders aufsatteln bzw. den Satz umformulieren. Aber dafür reicht wohl das Budget trotz überbordender Ad-Links nicht und DAS ist der wahre Jammer an der SPON-Berichterstattung zu IT-Themen und zusehends im Allgemeinen! Ansonsten empfinde ich den Spiegel und die meisten seiner von mir gern gelesenen Redakteure eher als Apple-freundlich - und das ist auch gut so! Steve Jobs entpuppt sich wieder mal als ökonomisch höchst erfolgreicher Visionär - die üblichen, schwachsinnigen BWL-Perioden gelten für derart epochale Geister eben einfach nicht. Punkt! Nur sein aktuelles Aussehen erschreckt mich auf’s Neue. Kein Vergleich zu dem mitreissenden, hoch-dynamischen und begeisterten jungen Mann von vor knapp zwei Jahrzehnten: Frohe Weihnachten, Gesundheit und ein tolles Neues Jahr 2010 ihm und seiner Familie und natürlich allen SPON Forums-Teilnehmern!
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Web
alles zum Thema IPTV

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Dienstag, 22.12.2009 – 17:42 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 8 Kommentare

Begriffserklärung IPTV und Co.
IPTV bezeichnet die Videoübertragung über das Internet. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Das Senden findet in einem geschlossenen Netzwerk statt. Hier gehört dem Provider die Infrastruktur und er ist auch für Endgeräte wie etwa Set-Top-Boxen zuständig. Da der komplette Signalweg in seiner Hand liegt, kann er die Übertragung für sich kostengünstiger gestalten und auch optimieren. Über IP-Multicast werden mehrere Empfänger gleichtzeitig mit einem Video-Stream versorgt und bei der QoS-Technik (Quality of Service) haben die Video-Datenpakete eine höhere Priorität gegenüber normalen Datenpaketen. Im Idealfall sind die Inhalte in hoher Qualität und ohne Unterbrechungen zu genießen. Einige Anbieter senden auch in HD-Qualität, eine schnelle Internetleitung vorausgesetzt. In einem halbgeschlossenen Netzwerk hat der IPTV-Provider die Leitung für die Übertragung nur angemietet. Inhaltlich: Mit IPTV ist meist die Online-Verbreitung regulärer TV-Inhalte und Programme gemeint.





TOP



TOP