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26. August 2003, 15:00 Uhr

Feuerzeugspielchen

Das Ende der Zippo-Trickser

Die Tricks heißen zum Beispiel "Hogan's Leg Drop" oder "Flesh Torch" - Handgriffe, mit denen Zippo-Feuerzeuge möglichst effektvoll entflammt werden. Weil US-Brandschutzexperten um das Wohl von Minderjährigen besorgt sind, ist jetzt die bekannteste Website für Zünd-Kunststückchen erloschen.

Washington - "Game over" heißt es seit gestern auf der Homepage von zippotricks.com. Niemand soll mehr wissen, wie er zum Beispiel den "Hogan's Leg Drop" ausführt. Ein Zippo-Trick, bei dem das Benzinfeuerzeug flink mit dem Handgelenk aufgeschnippt wird, damit ein eleganter Stoß mit dem Knie die Flamme entfachen kann.

Harmlos liegen sie da: Im Internet wird keiner mehr erfahren, was man mit Zippos so alles anstellen könnte
AP

Harmlos liegen sie da: Im Internet wird keiner mehr erfahren, was man mit Zippos so alles anstellen könnte

Der legendäre Feuerzeughersteller hat sich dem Druck von amerikanischen Interessengruppen gebeugt und insgesamt 555 Zündeltricks aus der Öffentlichkeit verbannt.

"Wir glauben zwar nicht, dass es irgendjemandem geschadet hat, aber zuletzt gab es so viel Streit, dass wir nachgegeben haben", sagte Zippo-Chef Greg Booth der "Washington Post". Er habe den guten Namen des 70-jährigen Unternehmens nicht aufs Spiel setzen wollen.

Rund 25 Briefe von Brandschutzexperten hatte Booth nach eigenen Aussagen erhalten. Diese äußerten die Sorge, dass sich vor allem Jugendliche durch das Internetangebot zum Spiel mit dem Feuer verleiten lassen könnten. Angesichts der Brandkatastrophe in einem Nachtklub in Rhode Island, bei dem Mitte Februar fast 100 Menschen ums Leben kamen, wurde das Internetangebot als "unsensibel" bezeichnet.

Zippo reagierte und zog außerdem sämtliche Zündel-Vorführungen für eine laufende Städtetournee aus dem Programm. Für die beiden Feuerzeug-Stuntmen "Booty" und "Twistyneck" heißt das, dass sie ihre Zippos in der Öffentlichkeit ganz konservativ mit einer langsamen Daumenbewegung entfachen müssen, ohne es vorher wild durch die Luft zu wirbeln.

Der Feuerzeughersteller hatte die Website zippotricks.com vor rund einem Jahr von einem Norweger übernommen. Das Unternehmen war auf sie aufmerksam geworden, als es das Internet auf Missbräuche des Firmennamens untersuchte.

Die Internetseite war zuvor fünf Jahre lang ständig gewachsen und erfreute sich großer Beliebtheit. Unter den Tricks fanden sich durchaus gefährliche Kunststücke wie etwa die "Flesh Torch". Dabei wird Benzin auf den Daumen gegossen, damit dieser beim Anzünden des Feuerzeugs kurz wie eine Fackel entflammt.

Booth kündigte an, Zippo werde gegen alle Veröffentlichungen, die Zündeltricks mit Zippo-Feuerzeugen in Verbindung bringen, rechtlich vorgehen. Bald könnte sein Augenmerk dem deutschen Angebot zippotricks.de gelten. Dort heißt es auf der Internetseite momentan: "noch im Aufbau".

MANUEL BÖDIKER

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