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Fiese Schadsoftware: Gauner kapern MySpace-Profile und Weihnachtsmann-Seiten

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Neue Tricks: Computerkriminelle jubeln Surfern mit gerissenen Methoden Schnüffelprogramme unter. Sie bauen ihre Fallen auf beliebten harmlosen Seiten ein, tarnen und timen ihre Angriffe perfekt. Jüngstes Opfer: Die Soul-Sängerin Alicia Keys.

Der perfekte Zeitpunkt für einen Angriff: Das neue Album "As I am" der Soul-Sängerin Alicia Keys erscheint morgen in den Vereinigten Staaten, ist in Deutschland schon seit Freitag erhältlich. Während des Veröffentlichungsrummels haben Kriminelle das MySpace-Profil der Sängerin manipuliert. Bis zum Wochenende konnten Websurfer auf der extrem populären Seite (mehr als 12 Millionen Abrufe seit dem Start 2005) nicht nur kostenlos Stücke aus dem neuen Keys-Album hören, sondern sich auch Viren einfangen.

Die Angreifer gingen raffiniert vor: Sie hatten auf bisher noch nicht geklärtem Weg ein Hintergrundbild auf der MySpace-Seite von Keys eingebaut, das den größten Teil der Seite abdeckte. Die Homepage sah aus wie zuvor, funktionierte tadellos. Einziger Unterschied: Die Grafikdatei enthielt einen Verweis auf eine zwielichtige Web-Seite, die angeblich in China beheimatet ist. Perfide: Wer auf der Profilseite die Links anklickte, blieb unbeschadet. Wer aber irgendwo versehentlich auch nur ein paar Millimeter neben einem richtigen Link in das Hintergrundbild klickte, löste einen Angriff auf seinen Rechner aus.

Die Attacken haben mehrere Sicherheitsexperten unabhängig voneinander untersucht. Ergebnisse: Nach dem Klick auf den trickreich untergejubelten Link testet eine Programmroutine den Computer zuerst auf Sicherheitslücken, durch die unbemerkt Schadsoftware eingeschleust werden kann. Sind die Schotten offen, wird ein Schädling per Drive-By, also das simple Aufrufen der Seite, installiert.

Bei so nicht angreifbaren Rechnern öffnete sich ein Fenster mit dem Hinweis, doch bitte einen Video-Codec zu installieren, um Online-Filmchen betrachten zu können. Diese Aufforderung dürfte die Nutzer der mit Videos und Sound-Dateien überladenen MySpace-Seiten wenig überraschen.

Mehrere MySpace-Profile betroffen

Inzwischen hat MySpace die Linkfalle zumindest auf der Profilseite von Alicia Keys wieder entfernt. SPIEGEL ONLINE hat diese Hacks allerdings noch am Montagnachmittag auf drei anderen MySpace-Profilseiten beobachtet.

Der IT-Sicherheitsexperte Christopher Boyd, Schadsoftwareforscher beim Dienstleister Facetime Security, verfolgt die MySpace-Manipulationen schon seit Ende Oktober. Er berichtete SPIEGEL ONLINE von anderen Fällen: "Ich habe mehr als 20 gehackte Seiten entdeckt. Viele der Bands säubern ihre Profile ständig, stellen nach einiger Zeit fest, dass sie wieder gehackt wurden." Boyd sprach am Montagnachmittag von "mehreren noch aktiven gehackten Seiten."

Zum Umfang der Angriffe konnte MySpace wegen der laufenden Ermittlungen keine Angaben machen. Joel Berger, Geschäftsführer MySpace Deutschland sagte zu SPIEGEL ONLINE: "MySpace arbeitet zur Zeit mit allen Kräften daran, das Problem zu lösen und hat auch die Behörden dazu eingeschaltet."

Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.

MySpace geht davon aus, dass die Login-Daten der betroffenen Konten nicht über eine MySpace-Sicherheitslücke nach außen gedrungen sind. Geschäftsführer Berger: "Es handelt sich hierbei eindeutig um Phishing-Angriffe, eine Gruppe von Hackern hat sich illegal Zugriff auf verschiedene Profile verschafft."

MySpace-Hack oder Phishing?

Phishing bedeutet, dass Kriminelle die MySpace-Passwörter nicht aus der Datenbank des Portals, sondern bei den Besitzern selbst mittels Trojanern oder gefälschter Web-Seiten abgegriffen haben. Sicherheitsexperten zweifeln diese Theorie allerdings an.

Christopher Boyd kommentiert im Vitalsecurity-Blog, MySpace können angesichts der Menge Betroffener nicht behaupten, dass all diese Bands Opfer eines Phishing-Angriffs geworden sind, ihre Login-Daten also beispielsweise auf einer gefälschten MySpace-Seite eingegeben haben. Boyd: "Wie soll das gehen - unzählige Bands, Plattenfirmen, Musikmagazine und Produzenten wachen gestern auf und haben vergessen, wie die echte MySpace-Seite aussieht?"

Gerissene Gauner

Bemerkenswert an diesem Angriff ist, abgesehen von der MySpace-Manipulation, die intelligente Auswahl von Umfeld und Zeitpunkt: Die Gauner haben eine vertrauenswürdige Seite gekapert, statt mit der längst bekannten Masche eigener Porno- und Raubkopieportale zu arbeiten. Außerdem haben sie mit MySpace ein Umfeld gewählt, in dem Websurfer gerne bereit sind, Software nachzuinstallieren.

Der Fall entspricht einem Trend, den die Initiative StopBadware in ihrem im Oktober erschienen Jahresbericht 2007 beschreibt. Die US-Organisation wird von Google, Paypal, dem "Berkman Center for Internet & Society" an der Universität Harvard und vom "Oxford Internet Institute" getragen. Ihr Fazit aus der Analyse von Internet-Angriffen des ersten Halbjahrs: "Schadsoftware-Hersteller haben begonnen, einen subtileren Ansatz zu wählen, weil immer mehr Web-Nutzer wissen, wie sie sich schützen können."

StopBadware-Direktor Jonathan Zittrain sagte bei der Veröffentlichung des Berichts "Trends in Badware" Anfang Oktober: "Die Entwicklung ist besorgniserregend: Es wird alltäglich, dass bekannte Web-Seiten gehackt und dazu benutzt werden, die Rechner ihrer Besucher zu infizieren."

Legitime Web-Seiten sind leichte Beute

Das geht erstaunlich einfach. Einem Bericht der IT-Sicherheitsfirma WhiteHat Security vom Oktober zufolge weisen 90 Prozent der untersuchten Seiten Sicherheitslücken auf, die sich zum Einschleusen von Schadcode ausnutzen lassen ( PDF-Dokument des Berichts). Solche Angriffe funktionieren schlimmstenfalls nach der Alicia-Keys-Methode: Wer die Seite mit einem System ohne die neusten Sicherheitsupdates aufruft, hat womöglich sofort einen infizierten Rechner, wer ein aktuelles Betriebssystem nutzt, wird raffiniert zum Laden von Schadsoftware gedrängt.

Beim Timing solcher Angriffe waren die Gauner in diesem Jahr schon erstaunlich findig: Im Januar, während der Kartenverkaufs für das wichtigste Football-Spiel des Jahres, hackten sie die Web-Seite des Teams der "Miami Dolphins". In der Zeit als die Seite den größten Besucherandrang des Jahres verzeichnete, versorgte sie ungeschützte Rechner von Besuchern mit einem Trojaner, der die Nutzer aushorchte und die Daten an Kriminelle schickte.

Die Weihnachtszeit dürfte für Angreifer interessant werden: Im vorigen Jahr hatten Unbekannte die Seite des "wahren Weihnachtsmanns" manipuliert. Betrieben wird Santaslink.net von einem weißbärtigen US-Bürger, der sich in Santa Claus hat umbenennen lassen, auf Spendentouren durchs Land reist und Geld für Kinderhilfsprojekte einwirbt. Im vorigen Advent hatten Kriminelle einen Trojaner über seine Seite verbreitet. Wenn nicht einmal der Weihnachtmann sicher ist - wer dann?

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