Filehoster: Löschung der Megaupload-Daten könnte diese Woche beginnen

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Nutzer des vor zehn Tagen geschlossenen Filehosters müssen mit neuem Ärger rechnen. Ihre hochgeladenen Daten stehen möglicherweise vor der Löschung. Das dürfte viele Raubkopien zum Verschwinden bringen - und damit auch Beweismaterial. Ein paar legale Dateien sind sicher auch dabei.

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AFP/ megaupload.com

Megaupload: Datenlöschung noch diese Woche?

Seit Kim Dotcom, ehemals Kim Schmitz, der Chef des One-Click-Hosters Megaupload (MU), verhaftet und der Datenspeicher geschlossen wurde, hört die Unruhe in der Gemeinde der MU-Nutzer nicht auf. Auch die jüngste Nachricht wird nicht zur Beruhigung beitragen. Wie die Nachrichtenagentur AP meldet, könnte die Löschung von Daten, die User auf die Plattform hochgeladen haben, bereits am Donnerstag dieser Woche beginnen. Das verlautete aus us-amerikanischen Justizbehörden, die auch die Verhaftung von Dotcom und weiteren Beschuldigten veranlasst hatten. Den MU-Betreibern werden massive Verstöße gegen das Urheberrecht vorgeworfen.

Carpathia Hosting und Cogent Communications, zwei Unternehmen, die Megaupload gegen Zahlung einer Gebühr mit der Speicherung von Daten beauftragt hatte, könnten schon am Donnerstag mit der Löschung beginnen. Das teilte die Anklagebehörde für den Eastern District des US-Bundesstaats Virginia mit.

Derzeit könne das Unternehmen die Auftragnehmer nicht mehr bezahlen, so MU-Anwalt Ira Rothken. Seit der Filehoster vom Netz genommen wurde, gibt es für bisherige Nutzer keinen Zugriff mehr auf ihre Daten. Vor allem aber sei von den Maßnahmen eine große Menge legaler Daten betroffen, so Rothken weiter. An die 50 Millionen Nutzer hätten der Plattform auch persönliche Daten einschließlich vertraulicher Dokumente und Familienfotos anvertraut. Derzeit arbeite MU mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen, um die Datenlöschung zu verhindern.

MU funktionierte im Prinzip wie eine Online-Festplatte. Zwar wurde der Dienst der Anklage zufolge in großem Stil für die Verbreitung von Raubkopien benutzt, doch es ist sehr wahrscheinlich, dass er auch für die Verschiebung oder vermeintlich sichere Aufbewahrung anderer Dateien genutzt wurde, ähnlich der Dienste wie Dropbox.

"Wir sind an dieser Stelle vorsichtig optimistisch, weil die Vereinigten Staaten ebenso wie Megaupload ein gemeinsames Interesse am Verbraucherschutz haben sollten", wird der MU-Anwalt zitiert. Das gefährdete Datenmaterial sei abgesehen von den betroffenen Nutzern auch für MU selbst von Bedeutung. Es spiele für die Verteidigungsstrategie des Unternehmens eine wichtige Rolle. Laut AP waren am Wochenende weder Carpathia und Cogent noch die Staatsanwaltschaft für weitere Stellungnahmen erreichbar.

meu/AP

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1. Weltkulturerbe
rapbre2 30.01.2012
Mann könnte den Megaupload-Datenbestand doch zum Weltkulturerbe erklären lassen, dann würde die UNO für die Kosten der RZ-Betreiber aufkommen. Noch besser wäre es allerdings die Daten gleich zu den neuen Filmprovidern zu kopieren...
2. Und wech ist die Cloud....
pflanzenfresser 30.01.2012
Alle Befuerworter des Cloud-Computing sollten sehr genau zuschauen, wie da mit evtl. hochsensiblen Daten einer 'Cloud' umgegangen wird. Das ist nicht gerade Werbung fuer Cloud Computing, wenn die Daten eines Nutzers einfach mal geloescht werden, wenn dem Betreiber etwas vorgeworfen wird....
3.
Nevermeind 30.01.2012
Zitat von pflanzenfresserAlle Befuerworter des Cloud-Computing sollten sehr genau zuschauen, wie da mit evtl. hochsensiblen Daten einer 'Cloud' umgegangen wird. Das ist nicht gerade Werbung fuer Cloud Computing, wenn die Daten eines Nutzers einfach mal geloescht werden, wenn dem Betreiber etwas vorgeworfen wird....
Kein Cloud-Anbieter garantiert den unbegrenzten und/oder bedingungslosen Erhalt der Daten, z.B. werden die Daten bei manchen Hostern nach einer bestimmten Zeit der Inaktivitaet geloescht. Cloud ist eine feine Sache, aber nicht mehr als eine zusaetzliche Backup-Moeglichkeit und angesichts kleiner Flashspeicher mit riesigen Speicherkapazitaeten eigentlich auch ein ueberholtes Konzept. Wer Cloud als einziges Speichermedium, und das auch noch langfristig, nutzt, ist wirklich naiv
4. Als würde man
Nania 30.01.2012
bei einem Mietshaus mit 10 Parteien drei finden, die Dreck am Stecken haben. Als Resultat würde man das ganze Mietshaus für alle Bewohner sperren und schließlich - mangels Alternative, die man wirklich durchsetzten wollte (zum Beispiel zum Schutz der legalen agierende Mitbewohner) - auch abbrennen. Hallo? Die blinde Justizia würde sich - hätte sie denn eines - im Grab umdrehen. Was hier gemacht wird ist eine absolut billigste Masche derjenigen, die das meiste Geld bekommen - und das sind leider nicht die Künstler.
5. -
Reiner_Habitus 30.01.2012
Zitat von pflanzenfresserAlle Befuerworter des Cloud-Computing sollten sehr genau zuschauen, wie da mit evtl. hochsensiblen Daten einer 'Cloud' umgegangen wird. Das ist nicht gerade Werbung fuer Cloud Computing, wenn die Daten eines Nutzers einfach mal geloescht werden, wenn dem Betreiber etwas vorgeworfen wird....
Nun ja, Filehoster sind keine Cloud oder gar Backup Anbieter. Sonst hätten alle wichtigen Firmen die schon als solche genutzt. Für 200€ lebenslanges unbegrenstes Transfervolumen. Damit ließen sich die Backupkosten so mancer Firma locker um 99,9999% reduzieren..... Fliehoster werden aber nicht einmal dazu gebraucht LINUX oder OpenOffice unters Volk zu bringen. Insofern gilt ach hier der Spruch, dass man sich seinen Lieferanten vorher ansehen sollte. Und wer ein File dort Hochgelanden hat handelt demnach schon fast grob fahrlässig. Allein die Eckdaten von MU waren schon suspekt: - daufür bekannt viel illegalen Content anzubieten, der wohl 95% des Traffics verusacht haben wird. - Sitz in HK -sehr eigenartiges Geschäftsgebahren - laut AGB angeblich keine Garantie dafür, dass Daten * unverändert* zurückkommen -trotz lebenslangem Account angeblich recht zur Datenlöschung ohne Rücksprache und Angaben von Gründen -Daten nicht hinter Username+PW versteckt, sondern für jeden mit Link abrufbar usw. Mich wundert jedenfalls nicht das MU dicht gemacht wurde, was mich jedoch wundert ist, dass es tatsächlich Leute gab die etwas wichtiges hochgeladen haben. Fragt sich nur wo die Daten unsicherer sind jetzt in der Aservatenkammer des FBI oder vorher bei so einer Datenschleuder .....
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Zum Autor
  • Richard Meusers schreibt als Autor für SPIEGEL ONLINE über die Digitalisierung.

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