Film-Downloads Warner schafft Schonfrist für DVDs ab

Ein weiterer Dominostein in der Verwertungskette von Kinofilmen fällt: Künftig wird Warner seine Filme parallel zur DVD-Veröffentlichung auch zum kostenpflichtigen Download anbieten. Und nicht nur das: Zeitgleich wird man sie auch im Pay TV zu sehen bekommen.


Das Filmstudio Warner bietet ab sofort Filmdownloads parallel zum DVD-Start an. Ein Filmabruf ist entweder über das Internet oder über entsprechende Settop-Boxen am Fernseher möglich, wie Warner Bros. Pictures am Montag in Hamburg mitteilte. Zum Start in Deutschland unterstützten zum Beispiel das Telekommunikationsunternehmen Hansenet mit seiner DSL-Marke Alice, der Pay-TV-Sender Premiere und die Deutsche Telekom die Initiative. Weitere Partner sollen in Kürze folgen.

Warner-Film "Der goldene Kompaß": Premiere bei Premiere
Warner Bros.

Warner-Film "Der goldene Kompaß": Premiere bei Premiere

Das ist mehr als nur ein Marketing-Gag: Bisher gehörten Mindestfristen für die einzelnen Glieder der Verwertungskette von Kinofilmen zu den ehernen Gesetzen der Branche. An erster Stelle steht dabei das Kino, das einen neuen Film in der Regel vier bis sechs Monate zur exklusiven Verwertung bekommt. Es folgt die DVD-Veröffentlichung, der bisher immerhin noch mindestens drei Monate Exklusivität sicher waren. Erst dann folgte die weitere Verwertung in Pay-TV und Fernsehen.

Doch diese Abfolge gilt seit langem als Auslaufmodell. Digitaler Filmvertrieb, davon konnte man seit Mitte der Neunziger ausgehen, wird irgendwann diese gesamte Kette kappen: Wer bereit ist, zu zahlen, wird auch den Kino-Blockbuster irgendwann parallel zum Kinostart zum Download angeboten bekommen. Alles andere wäre eine Negierung der Realitäten: Seit Jahren ist so gut wie jeder größere Kino-Film spätestens ab dem Tag der Kinoveröffentlichung illegal im Netz zu haben, zum Teil sogar früher. Eine weitere Verkürzung der Verwertungsfrist für das Kino ist allerdings noch nicht im Gespräch.

Dazu kommt, dass mit zunehmender Breitband-Vernetzung der Haushalte sich auch das Ende der Ära der Silberscheiben abzeichnet. Auch Branchengrößen gehen davon aus, dass Video on demand, der Download gegen Zahlung, die DVD mittelfristig verdrängen könnte. Auch Versuche, diesen Markt mit Hilfe neuer HD-Formate wie der Blu-ray-Disc zu retten, treffen auf vernetzte Konkurrenz: Immer bessere Codecs für die Komprimierung von Filmen machen auch den Online-Vertrieb von HD-Material möglich. So erklärte Microsoft nach dem Aus für die HD DVD, statt auf das Blu-ray-Format lieber auf Onlinetechnik für den Filmvertrieb setzen zu wollen.

Internationaler Vorstoß

Bereits in der letzten Woche hatte Warner das Ende der DVD-Schonfrist in Großbritannien angekündigt. Dort kooperiert der Filmkonzern mit der British Telecom (BT Vision) sowie den Pay-TV-Angeboten von BSkyB und Virgin. Das Tandem aus Telekommunikationsanbietern und Pay-TV-Sendern ist also offenbar Konzept. Aus Perspektive aller Beteiligten ist das auch sinnvoll: In einer VoD-TV-Welt verschwimmen die Grenzen zwischen Telekommunikationsunternehmen und Sendern. Der Erfolg von VoD aber ist abhängig davon, dass die Akzeptanz für Pay-TV-Lösungen steigt. Pay-TV-Sender dürften zugleich zu den ersten Fernsehanbietern gehören, die von einem starren Programmschema auf VoD-Lösungen umsteigen werden.

Warner selbst sieht das Vorpreschen als Versuch, den Kunden da abzuholen, wo er gerade ist: "Der Kunde soll entscheiden können, ob er einen Film als DVD kaufen, leihen oder die Download-Möglichkeit nutzen möchte - und dies nicht erst nach einem Zeitfenster von drei Monaten", sagte Willi Geike, President Warner Bros. Entertainment Germany & Austria, der Nachrichtenagentur ddp. Die Film-Downloads, die etwa bei Premiere ab vier Euro aufwärts angeboten werden sollen, könnten 24 Stunden lang genutzt werden - eine bei Online-Videotheken übliche Frist.

Premiere zeigt die ersten Warner-Filme, die parallel zur DVD-Veröffentlichung freigegeben werden, bereits in den nächsten Wochen über das Premiere-Direkt, nicht aber über das VoD-Portal. Die Premiere bei Premiere bekommt - Nomen est Omen - bereits am 24. April "Der goldene Kompass": Der könnte schon sehr bald auch anderen Studios zeigen, wo es lang geht.

pat/ddp



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