Botnet abgeschaltet: Trojaner infizierte Hunderttausende Macs

Über 600.000 verseuchte Macs weltweit - die vergangene Woche entdeckte neue Version des Mac-Trojaners Flashback scheint infektiöser, als gedacht. Das zumindest legen Zahlen nahe, die das russische Antivirus-Unternehmen Dr. Web durch einen Trick erheben konnte.

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Dr. WEB

Verteilung befallener Rechner: USA, Kanada und Großbritannien am stärksten betroffen

Liebe Mac-Besitzer, die Zeit der Unschuld ist vorbei. Mit dem Flashback-Trojaner hat sich erstmals eine gefährliche Mac-Malware massenhaft verbreiten können - auch, weil Apple viel zu spät Sicherheitsmaßnahmen ergriff.

Zum Glück, muss man sagen, sind die Infektionen nur auf einen Teil der Mac-Besitzer beschränkt. In einem Blog-Eintrag schlüsseln die Virenforscher von Dr. Web auf, wo sich der Trojaner am stärksten verbreitet hat: USA, Kanada, Großbritannien; in Deutschland registrierten sie bis heute nur 2467 befallene Rechner, berichtet Dr.-Web-Analystin Olivia von Westernhagen.

Mehr Infektionen sollten jetzt nicht mehr hinzukommen: Microsoft hatte schon im Februar, Apple erst jetzt, die Sicherheitslücke gestopft, über die sich der Trojaner im Drive-by-Verfahren in die Rechner einnistete. Außerdem haben die Virenexperten von Dr. Web das aus den gekaperten Computern gebildete Botnet nach ihrer Analyse mit Hilfe eines Tricks abgeschaltet.

Zur Erinnerung: Der Flashback-Trojaner verbreitet sich über infizierte Websites. Das konnten ganz normale Seiten sein, in deren Webcode die Infektionsroutinen manuell oder halbautomatisch vom Angreifer eingeschmuggelt wurden. Surfte ein Besucher eine solche Website an, gelangte der Trojaner über eine Sicherheitslücke im Java-Plugin auf dessen Rechner - und forderte von einem Steuerungsserver neue Anweisungen an. Genau so entsteht ein Botnet, eine Armee ferngesteuerter Computerdrohnen.

Die meisten Flashback-Opfer wissen nichts von ihrer Infektion

Doch dieses Botnet-System hat eine Schwachstelle: die zentrale Kontrolle, den sogenannten "Command and Control"-Server. Wird der abgestellt, fällt das ganze System in eine Art Winterschlaf. Die Flashback-Entwickler wollten sich mit einer List vor so einer Gegenmaßnahme schützen, erklärt Olivia von Westernhagen auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE: "Jeder Bot hat einen Algorithmus, mit dem er eine Liste von Domain-Namen erstellt, die er regelmäßig aufruft, um neue Anweisungen oder Programmteile herunterzuladen."

Die Virenautoren müssen immer nur einen dieser generierten Domain-Namen registrieren, um das Botnet am Leben zu halten. Sollte einer abgeschaltet werden, würden sie einfach zum nächsten wechseln.

Die Antivirus-Experten haben diesen "einfachen Algorithmus" nun geknackt und möglichst viele der von den Botnet-Betreibern genannten Seiten unter ihrem eigenen Namen registriert. Verbindet sich ein Bot einer solchen Seite, bekommt der nach neuen Aufgaben anfragende Trojaner keine Rückmeldung und verfällt in eine ahnungslose Starre.

Die Chance, dass das Flashback-Botnet nun noch funktionierende Steuerbefehle empfangen kann, ist laut Dr. Web sehr gering. Vielleicht finden die Experten ja noch eine Funktion zur Fernabschaltung der Bots - die meisten Flashback-Opfer dürften nichts von ihrer schlummernden Infektion wissen.

Der Grund für die Ungleichverteilung der Infektionen in der englischsprachigen Welt könnte laut Boris Scharow von Dr. Web einen einfachen Grund haben: Die Trojaner-Programmierer haben sich bei ihrem Angriff auf die USA und Kanada konzentriert, weil weil sie dort auf eine etablierte Infrastruktur zur Monetarisierung von Infektionen setzen konnten. Solche Infrastrukturen gibt es zwar auch in Europa - aber es wäre erheblich aufwändiger auf mehr als eine zu setzen.

Dass auch andere englischsprachige Länder von den Infektionen betroffen sind, läge einfach daran, dass auch andere Englisch sprechende Surfer die entsprechend präparierten Websites aufrufen oder via Google finden konnten.

fko

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insgesamt 29 Beiträge
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1. Tja
Last Ninja 05.04.2012
Zitat von sysopÜber 600.000 verseuchte Macs weltweit - die vergangene Woche entdeckte neue Version des Mac-Trojaners Flashback scheint infektiöser, als gedacht. Das zumindest legen Zahlen nahe, die das russische Antivirus-Unternehmen Dr. Web durch einen Trick erheben konnte. Botnet abgeschaltet: Trojaner infizierte Hunderttausende Macs - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,825944,00.html)
Die Hacker haben scheinbar die Macs entdeckt, weil sich dessen Nutzer oft in Sicherheit wiegen und nie Virenscanner benutzen, Als Admin unterwegs sind oder Sicherheitsupdates gerne ignorieren. Ist doch ein Mac, also kann ja gar nix passieren.
2. .
Rubeanus 05.04.2012
Bin mal gespannt, wann sich die geballte Wut der Apple-Jünger in das Forum ergießt. Dagegen dürfte die Günter-Grass-Debatte ein laues Lüftchen sein ;-)
3.
cozmic 05.04.2012
Interessanter Artikel, aber eine Frage draengt sich hier doch auf, die leider nicht beantwortet wurde: Wie kann man als Mac-user feststellen ob man Teil dieses botnets ist ?
4.
hansklauspeter 05.04.2012
Zitat von Last NinjaDie Hacker haben scheinbar die Macs entdeckt, weil sich dessen Nutzer oft in Sicherheit wiegen und nie Virenscanner benutzen, Als Admin unterwegs sind oder Sicherheitsupdates gerne ignorieren. Ist doch ein Mac, also kann ja gar nix passieren.
Naja, Macs waren ja als Opfer nur deshalb nicht so beliebt, weil es so wenige gab. Mit zunehmender Verbreitung wird das ganze viel lukrativer. Ein Mac ist ja nicht sicherer als ein Windowsrechner, ganz im Gegenteil Microsoft hat vermutlich eine ganze Menge Erfahrung im Kampf gegen Viren und Trojaner da Windows ja defakto permanent herausgefordert wurde.
5.
Reiner_Habitus 05.04.2012
Zitat von Last NinjaDie Hacker haben scheinbar die Macs entdeckt, weil sich dessen Nutzer oft in Sicherheit wiegen und nie Virenscanner benutzen, Als Admin unterwegs sind oder Sicherheitsupdates gerne ignorieren. Ist doch ein Mac, also kann ja gar nix passieren.
Kann sich noch jemand an den I-Love-You Wurm erinnern? Das war seinerzeit 2000 der Weckruf für Microsoft. Wenn man sich die Zahlen so ansieht dürfte der Infektionsgrad mit dem Teil relativ gesehen unter den MACs mittlerweile ähnlich hoch sein wie seinerzeit unter den Windows Kisten. MS ist daraufhin wachgeworden und hat angefangen das Thema Sicherheit ernst zu nehmen. Apple macht hoffentlich das Selbe. Drei Monate für ein Patch zum schließen einer bekannten Sicherheitslücke. Das ist eindeutig zu lang und soetwas wird in Zukunft wieder ausgenutzt werden. Der erfolg gibt den Malewarautoren nämlich Recht. Interessant übrigens, dass die Aplle User die selben Fehler machen wie die MS User. Denn zum aktivieren des Trojaners müssen sie ihr Adminpasswort eingeben. So sie eins haben. Hatte letzte Woche jemanden bei mir sitzen, die war mit ihrem Mac als Admin ohne PW unterwegs. Hatte die Insallation so vom Gravis Store verpasst bekommen..... An Apple User: Wenn es das Teil für euren Browser gibt: Ad-Block Werbeblocker rein. Java ausschalten. Mti Quick Java kann man es mit einem Mausklick an und abschalten. Dazu Ghostery und Better Privacy. Beides durchkonfigureiern und man nahzu surft sicher. Jedenfalls hat bei mir die letzte Instanz nämlich der Virenscanner noch nie angeschlagen. Virenscanner sind ja eh schrott. Und so ein Schnüffelstück wleches sich eingenistet hat entdeckt man immernoch am besten mit Wireshark.... Werbeblocker übrigens deswegen, weil das Mistvieh sich mit Sicherheit wie fast jeder Trojaner über infizierte Ad-Server verbreitet. Ich sehe die Werbeindustrie mittelweile in der Pflicht, was dagegen zu unternehmen, will sie dass man ihre Werbung überhaupt noch wahrnimmt. Ansonsten kann es nicht schaden sich zum Thema Sicherheit selber ein paar Gedanken zu machen und nicht der Marketingabteilung aus Cuppertino zu lauschen...
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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