Flattr Plus "Pirate Bay"-Gründer tut sich mit Adblock Plus zusammen

Spendendienst trifft auf Werbeblocker: Flattr kooperiert künftig mit Eyeo, der Firma hinter Adblock Plus. Flattr Plus soll Inhalteanbietern Geld bringen - doch es bleiben einige Fragen offen.

Peter Sunde (Archivbild)
AFP

Peter Sunde (Archivbild)


Peter Sunde und Laura Sophie Dornheim haben Kekse mitgebracht. Aus ihrer Sicht gibt es auf der Hauptbühne der re:publica etwas zu feiern. Und das ist so inszeniert, als sei es weniger ihr neuestes Projekt, als die Arbeit von Bloggern, Podcastern und Journalisten, von denen sie einige auf die Bühne gebeten haben - ohne vorher zu verraten, wofür.

Die Freiwilligen bekommen auf der Bühne Kekse. Dagegen könne ja niemand etwas haben, scheint man sich gedacht zu haben, in dieser Eigenwerbe-Session "powered by Eyeo".

Eyeo ist die Firma hinter dem von vielen Medienschaffenden kritisierten Adblocker Adblock Plus, Laura Sophie Dornheim ihre Public-Affairs-Managerin. Gemeinsam mit Sunde, den man als Mitgründer der Filesharing-Website "The Pirate Bay" kennt, hat Dornheim auf der re:publica Flattr Plus angekündigt. Dabei handelt es sich offenbar um eine Art Kreuzung von Adblock Plus mit dem Spendendienst Flattr, der von 2010 an das Bezahlen für Online-Inhalte revolutionieren sollte.

Achtungserfolge und anfangs viel Medienpräsenz hatte Flattr zwar, den meisten Inhalteanbietern jedoch bringt der Dienst bis heute nur geringe Einnahmen, die in der Regel deutlich unter den Werbeeinahmen liegen. Flattr fehle die Reichweite, sagte Sunde nun, deshalb habe man einen Partner gesucht, der diese bietet - Eyeo beziehungsweise Adblock Plus.

Flattr Plus soll nicht mehr nur Werbung ausfiltern, sondern es dem Nutzern auch ermöglichen, einen Monatsbeitrag zu spenden. Das Geld soll dabei standardmäßig automatisch so verteilt werden, dass die Macher der Webinhalte, die man am intensivsten nutzt, den größten Anteil bekommen.

Facebook und Google sollen zunächst gar kein Geld bekommen, antwortet Laura Sophie Dornheim auf eine Publikumsfrage zur Spendenverteilung. Man wolle keine Plattformen unterstützen, sondern die "Creators" selbst.

Die "Creators" müssten sich nur anmelden, schon bekämen sie die für ihre Inhalte abgegebenen Spenden ausgezahlt, heißt es auf der Bühne. Auf der Flattr-Plus-Website steht: "Dein Geld wird direkt an deine Lieblingsjournalisten, blogger und -künstler gehen".

Die Frage, ob Flattr Plus die Genannten überhaupt zum Mitmachen überreden kann, ist allerdings noch ungeklärt. Möglichkeiten, Geld zu spenden, bieten zumindest die meisten größeren Blogs auch heute schon und zumindest die großen Verlage werden wohl nicht einfach so mit Eyeo kooperieren wollen.

Einige Medienhäuser - auch SPIEGEL ONLINE - klagen aktuell gegen das Unternehmen. Sie sehen durch Adblock Plus ihr Geschäftsmodell gefährdet, das darauf basiert, kostenlos Inhalte anzubieten, die durch Werbung finanziert werden. Manche Seiten wie Bild.de haben neuerdings sogar Adblocker-Blocker, das heißt: Wer die Seiten mit einem aktivierten Adblocker benutzt, bekommt statt der regulären Inhalte nur eine Hinweisseite angezeigt.

Auch ohne Eyeo würde das Konzept Flattr Plus noch einige Fragen aufwerfen: Etwa, die ob durch die automatische Geldverteilung tatsächlich qualitativ hochwertiger Content gefördert wird. Oder die, ob Internetnutzer überhaupt bereit sind, nicht nur einen Adblocker zu installieren, sondern dessen Anbieter auch noch Geld zukommen zu lassen. Und nicht zuletzt die, ob es mit Blick auf den Datenschutz nicht ein heikles Unterfangen ist, die Auszahlung an das Nutzungsverhalten zu koppeln?

Gegenüber dem bisherigen Flattr soll der Dienst ja vor allem den Vorteil haben, dass der Nutzer fortan nicht mehr jelen Artikel einzeln "flattern" muss, sprich: so markieren, dass er für die Ausschüttung der Spenden in Frage kommt.

Genaue Details zur technischen Umsetzung von Flattr Plus gibt es bislang noch nicht. In einem Interview mit "c't" sagt Laura Sophie Dornheim lediglich: "Wir werden nicht das komplette Surfverhalten unserer User mitschneiden. Das könnten weder wir noch unsere Kooperationspartner von Flattr verantworten. Im Wesentlichen wird der Algorithmus lokal laufen, die Flattrs werden anschließend aggregiert übertragen."

Flattr Plus soll nach den Plänen der Macher im Sommer in eine Betaphase gehen, bis Ende des Jahres soll der Dienst dann weltweit nutzbar sein. Dem "Guardian" zufolge werden Flattr und Eyeo zusammen mit zehn Prozent an den Umsätzen beteiligt sein.

mbö



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