Flexcoin Bitcoin-Handelsplattform ausgeraubt

Umgerechnet 430.000 Euro sollen einfach weg sein: Eine kleine kanadische Bitcoin-Handelsplattform wurde ausgeraubt. Die Betreiber schließen das Angebot - sie haben kein Geld, um die Kunden auszuzahlen. Japan will die Kryptowährung stärker regulieren.

Bitcoin-Logo: Händler wie dieses Café in Vancouver akzeptieren die Kryptowährung
REUTERS

Bitcoin-Logo: Händler wie dieses Café in Vancouver akzeptieren die Kryptowährung


Die in Kanada ansässige Bitcoin-Handelsplattform Flexcoin schließt. Angreifer hätten eine Schwachstelle in der Software ausgenutzt und Bitcoins im Wert von umgerechnet 430.000 Euro entwendet. Der Anbieter hat nach eigenen Angaben nicht die Mittel, um Kunden den Verlust zu ersetzen. Betroffen sind alle Nutzer, die ihre Digitalwährung auf den Servern der Handelsplattform gelagert haben, statt sie zum Beispiel auf dem eigenen Computer zu speichern.

Das Ende der Handelsplattform ist ein weiterer Rückschlag für die Digitalwährung Bitcoin. Ende Februar hatte die einst größte Handelsplattform Mt. Gox aus Japan einen Insolvenzantrag gestellt. Auch hier ist es möglicherweise zu einem Diebstahl gekommen. Der Fall spielt allerdings in einer ganz anderen Liga. Bei Mt. Gox sollen Bitcoins im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar verschwunden sein.

Die Grundidee von Bitcoins ist ein Zahlungsverkehr, der unabhängig von Regierungen und Banken funktioniert. Bitcoins werden durch komplexe Rechenprozesse am Computer erzeugt. Die Digitalwährung lässt sich in staatliches Geld eintauschen, wobei der Kurs stark schwankt. Finanzjongleure hatten Bitcoins deshalb als Spekulationsobjekt für sich entdeckt.

Der Kurs der Digitalwährung war 2013 an Handelsplätzen wie Mt. Gox von gerade einmal 13 Dollar auf zeitweise über 1000 Dollar pro Bitcoin hochgeschossen. Auf nahezu jede Negativ-Meldung folgt eine Kursdelle.

Einige Händler akzeptieren Bitcoins als Zahlungsmittel. Beim großen US-Onlinehändler Overstock.com kann seit knapp zwei Monaten mit der digitalen Währung gezahlt werden. Seitdem haben 4300 Kunden mit Bitcoins Waren im Wert von einer Million Dollar (umgerechnet 730.000 Euro) gekauft.

Japan will Bitcoin-Handel regulieren

Seit Monaten debattieren Politiker und Finanzaufseher darüber, ob der Bitcoin staatlicherseits reguliert werden müsse. Dabei geht es auch um die Sorge, dass Kriminelle die digitale Währung für ihre Geschäfte nutzen könnten. Bitcoin-Befürworter halten dagegen, dass die meisten Drogen oder Waffen mit Dollar bezahlt würden.

Am Mittwoch berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo, dass die japanische Regierung nach der Insolvenz von Mt. Gox künftig Bitcoins ähnlich wie Gold behandeln wolle. Eventuell sollten auch Steuern auf Gewinne aus dem Handel mit der digitalen Währung erhoben werden.

US-Notenbankchefin Janet Yellen forderte zuletzt, der Kongress solle gesetzliche Beschränkungen für virtuelle Währungen prüfen. Die in Shanghai ansässige weltgrößte Bitcoin-Börse BTC China hat dem Handel bereits Schranken gesetzt, nachdem die heimischen Behörden Finanzinstituten entsprechende Geschäfte verboten hatten. Und Russland warnte, der Einsatz von Bitcoins als alternative Währung sei illegal.

Kryptowährungen: Diese Alternativen gibt es zu Bitcoin
Ripple

Ripple (Marktkapitalisierung etwa 1,5 Mrd. Dollar)
Ripple (XRP) ist zwar eine eigene Digitalwährung, vor allem aber ein währungsneutrales Tauschnetzwerk, über das diverse Arten von Zahlungsmitteln getauscht werden können. Deswegen taucht Ripple in einigen Listen gar nicht als eigenes Digitalgeld auf.
Chris Larsen von Ripple Labs: "Über das Ripple-Netzwerk können Einzelpersonen und Institutionen klassische Währungen tauschen, Kryptowährungen, Mobilfunkminuten, Bonuspunkte und vieles mehr."

Litecoin

Litecoin (Marktkapitalisierung 370 Mio. Dollar)
Während Bitcoin-Transaktionen alle zehn Minuten vom Netzwerk bestätigt werden, geschieht das bei Litecoin alle 2,5 Minuten. Ein anderer Unterschied: Beim "Mining", der Schöpfung neuer Münzen, soll es gerechter zugehen als bei Bitcoin. Gemäß des "Proof-of-Work"-Konzepts, das von Bitcoin übernommen wurde, kann jeder Nutzer selbst Coins errechnen, im Wettstreit mit anderen. Anders als bei Bitcoin bringt teure Spezial-Hardware bei Litecoin dabei jedoch kaum Vorteile gegenüber handelsüblicher Computertechnik. Der Algorithmus verhindert, dass es beim Mining der Coins durch Nutzer ein Wettrüsten der eingesetzten Hardware gibt. Die Gründer halten Litecoin deswegen für demokratischer.

Peercoin

Peercoin (Marktkapitalisierung 80 Mio. Dollar)
Peercoin kombiniert den „Proof-of-Work“-Ansatz von Bitcoin mit einem eigenen „Proof-of-Stake“-Ansatz. Dabei legt das Netzwerk fest, welcher Nutzer im Zuge des Minings die jeweils nächsten Coins schöpft. Anders als beim Bitcoin gibt es deswegen keine Um-die-Wette-Rechnen, so dass weniger Energie verbraucht wird. Sunny King, einer der Väter von Peercoin und Schöpfer der Digitalwährung Primecoin, gesteht, dass der Spieltrieb sein wichtigstes Motiv war. "Für mich ist es hauptsächlich eine intellektuelle Spielerei. Ich hab mich dann aber sehr gefreut, dass meine Ideen tatsächlich Anhänger finden."

Dogecoin

Dogecoin (Marktkapitalisierung 70 Mio. Dollar
Dogecoin begann als Spaßwährung, die mit dem populären Internet-Mem Doge spielt, in dem es zentral um das falsch geschriebene englische Wort für Hund geht. "In Dogecoin investieren, das ist definitiv die nächste, ganz große Nummer", twitterte Jackson Palmer im November 2013 ironisch. Der Programmierer Billy Markus setzte das Zahlungsmittel dann tatsächlich um: "Ich hatte gerade erst gelernt, wie man eine Kryptowährung startet. Ich habe Jackson kontaktiert, und wir haben Dogecoin innerhalb weniger Tage in die Welt gesetzt." Die Kryptowährung mit dem Hunde-Logo hat vor allem junge Fans gefunden, die das Ganze unter humoristischen Gesichtspunkten betreibt. Die Dogecoin-Community veranstaltete unter anderem eine Crowdfunding-Aktion für die Olympiateilnahme der Bob-Mannschaft von Jamaika.

Nxt

Nxt (Marktkapitalisierung 60 Mio. Dollar
Anders als viele anderen Krypto-Währungen variiert Nxt nicht die Bitcoin-Technologie, sondern nutzt ein eigenes Protokoll. Ein Unterschied zu vielen Bitcoin-Klonen ist auch, dass die "Coins" nicht erst von Nutzern selbst per Rechenleistung generiert werden, sondern schon fertig produziert sind. Nxt sieht sich selbstbewusst als Krypto-Währung der zweiten Generation.
"Nxt ist kein Klon, bei dem nur ein paar Parameter des Algorithmus verändert wurden, es ist ein direkter Wettbewerber für Bitcoin," findet John Manglaviti von der Firma Cointropolis. Beim Nxt-Algorithmus sind alle Coins bereits produziert, er ist schlanker und läuft deswegen sogar auf einem Smartphone.

Mastercoin

Mastercoin (Marktkapitalisierung 40 Mio. Dollar)
Mastercoin wird zwar als eigene Währung gehandelt, sieht sich aber nicht als Konkurrenz zu Bitcoin. Es baut auf der Bitcoin-Technologie auf und erweitert diese um neue Funktionen, die andere Krypto-Währungen dann integrieren können.
Laut Nikos Bentenitis, einem der Gründerväter, geht es bei Mastercoin vor allem darum, neue Features zu erarbeiten. "Das Bitcoin-Protokoll ist zu wichtig, um damit zu experimentieren, und es ist auch zu träge dafür. Mastercoin kann neue Lösungen sehr viel schneller finden und umsetzen." Mastercoin ermöglicht der großen Kryptowährung so neue Funktionen.

lis/dpa/Reuters

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insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
DJ Doena 05.03.2014
1.
Ach, "richtiges" Geld verschwindet auch im "richtigen" Geldsystem ständig.
LenPol 05.03.2014
2.
Wird jetzt bei SPON auch über einzelne Banküberfälle geschrieben? Sie scheinen ja jede kleine negative Nachricht im Zusammenhang mit Bitcoin sofort zu einer Story zu machen. Berichten Sie doch einmal in welchem Umfang normale Banken ausgeraubt werden und welche Beträge da weltweit so zusammenkommen. Stellen Sie das weltweite Finanzsystem dann auch jedesmal in Frage wenn ein größerer Betrag verschwindet? Was ist denn mit den Nachrichten über die rasante Kurserholung des BTC, ist das keine Nachricht wert? haben Sie eine Ahnung was 430.000 Euro bei einem Market Cap von mehreren Milliarden Euro bedeuten? gar nichts. Ich bin wirklich sehr enttäuscht über die einseitige Berichterstattung zu Bitcoin. Sie reihen sich da in die schlechte Berichterstattung konservativer, rechtsgerichteter Medien ein.
awun 05.03.2014
3.
Zitat von LenPolWird jetzt bei SPON auch über einzelne Banküberfälle geschrieben? Sie scheinen ja jede kleine negative Nachricht im Zusammenhang mit Bitcoin sofort zu einer Story zu machen. Berichten Sie doch einmal in welchem Umfang normale Banken ausgeraubt werden und welche Beträge da weltweit so zusammenkommen. Stellen Sie das weltweite Finanzsystem dann auch jedesmal in Frage wenn ein größerer Betrag verschwindet? Was ist denn mit den Nachrichten über die rasante Kurserholung des BTC, ist das keine Nachricht wert? haben Sie eine Ahnung was 430.000 Euro bei einem Market Cap von mehreren Milliarden Euro bedeuten? gar nichts. Ich bin wirklich sehr enttäuscht über die einseitige Berichterstattung zu Bitcoin. Sie reihen sich da in die schlechte Berichterstattung konservativer, rechtsgerichteter Medien ein.
Ich bin mir sicher, wenn etwa 1/10000 des Geldes der staatlichen Währungen geklaut werden würde es Titelstory bei Spiegel sein. Schon schlimm die ganzen Bitcoin-Anleger wie sie bei jeder News angst um ihr Geld bekommen und eine Berichterstattung darüber verbieten wollen. Ist es etwa doch nicht so sicher und nur ein Pyramidensystem und man bekommt schon angst keinen Dümmeren mehr zu finden der einen die Bitcoins abkauft.
TS_Alien 05.03.2014
4.
Vielleicht waren es keine Hacker. Oder die Hacker hatten Hilfe von innen. Oder die Handelsplattform ist nur gegründet worden, um sich später "ausrauben" zu lassen. Einige vertrauen der "Währung" Bitcoin und den Handelspartnern blind, auch wenn es dafür keinen Grund gibt. Das funktioniert wirklich nur mit "genialer" Technik. Ein Schneeballsystem, bei dem zusätzlich Geld gestohlen werden kann, ist wirklich neu. Und dann kann man den Gewinnern des Systems noch nicht einmal eine Straftat nachweisen, denn niemand wird gezwungen, für wertlose Bitmuster (mit dem Namen digitales Geld) echtes Geld auszugeben. Das erinnert an den Kunstmarkt.
partey 05.03.2014
5. nu
Zitat von LenPolWird jetzt bei SPON auch über einzelne Banküberfälle geschrieben? Sie scheinen ja jede kleine negative Nachricht im Zusammenhang mit Bitcoin sofort zu einer Story zu machen. Berichten Sie doch einmal in welchem Umfang normale Banken ausgeraubt werden und welche Beträge da weltweit so zusammenkommen. Stellen Sie das weltweite Finanzsystem dann auch jedesmal in Frage wenn ein größerer Betrag verschwindet? Was ist denn mit den Nachrichten über die rasante Kurserholung des BTC, ist das keine Nachricht wert? haben Sie eine Ahnung was 430.000 Euro bei einem Market Cap von mehreren Milliarden Euro bedeuten? gar nichts. Ich bin wirklich sehr enttäuscht über die einseitige Berichterstattung zu Bitcoin. Sie reihen sich da in die schlechte Berichterstattung konservativer, rechtsgerichteter Medien ein.
Sie beschweren sich aus Gewohnheit. Bis jetzt war die Berichterstattung eher einseitig, das stimmt. Allerdings kann ich in diesem Artikel nichts parteiisches finden. Es hat Spaß gemacht diese kurze Meldung zu lesen, alles klingt so normal. Der BTC wird nicht mehr als Hacker-, Drogen-, Waffengeld diffamiert, eine erfreuliche Entwicklung. Beispiele: "Betroffen sind alle Nutzer, die ihre Digitalwährung auf den Servern der Handelsplattform gelagert haben, statt sie zum Beispiel auf dem eigenen Computer zu speichern." -> selber Schuld ! "Die Grundidee von Bitcoins ist ein Zahlungsverkehr, der unabhängig von Regierungen und Banken funktioniert. Bitcoins werden durch komplexe Rechenprozesse am Computer erzeugt. Die Digitalwährung lässt sich in staatliches Geld eintauschen, wobei der Kurs stark schwankt. Finanzjongleure hatten Bitcoins deshalb als Spekulationsobjekt für sich entdeckt." -> Fakten ! "Dabei geht es auch um die Sorge, dass Kriminelle die digitale Währung für ihre Geschäfte nutzen könnten. Bitcoin-Befürworter halten dagegen, dass die meisten Drogen oder Waffen mit Dollar bezahlt würden." -> Ausgewogen !
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