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Flickr-Rebellion: Yahoos Fotofreunde wüten gegen Microsoft-Offerte

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Finger weg von Flickr! Mitglieder der Fotoseite protestieren gegen Microsofts Übernahmeangebot und drohen, ihre Bilder zu löschen. Microsoft kann das gelassen sehen: Flickr hat seine Fans schon häufiger erzürnt – und bislang sind die meisten der Seite treu geblieben.

Der brasilianische Hobbyfotograf Gustavo Cardoso aus São Paulo macht seiner Wut Luft: Auf einem Protestfoto im Bilderverzeichnis Flickr hält er ein Blatt Papier hoch. Aufschrift: "Nicht hier, Micro$oft! Lasst uns in Ruhe!" Wie er empfinden Hunderte andere lautstark protestierende Flickr-Mitglieder: Microsofts Kaufofferte für Flickrs Konzernmutter Yahoo empört und beunruhigt einen Teil der langjährigen Flickr-Fans.

Sie rotten sich in Gruppen zusammen, die Namen tragen wie " Microsoft, lass deine bösen, schmutzigen Hände von unserem Flickr" oder " Wenn Microsoft Flickr (Yahoo) kauft, lösche ich meinen Account". In den vergangenen drei Tagen haben sich knapp 800 Flickr-Mitglieder in einer dieser Gruppen angemeldet. Sie diskutieren mögliche Alternativen zu einem "MS Flickr", unterzeichnen Petitionen gegen die Übernahme, verhöhnen und verspotten Microsoft mit Bildmontagen (siehe Fotostrecke oben).

Die großen drei: Microsoft, Google und Yahoo im Vergleich
Google Microsoft
und Yahoo
Microsoft Yahoo
Umsatz in Mrd. US-Dollar* 16,59 58,1 51,12 6,97
Gewinn in Mrd. US-Dollar* 4,20 14,73 14,07 0,66
Mitarbeiter 16.800 93.300 79.000 14.300
Suchanfragen weltweit in Mrd. 37,1 10,7 2,2 8,6
Anteil der Suchanfragen weltweit 60,8% 17,5% 3,5% 14,0%
Suchanfragen mobil USA in Mio. 6,3 5,4 1,2 4,2
Anteil Suchanfragen mobil USA 38,3% 32,7% 7,3% 25,4%
E-Mail-Accounts in Mio. 51 518 256 262
* Zahlen für Geschäftsjahr 2007
Stand: Februar 2008, Quelle: Unternehmensinformationen

Viele der Nachrichten in den Anti-Microsoft-Gruppen beschränken sich auf Einzeiler wie "Lasst Flickr in Ruhe." Die Autoren der tiefer gehenden Beiträge argumentieren meist wie der US-Fotograf mit dem schönen Flickr-Pseudonym "Planet Pixel": "Was immer Microsoft angefasst hat, ist unpraktischer und umständlicher geworden. Ich denke, die Flickr-Oberfläche wird sich verändern, eine Unmenge neuer unnützer Fähigkeiten aufnehmen."

Alle Flickr-Protestwellen sind verebbt

Derartigen Protest einiger lautstarker Nutzer ist man bei Flickr gewöhnt. Der hat bislang jede der umstrittenen Entscheidungen der Firma begleitet - und Flickr hat jede dieser Online-Protestwellen ausgesessen. Was sind schon 1000 zürnende Mitglieder bei 20 Millionen (so viele hatte Flickr nach eigenen Angaben im vorigen Dezember)?

Die erste Protestwelle kam und verebbte 2005. Damals kaufte Yahoo das 2002 im kanadischen Vancouver gegründete Bilderportal Flickr. Im Sommer zog Flickr zur neuen Konzernmutter ins kalifornische Sunnyvale, von 2006 an sollte jeder Flickr-Nutzer verpflichtend eine (kostenlos in wenigen Minuten zu registrierende) Yahoo-Identität zum Einloggen bei Flickr benutzen.

Flickr-Fans toben wegen Yahoo-Kauf

Diese Zwangsregistrierung empörte einige altgediente Flickr-Mitglieder. Der Hamburger Künstler Thomas Müller gründete damals die Flickr-Protestgruppe "Flick off", drohte mit Massenkündigungen bezahlter und nicht-bezahlter Flickr-Accounts, sollte die Yahoo-Zwangsregistrierung bestehen bleiben.

Heute, zweieinhalb Jahre später, muss jedes Flickr-Mitglied sich per Yahoo-Login identifizieren. Die Fotoseite hat Millionen Mitglieder gewonnen und die Protestgruppe " Flick Off" existiert sogar noch – inklusive 1406 Mitglieder, die es mit der Kündigung wohl doch nicht so ernst gemeint haben damals.

Die nächste Protestwelle provozierte Flickr im Sommer mit der lange verschleierten Einführung eines Filtersystems: Flickr sperrte deutschen Nutzern alle Bilder, die irgendein Nutzer für zu anstößig hielt, um sie seiner Oma zu zeigen (nackte Brüste, Hundehaufen - siehe Kasten unten zu Details).

Ändern konnten deutsche Nutzer daran nichts. Nicht einmal die Kreditkarteninformationen der Nutzer eines kostenpflichtigen Flickr-Accounts genügen dem Fotoportal als Altersnachweis (siehe Kasten unten).

Die deutschen Nutzer fühlten sich übergangen, ignoriert, nicht ernst genommen – schließlich hatte Flickr diese Filterfunktion vor der Einführung nicht erwähnt. Die Flickr-Mitglieder zürnten, verlangen in Forumseinträgen Aufklärung über die Gründe für die Zwangsfilter, riefen zum Boykott auf.

Ergebnis: Die Filter sind weiter in Kraft – und eine der größten Protestgruppen im Flickr-Forum zu dem Thema "Againstcensorship" ist inzwischen nicht mehr öffentlich zugänglich.

Wütende Nutzer schaden Flickr kaum

Die kanadische Fotografin Aletta Mes bilanziert resigniert: "Ich habe mir die Alternativen angeschaut. Bislang ist Flickr die beste Option. Man kommt bei jedem Dienst an eine Zensurgrenze." Sie rechnet den Flickr-Demonstranten vor, wie wenig eine Kündigung ihres kostenpflichtigen Flickr-Accounts Yahoo tatsächlich ausmacht: "Die Realität ist, dass Flickr den größten Umsatz mit Werbung macht, nicht mit den Abogebühren aus Flickr-Pro-Mitgliedschaften." Aletta Mes' Fazit: "Yahoo mit einer Abokündigung zu drohen, ist eine vergebliche Mühe."

Angesichts der Flickr-Kontroversen und der simplen aber bislang offenbar erfolgreichen Aussitzstrategie der Firma hat Aletta Mes mit diesem resignativen Fazit recht. Mitmachnetz bedeutet eben nicht, dass sich Demonstranten durchsetzen. Solange Microsoft es als etwaiger Flickr-Neueigentümer mit den Änderungen nicht übertreibt, muss der Konzern sich wohl keine allzu großen Sorgen machen.

Schließlich freuen sich sogar einige Nutzer auf Microsoft als Flickr-Paten. Thomas Martin aus Minnesota zum Beispiel, der in seinem Forenbeitrag sorgsam abwägt: "Ich bin mir sicher, dass Microsoft seine eigene Flash-Alternative Silverlight auf den eigenen Seiten bewerben wird, das wird also einige Veränderungen bringen." Er verzweifelt dennoch nicht, schließlich könnte die Flickr-Seite von solch einer Überarbeitung nur profitieren: "Die vergangenen Monate mit Flickr unter Yahoo-Führung waren nicht gut. Ich glaube nicht, dass unter Microsoft-Führung zahlende Flickr-Kunden als Beta-Tester für größere Überarbeitungen herhalten müssten. Aber ich kann da falsch liegen."

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Fotostrecke
Nutzer-Proteste: So verhöhnen Flickr-Mitglieder Microsoft

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