Fluggesellschaft und Börse: Hackerangriff legt israelische Websites lahm
Es war eine Attacke mit Ansage: Vermutlich saudi-arabische Hacker haben am Montag die Websites der Fluggesellschaft El Al und der Börse in Tel Aviv lahmgelegt. Offenbar ist eine Gruppe verantwortlich, die Anfang des Jahres bereits israelische Kreditkartendaten ins Netz stellte.
Die Websites der israelischen Fluggesellschaft El Al und der Börse in Tel Aviv waren am Montagvormittag nicht mehr erreichbar. Schuld sei ein Angriff vermutlich saudi-arabischer Hacker, melden arabische und israelische Zeitungen und Websites am Montag. Offenbar hatten die Angreifer ihre Attacke vorher angekündigt.
Die "Jerusalem Post" berichtet, sie habe per E-Mail eine Nachricht von einem Hacker bekommen, der sich selbst als 0xOmar bezeichnet. In dem Schreiben habe er behauptet, es habe sich ihm eine Hackergruppe mit der Bezeichnung Nightmare (Alptraum) angeschlossen. Außerdem kündigte er an, die Web-Seiten der Tel Aviv Stock Exchange (TASE) und von El Al am Montag aus dem Netz zu werfen.
Ganz offensichtlich ist dieses Vorhaben gelungen. Die Seite der israelischen Fluggesellschaft reagiert auf Versuche, sie anzusteuern am Montagmittag nur mit einer Fehlermeldung. Dasselbe gilt für die TASE-Seite, die laut "Jerusalem Post" am Morgen wieder online gewesen sein soll. Möglicherweise reagierten die Angreifer mit einer erneuten Attacke auf die Bemühungen der Betreiber, ihre Systeme wieder online zu stellen. Der Börsenhandel sei von dem Angriff nicht betroffen, erklärte die TASE.
Drohgebärden
Ihren Angriff führten die Hacker demnach mit einer sogenannten Distributed Denial of Service-Attacke (DDoS) durch. Dabei werden Tausende, Hunderttausende oder noch mehr Computer per Fernsteuerung angewiesen, sinnlose Anfragen an die Server des Opfers zu senden. Die attackierten Rechner werden dadurch überlastet und brechen zusammen, sind nicht mehr erreichbar. Die Besitzer der dafür genutzten PC bemerken oft gar nicht, dass sie Teil einer solchen DDoS-Attacke sind. Ihre Computer sind meist von einer Trojanersoftware infiziert worden, welche die Steuerungssoftware für solche Angriffe im Hintergrund nachlädt.
Der Hacker 0xOmar hatte bereits Anfang des Jahres von sich reden gemacht. Damals hatte er die Nummern von 400.000 israelischen Kreditkarten ins Netz gestellt. Banken und Kreditkartenfirmen wiegelten umgehend ab, erklärten, es sei nur ein Bruchteil dieser Nummern tatsächlich aktuell. Außerdem wurden die betroffenen Karten umgehend gesperrt. 0xOmar drohte mit der Veröffentlichung weiterer Kartendaten und der Herausgabe der Sozialversicherungsnummern von einer Million Israelis.
Der Hacker bezeichnete sich damals als Mitglied der extremistischen saudi-arabischen Hackergruppe Group-XP. Der Zusammenschluss sunnitischer Muslime ist in der Vergangenheit unter anderem durch Aktionen gegen schiitische Websites hervorgetreten.
Kleinkrieg im Netz
Mit dem Angriff auf die beiden israelischen Websites eskaliert ein elektronischer Kleinkrieg zwischen pro-palästinensischen und pro-israelischen Hackern. So berichtet die News-Website von al-Arabija von einem Hacker, der sich als 0xOmer - der ähnliche Name ist sicherlich bewusst gewählt - bezeichnet, der Daten von 217 saudi-arabischen Kreditkarten veröffentlicht haben soll. Andere Hacker, die behaupten, aus dem Gaza-Streifen zu stammen und sich als Gaza Hackers Team bezeichnen, haben zudem am Freitag ein Defacement der Website der israelischen Feuerwehren durchgeführt. Statt der regulären Inhalte zeigte die Seite die Parole "Tod Israel" an. Ein israelischer Hacker, der sich Hannibal nennt, soll unterdessen die Login-Daten von 20.000 arabischen Facebook-Usern veröffentlicht haben.
Derselbe Hannibal drohte auch, er verfüge über Daten, die ihm Zugang zu zehn Millionen arabischen Bankkonten verschaffen könnten. Bereits am Freitag erklärte 0xOmar, der "Cyberkrieg gegen Israel" habe nun begonnen. Die Hamas applaudierte und rief die Hacker zu weiteren Aktionen gegen Israel auf, "um den Widerstand gegen die Besatzer zu verstärken".
mak
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Montag, 16.01.2012 – 13:27 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren
Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
für die Inhalte externer Internetseiten.
MEHR AUS DEM RESSORT NETZWELT
-
Best of Web
Netz-Fundstücke: Was Sie im Internet unbedingt sehen müssen -
Silberscheiben
Das lohnt sich: Die besten CD- und DVD-Schnäppchen -
Bilderwelten
Bessere Fotos: So holen Sie ganz einfach mehr aus Ihren Bildern raus -
Angefasst
Gadget-Check: Handys und anderes Spielzeug in Matthias Kremps Praxistest -
Angespielt
Game-Tipps: Spiele für Computer und Konsole im SPIEGEL-ONLINE-Test
