Bildkritik von Profis: So fotografieren Sie besser

Ein ungleiches Paar in Peru, eine Berglandschaft in Tibet und ein Sommerabend in der Schweiz: Profi-Fotografen analysieren die Aufnahmen engagierter Amateure und geben Ratschläge, wie es noch besser geht. Foto-Tipps vom Fachblog fokussiert.com.

Für das Schweizer Foto-Blog fokussiert.com analysieren professionelle Fotografen regelmäßig bemerkenswerte, von Lesern eingereichte Fotos. Die Profis beschreiben die Stärken der Aufnahme und geben Hinweise, wie sich die Bildwirkung verbessern lässt. SPIEGEL ONLINE veröffentlicht einmal im Monat eine Auswahl der Bildkritiken.

Reduzierte Farbenpracht

Farben und Formen gut kombiniert ergeben ein gutes Bild und erzählen im besten Fall eine Geschichte.

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Bernhard Bader

Kommentar des Fotografen:

Straßenverkäuferin in Peru beim Bohnen Schälen und Plaudern.

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Bernhard Bader:

Bernhards Fotografie würde ich eher in die Kategorie "street-photography" einordnen als abstrakt. Was mir bei diesem Bild sofort ins Auge gefallen ist, sind die Farben. Wie so oft sehen wir die Bilder ja erst einmal nur klein irgendwo und entscheiden dann in Sekundenbruchteilen darüber, ob wir es näher betrachten wollen oder weiter "blättern", also kein weiteres Interesse an der Abbildung haben.

Da hier sehr schön mit den Komplementärkontrasten der Farben Orange/ Blau und Rot/ Grün gearbeitet wurde oder besser gesagt diese im Bild vorkommen, wird das Motiv schon mal als interessant wahrgenommen. Was mir aber hier noch besonders gut gefällt, ist die Reduktion auf diese wenigen Farben vor der eher einfarbigen Wand. Ich weiß, dass es in Peru schon sehr farbenfroh zugehen kann. Somit hat Bernhard einen guten Blick bewiesen, als er dieses Paar fand. Auch der Bildaufbau ist ihm durch den richtigen Augenblick des Auslösens gelungen. Ich habe in dem Bild einmal die Blickführung eingezeichnet, zumindest die, welche mein Blick bei der Betrachtung nahm.

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Bernhard Bader

Hier ist sehr schön das Zusammenspiel der Augenpaare zu sehen, selbst wenn wir diese nicht wirklich sehen. Ich war ja auch erst versucht, das Bild noch zu beschneiden, so dass nicht so viel Leerraum links der Frau vorhanden ist, aber gerade dort finde ich noch ein spannendes Detail, den Stromzählerkasten und die zu ihm führende Kabelverlegung. Diese wiederum führt mich zu den verschiedenen Obst- und Gemüsesorten. Ein weiteres kleines Detail ist das Kreidekreuz oben rechts, zu dem der Strich an Wand und Tür führt. So ergeben sich bestimmt nicht geplante aber doch spannende Formen im Bild, die diesem helfen den Rezipienten länger gefangen zu nehmen.

Alles in allem eine gelungene Momentaufnahme eines farbenfrohen Motivs, ohne die Augen zu übersättigen. (Thomas Rathay)

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Landschaftsfoto: Mehr Farbe

Landschaftsfotos leben unter anderem durch Farbspiel. Wenn dieses fehlt, ist das dem Bild abträglich.

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Matthias Ihmig

Kommentar des Fotografen:

Das Bild wurde auf einer Hikingtour um den Mt. Kailash in Tibet im Sommer aufgenommen. Ich habe versucht, die meditative und gleichzeitig auch etwas bedrohliche Stimmung des Bergkessels einzufangen, bin mir aber nicht sicher, ob das (v.a. für Außenstehende) auch geklappt hat.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Matthias Ihmig:

Wir hatten eine Zeitlang den National Geographic abonniert, und obwohl ich gerne lese, habe ich ihn immer nur der tollen Fotos wegen durchgeblättert. Insbesondere die Landschaftsaufnahmen sind atemberaubend, und da ich an die Orte, die dort gezeigt werden, größtenteils nie kommen werde, muss ich mich eben mit den Fotos begnügen.

Gute Landschaftaufnahmen geben nicht nur wieder, wie es irgendwo aussieht - sie vermitteln dem Betrachter auch das, was den Ort ausmacht. Die Stimmung, was man fühlt, wenn man dort ist. Und da selten Bilder so verwendet werden können, wie sie aus der Kamera kommen, polieren auch Profis oft noch nach. Das muss nicht exzessiv sein, denn wenn man an einem Bild zu sehr "drehen" muss, ist das meistens ein guter Anhaltspunkt dafür, dass mit der Aufnahme selbst etwas fundamental nicht stimmt.

Dein Bild gefällt mir insgesamt sehr gut, wenn ich auch keine Anzeichen von Nachbearbeitung erkennen kann. Die Gestalten vorne rechts vermitteln, wie gewaltig die Berge um sie herum eigentlich sind. Auch wie es ansonsten komponiert wurde, finde ich ansprechend. Warum allerdings die Farben im Foto so blass gelassen wurden, ist mir unverständlich. Mit ein paar Mausklicks hätte aus diesem Schnappschuss etwas werden können, was einem regelrecht ins Auge springt:

Ich habe hier lediglich den Kontrast und die Farben verstärkt, die im Bild bereits angelegt waren. Es wirkt immer noch natürlich, aber jetzt sieht der Betrachter, was DU gesehen hast, was DICH an dieser Landschaft so beeindruckt, so fasziniert hat. (Sofie Dittmann)

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Matthias Ihmig

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Landschafts-Schnappschuss: Regelbrüche bewusst einsetzen

Die Krux mit Regelbrüchen ist, dass sie bewusst und gekonnt eingesetzt werden müssen, wenn sie eben genauso wirken sollen.

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Christian Huber

Kommentar des Fotografen:

Bild entstand kurz vor Sonnenuntergang im Aargauischen Fricktal. Freihandaufnahme, 1/100 sek. / ISO 500 / f16 -> damit auch Gräser im Vordergrund bzw. Landschaft im Hintergrund scharf sind.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Christian Huber:

Du hast hier einen Baum im Gegenlicht so fotografiert, dass die Sonne als Sonne und nicht bloß als heller Fleck im Bild erscheint. Viele Leute hätten in dieser Situation die Blende möglichst weit geöffnet, eine schnellere Verschlusszeit zu erreichen. Du hast das Problem damit gelöst, dass Du den ISO heraufgeschraubt hast, und bei einer Blende von f/16 entstehen so Sonnenstrahlen anstatt einer Sonnenaura. Da Du schreibst, die Wahl der Blende sei dadurch zustande gekommen, dass Du den Vordergrund scharf abbilden wolltest, nehme ich einmal an, dass es sich um einen "glücklichen Zufall" handelt, dass die Sonne so "ausfiel". Es wirkt auch alles im Vordergrund leicht verschwommen, was allerdings an der Größe des Bildes liegen kann, das mir zur Verfügung stand - das sei also dahingestellt.

Was mir bei Deinem Foto allerdings sofort negativ auffiel war die Bildaufteilung. Der Horizont, wie auch der Baum mit dahinterliegender Sonne - alles ist zu mittig für mich, zu statisch. Du hättest das hier dadurch lösen können, dass Du entweder im Querformat fotografierst und weiter entfernt stehst, so dass der Baum aus der Mitte heraus nach links verschoben wird. Du hättest auch, wenn Du das Hochformat beibehalten willst, weiter von ihm entfernt und so stehen können, dass er aus der Mitte heraus nach links verschoben wird.

Man kann natürlich argumentieren, dieser Regelbruch, was die Komposition angeht, war Absicht. Auch wenn das der Fall sein sollte, er funktioniert hier für mich nicht. Nichts ist sonst da, nichts sonst angelegt, was diese Statik auflöst. (Sofie Dittmann)

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1. So fotografieren Sie besser
fakeaccount 15.07.2012
Was will man erwarten in einer Zeit, in der die Kameras vor lauter Automatiken fast alleine in Urlaub können? Das Beherrschen der Technik, das Wissen um das Zusammenspiel von Verschlusszeit und Blende ist nicht mehr notwendig, sogar richtiges Sehen und Erkennen von Motiven wird zweitrangig. Es gibt Kameras, die lösen nur aus wenn das Gegenüber lächelt, es werden Voraufnahmen vor der eigentlichen Aufnahme produziert. Der Fokus kann neuerdings nachträglich verlegt werden, HDR findet in den Kameras statt, beim Spaziergang durch den Herbstwald wählt man die Funktion "Buntes Laub". War vor Jahren mal mit dem Schiff unterwegs und habe vor den Lofoten einen herzergreifenden Sonnenuntergang fotografiert. Stellt sich doch ein Mensch neben mich, holt aus seiner Hemdentasche eine Miniknipse, stellt diese auf die Reling und drückt den Auslöser. Nach 10 x Klick fragte ich dann doch, was das jetzt war . . .*"Das war mein Best-Shot-Modus, keine Ahnung was passiert, aber ich suche mir das beste Foto heraus und der Rest wird gelöscht." Leider zählt nur das Ergebnis, aber es ist furchtbar schade, dass solch ein begeisterndes Handwerk bzw. Hobby so verkommen ist. Von Fotohandies will ich erst gar nicht anfangen. Oder noch besser, neulich im Urlaub die Asiaten mit dem iPad. Manchmal wünsche ich mir echt die analogen Zeiten zurück . . .*
2.
Blattmann 15.07.2012
Zitat von fakeaccountWas will man erwarten in einer Zeit, in der die Kameras vor lauter Automatiken fast alleine in Urlaub können? Das Beherrschen der Technik, das Wissen um das Zusammenspiel von Verschlusszeit und Blende ist nicht mehr notwendig, sogar richtiges Sehen und Erkennen von Motiven wird zweitrangig. Es gibt Kameras, die lösen nur aus wenn das Gegenüber lächelt, es werden Voraufnahmen vor der eigentlichen Aufnahme produziert. Der Fokus kann neuerdings nachträglich verlegt werden, HDR findet in den Kameras statt, beim Spaziergang durch den Herbstwald wählt man die Funktion "Buntes Laub". War vor Jahren mal mit dem Schiff unterwegs und habe vor den Lofoten einen herzergreifenden Sonnenuntergang fotografiert. Stellt sich doch ein Mensch neben mich, holt aus seiner Hemdentasche eine Miniknipse, stellt diese auf die Reling und drückt den Auslöser. Nach 10 x Klick fragte ich dann doch, was das jetzt war . . .*"Das war mein Best-Shot-Modus, keine Ahnung was passiert, aber ich suche mir das beste Foto heraus und der Rest wird gelöscht." Leider zählt nur das Ergebnis, aber es ist furchtbar schade, dass solch ein begeisterndes Handwerk bzw. Hobby so verkommen ist. Von Fotohandies will ich erst gar nicht anfangen. Oder noch besser, neulich im Urlaub die Asiaten mit dem iPad. Manchmal wünsche ich mir echt die analogen Zeiten zurück . . .*
Da möchte ich gerne wiedersprechen. Vorallem das Sehen und Erkennen ist wichtig für ein gutes Bild. Das ist völlig unabhänging von der verwendeten Technik. Das Problem liegt eher daran, dass sich die Menschen mit sehr wenig zufrieden geben. Es Urlaubs Schnappschuss reicht ihnen. Wer etwas ambitioniert Fotografieren will, kommt trotz aller Technik nicht um das Grundwissen wie dem Zusammenspiel von Verschlusszeit und Blende, Goldener Schnitt etc. herum.
3. Edit
fakeaccount 15.07.2012
Zitat von BlattmannDa möchte ich gerne wiedersprechen. Vorallem das Sehen und Erkennen ist wichtig für ein gutes Bild. Das ist völlig unabhänging von der verwendeten Technik. Das Problem liegt eher daran, dass sich die Menschen mit sehr wenig zufrieden geben. Es Urlaubs Schnappschuss reicht ihnen. Wer etwas ambitioniert Fotografieren will, kommt trotz aller Technik nicht um das Grundwissen wie dem Zusammenspiel von Verschlusszeit und Blende, Goldener Schnitt etc. herum.
Sorry, vielleicht hab ich mich nicht richtig ausgedrückt. Gestaltung passiert bei mir stets im Sucher. Bei 21 Mio Pix Auflösung platzieren viele das Motiv in die Mitte und schneiden hinterher per EBV bis es passt. Das meinte ich mit dem richtigen Sehen. Ansonsten bin ich ganz bei Ihnen.
4.
meinmein 15.07.2012
Zitat von BlattmannDa möchte ich gerne wiedersprechen. Vorallem das Sehen und Erkennen ist wichtig für ein gutes Bild. Das ist völlig unabhänging von der verwendeten Technik. Das Problem liegt eher daran, dass sich die Menschen mit sehr wenig zufrieden geben. Es Urlaubs Schnappschuss reicht ihnen. Wer etwas ambitioniert Fotografieren will, kommt trotz aller Technik nicht um das Grundwissen wie dem Zusammenspiel von Verschlusszeit und Blende, Goldener Schnitt etc. herum.
Volle Zustimmung. 90% aller Fotos sind Müll. Häufigster Fehler: Abstand zum Motiv viel zu groß. Und wenn man näher rangeht, sind Körperteile abgeschnitten, da die Gesichter immer in die Bildmitte gesetzt werden und die obere Bildhälfte leer bleibt. Bei Landschaftsaufnahmen wird dreiviertel des Bildes von einem uninteressanten Vordergrund eingenommen.
5.
Sneaky Pie 15.07.2012
Das heute viel mehr Menschen fotografieren, ohne es gelernt zu haben, ist grundsätzlich nicht falsch. Sie machen diese Fotos für ihre persönlichen Erinnerungen, selbst wenn das auf dem Gesichtsbuch landet. Zu den Kameras in Mobiles muss ich sagen, das ich sie gerne nutze, um mich auf ein späteres Shooting vorzubereiten. Im S2 ist eine bessere Kamera mit GPS drin, als man sonst derzeit kaufen kann. Ansonsten finde ich es toll, dass zu den Bildern tatsächlich etwas geschrieben wird. Wenn ich mir die diversen Foto Zeitschriften so anschaue, in denen unbedingt irgendwelche Leserfotos publiziert werden, dann ist der Artikel diesen Zeitschriften um Lichtjahre voraus. Dort werden mit irgendwelchen Wettbewerben Fotos prämiert, ohne das diejenigen, die diese Bewertung abgeben, diese begründen. Für mich ist das eher das Füllen von Seiten mangels Inhalt um mehr Werbung platzieren zu können.
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    Das Schweizer Foto-Blog fokussiert.com lässt in der Rubrik Bildkritik regelmäßig Profi-Fotografen Fotos aus der Leserschaft analysieren. Bilder zur Kritik kann man hier einreichen.


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