Netzwelt-Ticker: Forscher weisen Social-Media-Zensur in China nach

Von Felix Knoke

Wie funktioniert die Internet-Zensur in China, auf welche Schlüsselworte haben es die Zensoren abgesehen? Eine Studie gibt nun Aufschluss über diese Fragen - und wirft neue auf. Außerdem im Überblick: Undercover-Aktion gegen gefälschte Chips und Kim Dotcom holt zum Gegenschlag aus.

Internetcafé in Peking: Auffällig viele Löschungen im Südwesten Zur Großansicht
DPA

Internetcafé in Peking: Auffällig viele Löschungen im Südwesten

Dass die chinesischen Behörden die Verbreitung von unliebsamen Nachrichten und Websites durch Websperren blockieren, ist lange bekannt. Aber wie weit gehen die Zensoren bei der Löschung einzelner Inhalte?

In einer sehr interessanten - und auch für Laien nachvollziehbaren - Studie wollen Forschern der Carnegie Mellon University das Ausmaß und das System der Webzensur in China analysiert haben: "Hiermit präsentieren wir die erste groß angelegte Analyse von politischer Inhalte-Zensur in sozialen Medien, das heißt, der aktiven Löschung von Nachrichten, die von Individuen gesendet wurden."

Dazu erstellten sie eine Übersicht aller bei Sina Weibo gelöschten - und von Spam bereinigten - Nachrichten, erstellen eine Inhaltsanalyse und verglichen die Nachrichten mit Kurznachrichten beim (vermutlich unzensierten) US-Dienst Twitter.

Das Ergebnis: Von rund 1,3 Millionen zufällig ausgesuchten Nachrichten wurden 213.000 von Sina Weibo gelöscht - auffällig häufig waren darunter Nachrichten mit bestimmten Schlüsselworten: Die Namen bestimmter Politiker und spiritueller Gruppen, Rücktrittsforderungen, Unfälle und Verschwörungstheorien.

Auffällig war auch die geografische Ungleichverteilung der Löschraten - im Südwesten Chinas wurde deutlich mehr gelöscht als etwa im Südosten. Was diese Ergebnisse aber genau zu bedeuten haben, müssen weitere Studien zeigen.

Undercover-Aktion gegen gefälschte Chips

Die Angst des US-Militärs vor gefälschten Chips ist offenbar begründet: Das amerikanische General Accountability Office (GAO) hat in einer verdeckten Ermittlung den Handel mit gefälschter Militärware aufgedeckt. Das GAO, mit ähnlichen Aufgaben betraut wie der Bundesrechungshof in Deutschland, bestellte unter falschem Namen ein Dutzend angeblich für den Militäreinsatz geeigneter Elektronik. Geliefert wurde aber gefälschte Billigelektronik, vor allem von Händlern aus China.

Mit dem erfolgreichen Undercover-Einkauf wollte das GAO nachweisen, dass die Versorgungskette des US-Militärs eine empfindliche Stelle hat und die Schlagkraft der Armee durch gefälschte, vielleicht sogar manipulierte Billigware beeinträchtigt werden könnte.

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Zum Autor
  • Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

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