Populäres Onlinespiel Darum spielen 125 Millionen Menschen "Fortnite"

Kein Videospiel ist derzeit so präsent wie "Fortnite". Fußballer feiern ihre Tore mit Tänzen aus dem Spiel, auf Schulhöfen ist es Dauerthema. Die besten Gamer können damit jetzt sogar reich werden.

YouTube/ deathmule

Aus Los Angeles berichtet


Ninja hat es geschafft, allem Druck zum Trotz. Er hat im virtuellen Überlebenskampf länger durchgehalten als 98 Konkurrenten. Die einzige Comicfigur, die neben seiner noch überlebte, war die von Marshmello, einem bekannten Electro-DJ - und in diesem Fall Ninjas Teampartner.

Ninja, 27, der eigentlich Tyler Blevins heißt, hat am Dienstag in einem Stadion in Los Angeles das Videospielturnier "Pro-Am 2018" gewonnen. In einer Partie "Fortnite" konkurrierten dort 50 Zweierteams miteinander: Jeweils ein Prominenter, vom US-Basketballprofi bis zum Schauspieler, spielte zusammen mit einem Gamer, der "Fortnite" sehr gut beherrscht. Im Zuge des Events wurden drei Millionen Dollar für gute Zwecke gespendet.

"Fortnite"-Jubel von Antoine Griezmann (Mitte) und Mitspielern in einem Testspiel
DPA

"Fortnite"-Jubel von Antoine Griezmann (Mitte) und Mitspielern in einem Testspiel

Ninja ist sozusagen der Lionel Messi des "Fortnite" - ein Spieler mit unfassbaren Fähigkeiten, in guter Tagesform der vielleicht beste der Welt. "Fortnite" wiederum ist derzeit das populärste Videospiel der Welt.

"Fortnite" ist überall

Kein Spiel schauen sich mehr Zuschauer an, kein Spiel liefert derzeit so konsequent Memes, die den Sprung aus dem digitalen ins analoge Leben schaffen. Wenn etwa der Fußballprofi Antoine Griezmann ein Tor schießt, jubelt er derzeit gern mit einer "Take the L" genannten Geste - bekannt aus "Fortnite".

Und ob man nun Sport im Fernsehen schaut oder einfach nur in die Innenstadt geht: Eingeweihte können die sogenannten Emotes, die Tanzbewegungen der "Fortnite"-Figuren, momentan überall entdecken. "In meiner Schule ist 'Fortnite' super angesagt", berichtet zum Beispiel der elfjährige Orod, der mit seiner Mutter das "Pro-Am"-Turnier besucht. "Beinahe jeder spielt das, auch die Mädchen. Nur die Lehrer wahrscheinlich nicht."

Wie man "Fortnite" spielt und welche Entstehungsgeschichte das Spiel hat, erklärt unsere Fotostrecke:

Und die Tänze? Die hat Orod natürlich auch drauf - wie offenbar so ziemlich jeder in seinem Alter. Wenn gerade ein Schulkind in der Nähe ist, fragen Sie es doch mal, ob ihm "Zahnseide" als Tanz etwas sagt. Die Chancen stehen gut, dass die Antwort "Ja" lautet. Der Hype um "Fortnite" hat unter jungen Menschen längst Ausmaße, die man so nur bei sehr wenigen Titeln wie "Pokémon Go" oder "Minecraft" bisher erlebt hat.

100 Spieler, ein Sieger

"Fortnite" - beziehungsweise der Teil des Spiels, den fast jeder meint, wenn er diesen Titel nennt (siehe Fotostrecke) - ist ein Battle-Royale-Game, wie auch das martialischer daherkommende "Playerunknown's Battlegrounds" (PUBG). Vereinfacht erklärt, landen bei Battle-Royale-Schlachten 100 Spieler auf einer Insel, auf der sie sich so lange bekämpfen, bis zur noch einer übrig ist. Auf Wunsch kann auch in kleinen Teams gekämpft werden, die Mitglieder unterstützen sich dann gegenseitig.

Ninja (links) und Marshmello
Twitch/ Fortnite

Ninja (links) und Marshmello

Millionen Menschen spielen nicht nur selbst online "Fortnite", sondern schauen auch in Internetstreams zu, wie talentierte Zocker das machen: Ninja, der sein Geschick mit dem Turniersieg in Los Angeles vor 3000 Zuschauern im Stadion und mehreren Hunderttausenden im Livestream erneut unter Beweis stellte, ist so ein Vorbild.

Die Faktoren des Erfolgs

Warum ausgerechnet "Fortnite" für so viel Wirbel sorgt, darüber lässt sich wie bei vielen Trends und Moden nur mutmaßen. Vermutlich kamen diverse Faktoren zusammen:

  • Das Battle-Royale-Genre strebte dank "PUBG" und Co. ohnehin Richtung Mainstream: "Fortnite" war aber eines der ersten Battle-Royale-Spiele, die sich nicht mehr nur wie ein spielbarer Prototyp anfühlten.

  • Das Spiel ist in seinen Grundfunktionen kostenlos, nicht nur auf dem Handy - viele Menschen haben es so zumindest mal ausprobiert. Im Stream ist das Spiel auch leicht zu verfolgen, selbst Nicht-Spieler verstehen schnell seinen Ablauf.

  • "Fortnite" ist leicht zu lernen, aber schwer zu meistern - und das Spiel wird ständig durch Updates erweitert: Seit kurzem steht etwa ein Fußballstadion auf der Insel. Solche Veränderungen halten die Spannung hoch, das finden etwa die kürzlich Eltern gewordenen Apollo und Athena. Auf die Frage, ob sie "Fortnite"-Fans seien, antworten die "Pro-Am"-Besucher mit: "Zu 100 Prozent!".

Athena, 24, und Apollo, 22
Markus Böhm

Athena, 24, und Apollo, 22

  • "Fortnite" kommt in Comic-Optik daher, das Spiel ist relativ Kinderzimmer-kompatibel. Mit Elementen wie seinen Tänzen hat es einen Humor, der vielen Actionspielen fehlt. Der 13-jährige Orod zum Beispiel schätzt den Grafikstil sehr, er hält "Fortnite" für "das erste Comic-Videospiel überhaupt".

"Fortnite"-Fan Orod und seine Mutter Gita
Markus Böhm

"Fortnite"-Fan Orod und seine Mutter Gita

  • Zuletzt mag auch der inhaltliche Fokus des Spiels - Kämpfen, Ressourcen sammeln, Festungen zur Verteidigung bauen - den Nerv vieler Spieler getroffen haben.

    Von "Minecraft" zu "Fortnite"

"Ich finde 'Fortnite' gut, weil es beim Bauen intellektuelle Fähigkeiten erfordert und weil es auch ein Teamspiel ist", sagt Andrew, 45, der seinem elfjährigen Sohn gern beim Spielen zuschaut. "Als Spencer jünger war, liebte er 'Minecraft'", sagt Andrew, "und 'Fortnite' hat was von 'Minecraft', was die Spielelemente angeht. Ich denke, dass es der naheliegende nächste Schritt war."

Turnier-Besucher Andrew und Spencer
Markus Böhm

Turnier-Besucher Andrew und Spencer

Tatsächlich betont auch Spencer, dass er den Festungsbau-Teil des Spiels mag: "In 'Fortnite' kannst du auch mithalten, wenn du nicht am besten mit deiner Waffe zielen kannst, aber ein talentierter Baumeister bist."

Was auch immer genau am Ende die Begeisterung erklärt: Der Hype um "Fortnite" hat seinen Höhepunkt wohl noch nicht erreicht. So ist erst an diesen Dienstag eine Version des Spiels für Nintendos Switch erschienen. Zudem hat Epic Games angekündigt, 100 Millionen Dollar in E-Sport-Turniere investieren zu wollen.

Bislang konnten erfolgreiche "Fortnite"-Spieler vor allem berühmt werden: Bald können sie dank solcher Preisgelder auch noch reich werden.


Fotostrecke

26  Bilder
Highlight-Übersicht: Das sind die besten Spiele der E3 2018


insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Das dazu 13.06.2018
1. Klone für Kleinkinder
Auch wenn das Original PUBG Schwächen hat, dieser Klone ist etwas für Kleinkinder. Quietschbunt, nervig und damit nur für die jüngste Generation geeignet.
Putenbuch 13.06.2018
2. Schnelllebige Industrie :-)
Waren noch vor nicht allzu langer Zeit DotA und, Mincraft, dann LoL und PUBG die top Spiele, bricht dieses Spiel jegliche Rekorde. Ich habe gestern Nacht meinen Augen nicht getraut, als ich bei Twitch für Fortnite 1,3 Millionen Zuschauer gesehen habe. Sowas haben weder LoL, noch PUBG jemals geschafft soweit mir bekannt ist. Ich finds gut, dass noch immer Überraschungen in der Branche möglich sind, die großen Konzerne noch nicht das letzte bischen Spontanität und Kreativität mit ihrer Profitgier abgetötet haben. Erfrischend!
Nonvaio01 13.06.2018
3. wiebitte?
Battle Royal war auf dem Index? Ich denke auch nicht das es horror ist, es ist einer der besten Filme, wenn man sich den sozialen aspekt genauer ansieht. Denn es geht am ende darum einen Job zu bekommen, so schlecht ist die Jobsituation. Zum Game. Ich hab es meinem sohn verboten, da die runden teilweise extrem lange dauern.
dosmundos 13.06.2018
4.
Die Spieler landen in einem abgegrenzten Spielfeld, und wer zuletzt noch steht, gewinnt? Ist das diversas wie „Tribute von Panem“ als Computerspiel?
KaroXXL 13.06.2018
5.
"er hält "Fortnite" für "das erste Comic-Videospiel überhaupt". Äh bitte was?? Schonmal was von Team Fortress gehört? Ich finde das Charakterdesign von Fortnite glatt, austauschbar und den Humor sehr flach... Originell und witzig war (und ist immer noch) Team Fortress 2. Warum SpOn nicht so richtig auf den Inhalt (Spielmechanik, Besonderheiten etc.) eingeht ist mir auch ein Rätsel.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.