Fotofälscher-Fun: Eigentlich bin ich Cate Blanchett
Vorbei die Zeit, in der ein Foto zeigte, was man sieht. Auch bei privaten Porträtfotos wird heute nachgebessert, was die Software hergibt. Im Web gibt es Werkzeuge, mit denen man sich binnen Minuten zum Star stilisiert, ins All beamt oder das Geschlecht wechselt. SPIEGEL ONLINE hat sie ausprobiert.
Cate und ich haben durchaus das eine oder andere gemein. Eine lange Nase zum Beispiel, ausgeprägte Augenbrauen und offenbar auch die Bereitschaft, für ein Foto das Gesicht auf die rechte Hand zu stützen. Klar, sie ist vermutlich leicht bekannter als meine Wenigkeit, aber dafür muss sie es ja auch ertragen, dass sie im Web für allerlei Späßchen herhalten muss: Als Morph-Vorlage zum Beispiel.
Denn Cate Blanchett gehört natürlich zum Fundus der Prominentengesichter, die der Celebrity Morph von Myheritage als Rohmaterial für seine visuellen Gags bereithält. Dabei geht es darum, zwei verschiedene Gesichter möglichst fließend ineinander übergehen zu lassen, aus dem einen erst das andere zu entwickeln und dann wieder zurück.
In den Neunzigern war so etwas Kult, entsprechende Software sogar verkäuflich. Heute ist es ein Web-Gimmick, das auf einer Web-Seite im Rahmen eines kleinen Applets binnen weniger Minuten erledigt ist: Man lädt ein Foto hoch, das von der Software analysiert wird. Dann sucht diese in ihren Fotodatenbanken und findet innerhalb von Sekunden heraus, dass Sie unter allen Prominenten beispielsweise Cate Blanchett am ähnlichsten sehen. Was man erst einmal verdauen muss, wenn man sich selbst eigentlich ganz anders sieht: Männlich, zum Beispiel, vierzig Kilogramm schwerer, deutlich größer und hässlicher. Schockschwerenot, das Ding sieht mich als Cate Blanchett?
Naja, zumindest, was die Pose angeht: Mein leicht lakonisches Urlaubsbild aus dem letzten Sommer hat offenbar Filmstar-Charakteristika. Schnell noch ein paar Bezugspunkte in meinem und ihren Gesicht ergänzt, um der Software mitzuteilen, wo Mundwinkel sitzen, Nasen enden und Augen blitzen - schon errechnet die Software meinen Morph und ich werde zur Blanchett. Das Resultat kann man zwar nicht herunterladen, aber per Mausklick in zahlreiche Social-Networks-Dienste, in Blogs oder Web-Seiten einbetten.
Nett ist das, taugt als Gag, aber auch nur einmal: Wie gut, dass man im Web noch so viel mehr anfangen kann mit seinen Fotografien. Zu den Favoriten der Web-Gemeinde gehören diverse Dienste, die mit Hilfe von teils ausgeklügelten Standardfiltern innerhalb von Sekunden teils verblüffend gute Fotomontagen liefern. Vorkenntnisse braucht man, anders als bei vielen besseren Fotobearbeitungsprogrammen, keine. Zu den eingesetzten Standardmitteln zählen sowohl Verfremdungen, die ein Gesicht etwa in eine Zeichnung oder einen Cartoon übersetzen, als auch Dienste, die eher mit Freistellern, Montagen und Einblendungen arbeiten.
Photo 505 etwa lässt uns unsere Porträts in zahlreiche andere Bilder montieren. Mein Cate-Blanchett-Gesicht nimmt sich die Software und verwendet nur minimale Teile davon: Nase, Augen und Mund werden in ein düsteres Bild einer Horrorgestalt mit Schlapphut und Messerhänden einmontiert - das ist durchaus gut.
Einfacher gestrickt ist BeFunky, das Fotos auf Grundlage von rund 50 kostenlosen Filtern verfremdet. Viele davon kennt man aus Standardgrafikprogrammen, die Ergebnisse allerdings sind nicht schlecht. Auch hier kann man seine Bilder per Mausklick mit anderen teilen. Wer etwas abspeichern will, muss angeblich einen Account anlegen. Wer allerdings die Option "Save to desktop" wählt, bekommt immerhin eine kleine Bildkopie angeboten. Gut sind bei BeFunky die Cartoonizer, die das Foto zur Comic-Zeichnung machen. Das Resultat kann man mit Hilfe des Menüs "Goodies" dann noch durch diverse Beigaben wie doofe Accessoires, falsche Nasen oder absurde Augenbrauen weiter verhunzen. Jede Ähnlichkeit mit Cate Blanchett geht dabei aber in die Binsen.
Macht nichts: Viel mehr Spaß machen ja auch Bilderbaukästen, mit denen man eigene Bilder in ein Angebot anderer Bilder einmontieren kann. Die Resultate sind teils spektakulär gut, wenn man bedenkt, dass all das automatisiert und innerhalb weniger Sekunden geschieht (siehe Bildergalerie).
Photofunia hat ein gutes Angebot origineller Bilder und liefert gute Ergebnisse. Die Ergebnisse kann man als Datei abspeichern, als E-Card verschicken oder in eigene Web-Seiten einbetten. Wer will, bestellt sich einen Druck davon, als Poster oder Fotoabzug, auf T-Shirts oder Kaffeebecher - ein Teil des Geschäftskonzepts.
Die Top drei
Als die originellsten und vielfältigsten Dienste aber stellten sich Fun Photo Box wegen seiner qualitativ hochwertigen Auswahl an Bildmotiven, Write on it und LoonaPix heraus.
Die beiden letzten arbeiten mit einer Vorselektion von Grundfunktionen, die zu unterschiedlichen Resultaten führen. Write on it bietet neben einem E-Card-Generator und einer qualitativ guten Fotomontagefunktion auch einen sehr guten Magazin-Cover-Generator sowie ein "Face in a hole", mit dem man sein Konterfei in die Gesichter diverser Promis einfügen kann. Klingt doof und ist es auch, aber auch das kann ja mal ganz spaßig sein.
LoonaPix sieht aus, als wäre die Seite 1998 ins Netz gegangen. Klickt man dann in die angebotenen Foto-Software-Masken, wird es ganz, ganz nüchtern und funktional - dafür aber sind die gelieferten Resultate Spitze. Im Angebot: Die klassische Fotomontage (schönes Rohmaterialangebot!), diverse Bild-im-Bild-Angebote, Kalender-Wallpaper-Masken für den Desktop und - eine Maske zum Erstellen von Animated Gifs. Dieses Bild/Filmformat der digitalen Steinzeit feiert ja zurzeit ein regelrechtes Revival.
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