Fotografierte Straßenzüge: Google kündigt Street-View-Start für Deutschland an

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Aller Kritik und allen Diskussionen zum Trotz: Google führt Street View in Deutschland ein - noch in diesem Jahr. Auf ein genaueres Datum will sich der Konzern nicht festlegen. Erst einmal will man abwarten, wie viele Einsprüche noch bearbeitet werden müssen.

Street-View-Kamera: Die 20 größten deutschen Städte wurden Straße für Straße fotografiert Zur Großansicht
dapd

Street-View-Kamera: Die 20 größten deutschen Städte wurden Straße für Straße fotografiert

Das hat lange gedauert. Drei Jahre hat der Internetkonzern Google gebraucht, seinen Straßenpanoramadienst Street View nach Deutschland zu bringen. Jetzt soll es endlich so weit sein. Die 20 nach Einwohnerzahl größten Städte des Landes sollen bald online in dreidimensionalen Fotoansichten durchwanderbar sein. Dass es so lange gedauert hat, den bereits 2007 in den USA eingeführten Dienst nach Deutschland zu bringen, liegt an den ungeklärten Fragen: Wie sieht es um den Datenschutz aus? Wie kann man sein Recht auf Privatsphäre geltend machen?

Dass Google sich dieser Widerstände zum Trotz nicht davon abbringen ließ, monatelang deutsche Straßenzüge mit Spezialfahrzeugen abzufahren, zu fotografieren und diese Bilder zu einer Art riesiger digitaler Fototapete zusammenzubauen, hat ebenfalls einen einfachen Grund: Nachfrage.

Wie Street-View-Produktmanager Raphael Leiteritz ausführlich erklärte, sind die Deutschen, allen Diskussionen zum Trotz, schon jetzt treue Nutzer der Online-Fototapete. Aus keinem anderen Land, in dem Street View noch nicht angeboten wird, kommen so viele Aufrufe des Dienstes wie aus Deutschland. Vermutlich, so Leiteritz, würden viele Anwender die bebilderte Karte für ihre Urlaubsplanung nutzen. Etwa eine Million Mal wird der Dienst aus Deutschland aufgerufen, pro Tag.

Das erklärt auch, weshalb Google so bestrebt ist, Street View nach Deutschland zu bringen. Denn da, wo man sich Straßenzüge bereits als durchwanderbares Panoramafoto anschauen kann, hat die Nutzung von Google Maps um 20 Prozent zugenommen. Und mehr Nutzer bedeuten für Google mehr Geld. Schließlich verdient das Unternehmen seine Dollar-Milliarden mit Werbung - und die wird nach Seitenaufrufen, nach Klicks, bezahlt.

Vier Wochen Einspruchsfrist

Während die Einführung der Straßenpanoramen in anderen Ländern meist freudig beklatscht wurde, meldeten sich in Deutschland schon früh Kritiker zu Wort. Wie kann man verhindern, dass das eigene Haus von Google im Internet als Foto anklickbar gemacht wird? Schließlich legen viele Bürger viel Wert auf ihre Privatsphäre.

Solchen Menschen wird Google ab kommender Woche die Möglichkeit geben online einzufordern, die Bilder ihrer Gebäude unkenntlich zu machen. Dafür müssen Antragsteller auf einer speziell dafür eingerichtete Webseite ihren Namen und ihre Adresse eingeben. Schon das dürfte manchem sauer aufstoßen.

Identitätsüberprüfung per Post

Doch dieser Schritt sei unumgänglich, sagt der Google-Datenschutzbeauftragte Per Meyerdierks gegenüber SPIEGEL ONLINE. Die Daten werden nicht nur gebraucht, um das entsprechende Gebäude in der Street-View-Datenbank zu finden, sie sind vor allem nötig, um einen Missbrauch der Einspruchsmöglichkeit zu verhindern - wenigstens teilweise. An den Adressaten nämlich sendet Google per Post einen Brief mit einem Bestätigungs-Code, den der wiederum online eingeben muss, um zu verifizieren, dass er tatsächlich an der angegebenen Adresse wohnt, die nicht erfasst werden soll.

Die Methode ist nicht neu und wird von Web-Diensten eingesetzt, um Identitäten zu überprüfen, vollkommen gefeit gegen Missbrauch ist sie nicht. So kann etwa der Mieter eines Hauses dessen Verbannung aus Street View fordern, ohne dass der Eigentümer davon etwas mitbekommt. Knifflig wird das Verfahren auch, wenn sich mehrere Parteien eine Adresse teilen, etwa in einem Mehrfamilienhaus. Oder wenn Gewerbebetriebe und Wohnungen am selben Ort residieren. Will etwa ein Restaurantbesitzer sein Lokal in Street View auffindbar machen, der darüber wohnende Mieter sein Zuhause aber anonymisiert wissen, werde der obere Teil des Gebäudes unkenntlich gemacht.

Dass dadurch Löcher in die digitale Panoramatapete gerissen werden, muss der Nutzer nicht befürchten. Statt die fraglichen Gebäude einfach auszuschneiden werden sie von Google extrem weichgezeichnet wiedergegeben, so dass keinerlei Einzelheiten erkennbar sind, versichert Leiteritz.

Rätselraten um die Zahl der Einsprüche

Lange warten sollte allerdings nicht, wer sein Anwesen aus Googles Weltbild tilgen lassen will. Sobald die Einspruch-Website online geht, gewährt der US-Konzern Einspruchwilligen vier Wochen Zeit, sich entweder online oder per Post zu melden, um eine Unkenntlichmachung ihres Gebäudes zu beantragen. Diese Frist setze man, um genug Zeit zu haben alle Anträge abzuarbeiten, zu prüfen und die entsprechenden Änderungen im Bildmaterial vorzunehmen, bevor Street View in Deutschland ans Netz geht.

Darüber, wie lange das dauern wird, scheint man sich bei Google allerdings nicht im Klaren zu sein. Der Konzern lehnt es ab, selbst eine grobe Schätzung dazu abzugeben, wie viele Menschen die Einspruchsmöglichkeit wohl nutzen werden. Selbst über die Zahl der bereits eingegangen Einsprüche versucht Google Stillschweigen zu bewahren. Erst nach beharrlichen Nachfragen gestanden die Google-Sprecher ein, dass Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner mit ihrer Angabe zumindest im richtigen Bereich liege, also bereits eine fünfstellige Zahl von Menschen, mindestens also Zehntausend, Einspruch erhoben haben.

Hoffnung auf den Promillebereich

Wie viele Wohnungs- und Gebäudeeigentümer sich dieser Gruppe noch anschließen werden, ist reine Spekulation. Google jedenfalls wird alles daran setzen, in den kommenden Wochen möglichst viele Menschen von den wirklichen oder vermeintlichen Vorzügen von Street View zu überzeugen - und gleichzeitig auf ihre Einspruchsmöglichkeit hinweisen. Ganz ungewöhnlich für den Online-Konzern sollen dafür massenweise Anzeigen in Tageszeitungen und Wochenzeitschriften geschaltet werden. Am Ende, so hofft man jedenfalls bei Google, wird sich die große Mehrheit dann für den Verbleib im digitalen Atlas aussprechen, also einfach stillhalten.

Google selbst schätzt - oder hofft - dass sich nur ein Promilleanteil der deutschen Bevölkerung gegen eine Präsenz in Street View ausspricht. Eine Hoffnung, die wohl begründet ist, schon weil der aktiv werden muss, der weiterhin netzanonym wohnen möchte.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 226 Beiträge
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1. !!!
MadMad 10.08.2010
Zitat von sysopAller Kritik und allen Diskussionen zum Trotz: Google führt Street View in Deutschland ein - noch in diesem Jahr. Auf ein genaueres Datum will sich der Konzern nicht festlegen. Erst einmal will man abwarten, wie viele Einsprüche noch bearbeitet werden müssen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,710962,00.html
Die Diskussion geht wieder los und am Ende setzt sich Google mit irgendwelchen Pseudo-Auflagen doch durch. Datenschutz ist im Zeitverlauf sehr dehnbar. Was gestern unmöglich schien ist heute schon vertretbar.
2. Und hier geht
baloo55 10.08.2010
*die gleiche Diskussion* nochmal los. Wahrscheinlich werden wieder die am lautesten meckern, die sich Street-View noch gar nicht angesehen haben. Mir wird schlecht, wenn ich die Aigner höre, tummelt sich auf vermeintlich populären Spielfeld, bei wirklich Wichtigem, wie z.B. der Ampel bei Lebensmitteln ist sie hilflos den Lobbyisten ausgeliefert.
3. Haltet den Dieb!
rawoloa 10.08.2010
Es geht schon wieder los, dass ein Dienst für alle wegen Einzelinteressen schlecht gemacht wird. Profilierungssüchtige Politiker rufen laut 'Haltet den Dieb, haben aber nichts dagegen, wenn für die sogenannten staatlichen Aufgaben der Datenschutz einem Sieb gleicht, in das von der Masse unbemerkt immer mehr Löcher geschnitten werden. Ja, es wird mit Streetview Geld verdient, ja, und es gibt auch Missbrauchsmöglichkeiten. Aber man muss schon einen behandlungsbedürftigen Verfolgungswahn haben, um in Streeview eine solche Bedrohung zu sehen, dass Vater Staat unbedingt einschreiten muss. Es wird leider nicht erkannt, dass der eigentlich gefährliche Datendieb Vater Staat ist und nicht Streetview!
4. Vollste Zustimmung.
h3li05exe 10.08.2010
Zitat von rawoloaEs geht schon wieder los, dass ein Dienst für alle wegen Einzelinteressen schlecht gemacht wird. Profilierungssüchtige Politiker rufen laut 'Haltet den Dieb, haben aber nichts dagegen, wenn für die sogenannten staatlichen Aufgaben der Datenschutz einem Sieb gleicht, in das von der Masse unbemerkt immer mehr Löcher geschnitten werden. Ja, es wird mit Streetview Geld verdient, ja, und es gibt auch Missbrauchsmöglichkeiten. Aber man muss schon einen behandlungsbedürftigen Verfolgungswahn haben, um in Streeview eine solche Bedrohung zu sehen, dass Vater Staat unbedingt einschreiten muss. Es wird leider nicht erkannt, dass der eigentlich gefährliche Datendieb Vater Staat ist und nicht Streetview!
Ich stimme Ihnen aus vollem Herzen zu.
5. ach ja
nixda 10.08.2010
und wenn man die Autos von Streetview fotografiert droht eine Klage von Google. Zudem hat sich in der Schweiz herausgestellt, dass die Fahrzeuge von Google wirklich überall durchfuhren: durch absolutes Fahrverbot, Einbahnstrassen, durch Tramhaltestellen, in Fussgängerzonen etc. Für jemand, der selbst so empfindlich reagiert fotografiert zu werden halten die sich selbst an erstaunlich wenig. Ein italienisches Sprichwort sagt: "Den Fahrraddieb erkennt man am Schloss."
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Fotostrecke
Street View: Googles diskreter Foto-Laster

Fotostrecke
Web-Konzern: Alles, was Sie über Google wissen müssen
Marktanteile der Tech-Riesen
Suchmaschinen (Desktop)
Google 75,68%
Baidu 11,95%
Yahoo 5,92%
Bing 4,24%
Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Suchmaschinen (Mobil)
Google 88,35%
Yahoo 6,63%
Baidu 3,34%
Bing 1,08%
Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Browser (Desktop)
Microsoft Internet Explorer 58,35%
Firefox 23,72%
Chrome (Google) 11,50%
Safari (Apple) 4,15%
*weltweiter Marktanteil, erhoben auf der Webbrowser-Angabe, Stand: Januar 2012, Quelle: Net Applications
Browser (Mobil)
Safari (Apple) 54,03%
Opera Mini 21,42%
Android Browser 12,74%
Symbian 6,89%
*weltweiter Marktanteil, erhoben auf der Webbrowser-Angabe, Stand: Januar 2012, Quelle: Net Applications
Betriebssysteme (Desktop)
Windows 91,92%
Mac 6,92%
Linux 1,16%
*weltweit, erhoben auf der Webbrowser-Angabe zum user-agent Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Betriebssysteme (Mobil)
Android (Google) 49,7
iOS (Apple) 30,1
Symbian 6,9
RIM 2,1
Nokia 1,8
andere 9,4
Marktanteil an Smartphone-Betriebsystemen im März 2011 in Deutschland (%). Quelle: InMob Mobile Insights, Basis der Auswertung sind 518,7 Millionen inMobi-Werbeeinblendungen auf Mobilgeräten in Deutschland im März 2011 und 470,3 Millionen Werbeeinblendungen im Januar
Werbung
Umsatz gesamt* Umsatz Google* Anteil Google (in %)
Internet 72,842 36,531 50,15
Magazine 43,122 0
TV 184,29 0
Zeitungen 91,495 0
gesamt 458,385 36,531 7,97
*Werbeumsätze 2011, weltweit in Mrd. Dollar, veröffentlicht von ZenithOptimedia 15. März 2012, Googles Werbeumsatz im Jahr 2011
Webnutzer
Angebot Unique Visitors (Mio.) Ø-Stunden
Webnutzer gesamt 366,8 26,75
Google 333,4 3.,14
Microsoft 270,8 3,22
Facebook 240,0 5,43
Wikimedia 161,3 0,22
Yahoo 141,0 1,23
eBay 107,6 0,99
Amazon 91,4 0,27
Top 30 Online Portale in Europa nach Gesamtzahl der Unique Visitors. Mai 2011, Internetnutzer in Europa, Alter 15+, Zuhause und am Arbeitsplatz; Quelle: comScore Media Metrix

Produkte, die Google nie veröffentlichen wollte

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Googles Geschichte
1995 - When Larry met Sergey
Angeblich konnten Larry Page und Sergey Brin einander erst einmal nicht besonders gut leiden, als sie sich im Jahr 1995 zum ersten Mal trafen. Der 24-jährige Brin war übers Wochenende in Stanford zu Besuch, der 23-jährige Page gehörte angeblich zu einer Gruppe von Studenten, die Besucher herumführen mussten. Der Legende nach stritten Brin und Page ununterbrochen miteinander.
1996 - Es begann mit einer Rückenmassage
Die erste Suchmaschine, die Page und Brin gemeinsam entwickelten, hatte den Arbeitstitel "BackRub" (Rückenmassage), weil sie im Gegensatz zu anderen zu dieser Zeit eingesetzten Suchtechniken auch "Backlinks" berücksichtigte, also Links, die auf die entsprechende Web-Seite verwiesen.
1998 - Finanzierung
Nachdem die Versuche gescheitert waren, die eigene Entwicklung an ein Unternehmen wie Yahoo zu verkaufen, entschlossen sich Brin und Page entgegen ihren ursprünglichen Plänen, selbst ein Unternehmen zu gründen. Der Legende nach bekamen sie von Andy Bechtolsheim, einem der Gründer von Sun Microsystems, einen Scheck über 100.000 Dollar - ausgestellt auf Google Inc., obwohl ein Unternehmen dieses Namens zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht existierte. Insgesamt brachten die beiden eine Anfangsfinanzierung von knapp einer Million Dollar zusammen - was reichte, um in der Garage eines Freundes in Menlo Park, Kalifornien, ein Büro einzurichten und einen Angestellten zu engagieren. Im September wurde das mit einer Waschmaschine und einem Trockner ausgestattete Büro eröffnet - was heute als offizielle Geburtsstunde von Google betrachtet wird.
1999 - Mehr Geld und ein neues Heim
Schon im Februar 1999 zog das rasant wachsende Unternehmen in ein richtiges Bürogebäude um. Inzwischen hatte es acht Mitarbeiter. Erste Firmenkunden bezahlten Geld für Googles Dienste. Am 7. Juni wurde eine zweite Finanzierungsrunde verkündet: Die Wagniskapitalgeber Sequoia Capital und Kleiner Perkins Caufield & Byers schossen insgesamt 25 Millionen Dollar zu. Noch im gleichen Jahr bezog das Unternehmen den "Googleplex", den Kern des heutigen Hauptquartiers in Mountain View, Kalifornien.
2000 - AdWords
Das Jahr 2000 muss als jenes gelten, in dem Google tatsächlich zu dem gemacht wurde, was es heute ist: dem mächtigsten Werbe-Vermarkter im Internet. Der Start eines "Schlüsselwort-gesteuerten Werbe-Programms" schuf die Basis für den gewaltigen kommerziellen Erfolg von Google. Man benutze "ein proprietäres Anzeigen-Verteilungssystem, um eine der Suchanfrage eines Nutzers sorgfältig angepasste Werbeanzeige beizugeben", erklärt die Pressemitteilung von damals das Prinzip. Die Anzeigen konnten online auf sehr einfache Weise eingekauft werden - AdWords war geboren und brachte sofort Geld ein. Noch heute ist die Vermarktung der Textanzeigen auf der Suchseite die zentrale Säule des Google-Imperiums, die den Löwenanteil aller Umsätze ausmacht. Parallel wurden im Jahr 2000 neue Kunden gewonnen, die Google-Suche in ihre Angebote integrierten, darunter Web-Seiten aus China und Japan. Im gleichen Jahr wurde auch die Google Toolbar veröffentlicht, die es erlaubte, mit Google das Netz zu durchsuchen, ohne auf die Google-Web-Seite zu gehen.
2001 - Profit und ein neuer Eric Schmidt
Schon im Jahr 2001 machte Google Profit - was man von den meisten anderen Start-ups, die zu dieser Zeit noch die Phantasien der Börsenmakler beflügelten, nicht behaupten konnte. Um den Anforderungen eines rasant wachsenden Unternehmens gerecht zu werden, wurde Eric Schmidt, der zuvor schon führende Positionen in Firmen wie Novell und Sun Microsystems innegehabt hatte, im August 2001 zum Chief Executive Officer Googles ernannt.
2002 - Corporate Search, Google News, Froogle
Seit 2002 verkauft Google auch Hardware - Such-Lösungen für die Intranets von Unternehmen. Im September des Jahres wurde die Beta-Version von Google News livegeschaltet, dem Nachrichten-Aggregator, der bis heute für zuweilen böses Blut zwischen Zeitungen, Nachrichtenagenturen und den Suchmaschinisten sorgt. Ein Algorithmus sammelt Schlagzeilen und Bilder und komponiert daraus nach bestimmten Kriterien eine Übersichtsseite. Im Dezember startete zudem Froogle, eine mäßig erfolgreiche Produkt-Suchmaschine. Heute heißt Froogle schlicht Google Product Search.
2003 - AdSense und Blogger
AdSense ist die zweite wichtige Säule im Google-Anzeigenimperium. Im Jahr 2003 wurde der Dienst vorgestellt, der den Text auf Web-Seiten analysiert und daneben passende Werbeanzeigen platzieren soll. Das System bietet auch Betreibern kleiner Web-Seiten die Möglichkeit, ihre Angebote zu monetarisieren - die Einkünfte werden zwischen Seiteninhaber und Google aufgeteilt. Im gleichen Jahr kaufte Google Blogger, einen großen Blog-Hoster.
2004 - Picasa, Googlemail, Bücher und ein Börsengang
Der Start des E-Mail-Dienstes Googlemail (in den USA Gmail) wurde am 1. April verkündet, mitsamt der Nachricht, dass die Nutzer ein Gigabyte Speicherplatz zur Verfügung haben würden. Es wurde schnell klar, dass es sich nicht um einen Scherz handelte - und dass Google daran selbstverständlich verdienen will. AdSense wurde von Anfang an eingesetzt, um E-Mails nach Schlüsselwörtern zu durchsuchen und mehr oder minder passende Reklame daneben einzublenden. Im Juli kaufte Google Picasa, ein Unternehmen, das sich auf die digitale Fotoverwaltung spezialisiert hatte. Heute ist Picasa ein On- und Offline-Angebot - Googles Antwort auf Flickr.

Am 19. April konnte man Google-Aktien an der Technologiebörse Nasdaq erstmals kaufen. Eine Aktie kostete 85 Dollar. Heute ist sie knapp fünfmal so viel wert. Mit dem vielen neuen Geld stieß Google noch im gleichen Jahr verschiedene Projekte an - unter anderem Google Print: Mit den Universitäten Harvard, Stanford, University of Michigan, University of Oxford und der New York Public Library kam man überein, Bücher zu scannen, zu digitalisieren und online durchsuchbar zu machen. Im darauffolgenden Jahr wurde Google Print in "Book Search" umbenannt. Inzwischen sind zahlreiche andere Bibliotheken mit im Boot - auch deutsche.
2005 - Google Maps und Google Earth
Im Jahr 2005 kam die Google-Maschinerie richtig in Schwung. In rasantem Tempo veröffentlichte das Unternehmen, das bis zum dritten Quartal auf fast 5000 Mitarbeiter angewachsen war, eine Anwendung nach der anderen. Die im Rückblick wohl wichtigste: Google Maps, der Kartendienst, der die Welt geografisch durchsuchbar machen sollte, und sogleich mit der bis dahin nur mäßig erfolgreichen lokalen Suche Google Local verschmolz. Die im Jahr zuvor angekaufte Satellitenkapazität kam nun zum Einsatz: Sie bot die heute beinahe selbstverständliche Möglichkeit, Satellitenfotos statt abstrakter Karten anzusehen. Später im Jahr kam auch noch die Desktop-Software Google Earth, Googles Digitalglobus. Außerdem starteten: die "personalisierte Homepage", die heute iGoogle heißt, Googles Video- und Fotosuche, die Voice-over-IP und Instant-Messaging-Lösung Google Talk, der bis heute ziemlich glücklose Kleinanzeigendienst Google Base, ein eigener RSS-Reader. Und: Google kaufte das Unternehem Urchin und verwandelte dessen Webtraffic-Analysemethoden in sein Angebot Google Analytics. Damit bot das Unternehmen nun erstmals die vollständige Dienst-Palette einer Netz-Mediaagentur, eines Online-Werbevermarkters.

Die Geschäfte liefen auch 2005 hervorragend für Google - so gut, dass man eine Partnerschaft mit dem strauchelnden Online-Dinosaurier AOL verkünden und eine Millarde Dollar in das Unternehmen investieren konnte.
2006 - Google Video, Web-Applikationen , YouTube - und Kritik
Anfang des Jahres stellte Larry Page bei einem Vortrag bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas Google Video vor - und Google Pack, einen ersten, offenkundigen Angriff auf Microsoft, denn das Software-Paket enthielt diverse Anwendungen, die als Konkurrenzprodukte zu Microsofts Angebot gelten können. Gegründet wurde die Wohltätigkeitsorganisation Google.org, an den Start gingen außerdem der Finanzinformationsdienst Google Finance und die Paypal-Konkurrenz Google Checkout. Vor allem aber ist 2006 das Jahr, in dem man bei Google ernsthaft damit begann, Office-Anwendungen ins Web zu verlegen. Neben dem Google-Kalender wurde am Jahresende auch Google Docs & Spreadsheets livegeschaltet. Zuvor hatte Google Upstartle gekauft, ein Unternehmen, das bis dahin das Online-Textverarbeitungsprogramm Writely hergestellt hatte - nur eine von mehreren Akquisitionen. Auch SketchUp (3-D-Gebilde für Google Earth) und die Wiki-Plattform JotSpot wurden 2006 ins Google-Reich integriert.

Der prominenteste Ankauf des Jahres war jedoch YouTube: Google zahlte 1,65 Milliarden Dollar für die Videoplattform und holte sich so Konkurrenz zum eigenen, eben erst gestarteten Videoangebot ins Haus. Zudem wurde eine Werbe- und Suchpartnerschaft mit dem eben von Rupert Murdoch aufgekauften MySpace verkündet: Google stieg endlich ernsthaft ins Geschäft mit dem Web 2.0 ein.

Parallel verlor Google in den Augen vieler Nutzer seine Unschuld: mit dem Start einer eigenen Suchmaschine für China, die sich den Zensurwünschen der dortigen Regierung beugt. Eine Tibet-Unterstützergruppe rief eine Initiative namens "No love 4 Google" ins Leben - und fasste damit einen globalen Meinungsumschwung zusammen. Der Engelsglanz des vermeintlich anderen, besseren Unternehmens, den Google lange hatte aufrechterhalten können, schwand nach und nach.

Ende 2006 hat Google mehr als 10.600 Angestellte.
2007 - Googlemail für alle, DoubleClick, Streetview und Android
Im Februar wird Googles E-Mail-Dienst für alle geöffnet - bis dahin brauchte man eine Einladung, um seine E-Mails von AdSense nach Schlüsselwörtern durchsuchen zu lassen.

Vor allem aber ging Google 2007 auf Einkaufstour - in seinem Kerngeschäftsbereich, der Online-Werbung. Zunächst wurde Adscape, ein Spezialist für Werbung in Computerspielen, aufgekauft, dann DoubleClick. Über drei Milliarden Dollar ließ man sich den Online-Anzeigenvermarkter kosten - und eine Menge Ärger. Erst im März 2008 segnete die EU-Kommission den Kauf ab. Datenschützer sehen Google seit der DoubleClick-Akquisition noch kritischer, denn das Unternehmen ist nicht zuletzt darauf spezialisiert, möglichst gründlich Nutzerdaten zu sammeln, um personalisierte Werbung servieren zu können.

Außerdem schickte Google 2007 seine Foto-Autos los: Für die Maps-Erweiterung Streetview fuhren die Kamera-Mobile zunächst durch US-Großstädte - im Jahr 2008 sind sie auch in Deutschland unterwegs.

Außerdem beginnt Google verstärkt, Fühler in Richtung der alten Medienwelt auszustrecken - es gibt Testläufe für Werbevermarktung im Radio, in Print-Publikationen und im traditionellen Fernsehen.

Schon seit Jahren hatte Google verschiedene seiner Dienste in speziellen Handy-kompatiblen Versionen angeboten - Ende 2007 kam dann der ganz große Schritt in die mobile Welt: Das Handy-Betriebssystem Android wurde angekündigt, ein Open-Source-Projekt in Zusammenarbeit mit vielen Telekommunikationsanbietern und Handy-Herstellern.

Ein weiteres Open-Source-Projekt soll Google den Zugriff auf das Vermarktungspotential der Social Networks erleichtern: Die Plattform OpenSocial soll Netzwerkapplikationen transportabel machen, so dass sie bei MySpace genauso laufen können wie bei Xing. Die meisten der großen Communitys sind OpenSocial beigetreten - bis auf Facebook.
2008 - Knol, Chrome und kein Ende
Im laut offizieller Zeitrechnung zehnten Jahr seiner Existenz lässt die Suchmaschine im Tempo nicht nach. 2008 wurden eine kollaborative Wissensplattform (Knol), eine 3-D-Chatanwendung (Lively), Straßenansichten für noch mehr Großstädte - und ein eigener Google-Browser gestartet.

Gleichzeitig wächst die Kritik am Suchmaschinengiganten. Die immer neuen Projekte scheinen vielen Nutzern und Datenschützern inzwischen Ausdruck eines gewaltigen Datenhungers - sowohl auf persönliche Informationen über die Nutzer als auch auf nahezu jede beliebige Art von Information, die dem gewaltigen Weltarchiv Google einverleibt werden könnte. Der Google Leitspruch "Don't be evil" hat für manche inzwischen einen hohlen Klang, und die Missionserklärung, man wolle "alle Information der Welt organisieren", klingt zuweilen eher wie eine Drohung.

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