Fototricks statt Bildbearbeitung Wie man Flüssigkeiten richtig fotografiert

Mit einem Blitzlicht kann man Spritzer von Wasser, Milch und anderen Flüssigkeiten im Flug einfrieren. Das Fotomagazin "Docma" zeigt, wie man die dahinter stehende Technik in der Praxis nutzen kann.

T-Shirt mit Wasserspritzern
Eberhard Schuy/ DOCMA

T-Shirt mit Wasserspritzern

Von "Docma"-Autor Eberhard Schuy


Fotos von Getränken, Flüssigkeiten und Splashes haben eine besondere Wirkung, die auf das Einfrieren der mit bloßem Auge kaum erkennbaren Formen zurückgeht, die einzelne Tropfen oder größere flüssige Volumina im Flug annehmen. In den letzten Jahren waren solche Bilder in der Werbung und den fotografischen Foren an der Tagesordnung.

Zum Glück ist man mittlerweile davon abgekommen, alle passenden und unpassenden Motive mit fliegenden Flüssigkeiten vermeintlich interessanter zu gestalten. Oft war es wohl doch eher die pure Faszination des Machbaren, die zu solchen Bildern führte, als eine kreative oder gar logische Notwendigkeit. Dennoch ist es nützlich, hinter die Techniken dieser Art von Fotografie zu schauen. Womit früher vordergründige Effekte erzeugt wurden, taugt auch dafür, unauffällige Details von Bildern aufzuwerten.

Wohlgemerkt: Es geht nicht darum, ohne Bildbearbeitung zu guten Ergebnissen zu kommen. Das Ziel ist, bei der Aufnahme einerseits den Bedarf für eine spätere Retusche zu reduzieren, diese aber dort, wo man nicht auf sie verzichten kann, optimal zu unterstützen. Aufnahmen mit richtigen "Splashes" kommen kaum ohne Bildbearbeitung aus. Auch bei analogen Arbeitsweisen wurde immer retuschiert, wenn isolierte Splashes gefordert waren. Das Verhalten der Flüssigkeiten ist nicht immer so steuerbar, wie wir uns das vom kreativen Standpunkt aus wünschen, und daher ist es keine Schande, wenn Splash und Objekt separat aufgenommen und dann montiert werden.

Weinglas

Eberhard Schuy/ DOCMA

Das Interesse des Betrachters wird gezielt auf die Wassertropfen und die Oberfläche des Getränks gelenkt. Die Tropfen sind in Größe und Anordnung natürlich nicht zufällig. Dort, wo das Glas besonders hell erscheint, sind sie relativ groß und verschwinden nach oben hin scheinbar ohne Abgrenzung. Je dunkler das Glas wird, desto kleiner werden die Tropfen.

Die Lichtmodulation hebt die Form des Glases hervor, und dies wird durch die Verteilung der Tropfen noch unterstützt. Die Tropfen wirken also dem Licht angepasst und daher natürlich. Es ist wichtig, dabei auf möglichst klar abgegrenzte Tropfen zu achten. Sie sollten nicht ineinander laufen und mit einer schönen Tropfenform auf dem Glas stehen.

Oft höre ich die Empfehlung, hierzu ein Glyzerin-Wasser-Gemisch zu verwenden. Wer damit klarkommt, dem möchte ich gratulieren; ich habe das in über 30 Jahren Praxis noch nicht geschafft. Das große Problem mit dieser Mischung ist: Jeder ablaufende Tropfen zieht eine Fettspur hinter sich her, und damit kann man die Tropfen nicht gezielt positionieren. Gerade bei solchen Aufnahmen werden aber zur perfekten Gestaltung einzelne Tropfen mit der Ecke eines Papiertuches aufgenommen, um mit einer Pipette an dieser Stelle einen größeren oder kleineren Tropfen zu positionieren.

Es hilft also nichts: Die Gläser müssen so präpariert sein, dass wir mit normalem Wasser die Tropfen wie gewünscht platzieren können. So sind die Gläser dann gut gespült und sehr sauber, mit der Betonung auf "sehr ", denn "sauber " allein reicht oft nicht. Zusätzlich werden sie mit einem Badreiniger eingesprüht, der dafür sorgt, dass alle eventuell vorhandenen Kalkflecken verschwinden und die Tropfen auf der Oberfläche des Glases gut stehen bleiben.

Gefunden in

Hier verwende ich nicht etwa destilliertes Wasser, sondern kalkhaltiges Leitungswasser. Sollte das nicht helfen, um gut aussehende Wassertropfen auf Gläser zu sprühen, kann das Glas noch mit einem Imprägnierspray behandelt werden. Die Probleme der Schlierenbildung werden dann allerdings wieder größer.

Ich empfinde es meist als störend, wenn die Oberfläche einer Flüssigkeit ruhig und glatt den Hintergrund widerspiegelt. Bei diesem Weinglas wäre das eine fast weiße glatte Fläche. So benutze ich einen simplen Trick: Ich tippe das Glas kurz vor der Belichtung mit einem Finger an, um eine leichte Bewegung in die Flüssigkeit zu bekommen. Mit etwas Erfahrung und dem richtigen Schwung wird auf diese Art eine natürlich scheinende Bewegung mit in die Aufnahme integriert und das Foto wirkt nicht steril und gewollt.

Frisch gezapft

Eberhard Schuy/ DOCMA

Bei Aufnahmen von Bier oder auch anderen wirklich kühlen und frischen Getränken wirken unterschiedlich große Tropfe in den einzelnen Helligkeitsbereichen sauber und appetitlich. Sind die Gläser gut präpariert, lässt sich auch ein einzelner ablaufender Wassertropfen mit einem Holzstäbchen an der richtigen Stelle positionieren.

Sprudel

Auch sprudelndes Wasser kann einfach und unkompliziert fotografiert werden, obwohl ich bei dieser Fotografie sehr froh war, durch Nachbearbeitung störende Wasserspritzer auf dem Glas entfernen zu können.

Da ich kein Freund von partieller Ausfleckretusche bin, fotografierte ich das leere Glas einmal in ganz sauberem Zustand. Bei solchen Aufnahmen steht natürlich das Objekt fest an einer Position, und die Kamera befindet sich auf einem Stativ. Hier stand das Glas auf einer weißen Plexiglasscheibe, die von unten mit einem Spot durchleuchtet wurde. Das Licht war dabei so stark eingestellt, dass das Glas nach unten fast zum Weißen hin überstrahlt wurde. Wichtig war es, darauf zu achten, dass der Lichtkegel von unten so klein wie möglich blieb. Je großflächiger das Licht die Platte durchscheint, desto geringer wird der Kontrast des sprudelnden Wassers. Es ist also mitunter sinnvoll, die weiße Platte außerhalb der Aufnahmefläche schwarz abzudecken; so entstehen die starken Kontraste, die auch dieses Bild bestimmen.

Eberhard Schuy/ DOCMA

Nachdem alles eingestellt war, habe ich das Wasser sehr schnell in einem Guss in das Glas gekippt und, sobald kein Wasser mehr floss, sofort belichtet. Es ist hilfreich, die richtige Menge Wasser vorher abzumessen und aus einem Becher in das Glas zu schütten. So läuft nichts über und ein paar störende Wasserspritzer am Glas werden in der Postproduktion per Ebenentechnik mit der im Vorfeld belichteten Aufnahme des sauberen Wasserglases ausgeblendet. Wer die Geduld aufbringt, die nötige Zahl an Fotos zu schießen, kann solche Aufnahmen aber auch ohne Bildbearbeitung fotografieren.

Zucker zum Kaffee

Eberhard Schuy/ DOCMA

Der auf der vorigen Seite beschriebene Trick mit dem leichten Schwung des Glases funktioniert bei jedem Getränk. Auch bei diesem Bild einer scheinbar ins Rutschen geratenen Kaffeetasse wird klar: Eine glatte, unbewegte Kaffeeoberfläche wäre nicht nur langweilig, sondern auch unrealistisch.

Die Tasse war in diesem Fall an der Untertasse festgeklebt, ebenso wie der untere Zuckerwürfel. Das obere Zuckerstück hing an einem später wegretuschierten Stab und der Löffel wurde einfach während der Aufnahme ins Bild gehalten. Mit einer Belichtungszeit von 1/10 Sekunde habe ich die leichten Unschärfen erzeugt. Der Unterteller klebte rechts an einem Stativ, das im Schatten liegt, so dass es selbst ohne Retusche nicht mehr zu erkennen ist.

Splashes hinzufügen

Eberhard Schuy/ DOCMA

Für das Aufmacherbild habe ich die Aufnahme des Hemds mit einem separat aufgenommenen Wasserspritzer kombiniert. Der Spritzer entstand durch eine Kugel, die auf einer Wasseroberfläche einschlug. Wichtig war eine sehr kurze Belichtungszeit, die hier durch ein Blitzgerät ermöglicht wurde. Der Gegensatz zwischen dem hellen Gegenlicht hinter dem spritzenden Wasser, während die Umgebung ansonsten dunkel ist, sorgt für die hohen Kontraste. Das Foto habe ich dann entgegen dem Uhrzeigersinn gedreht und passend skaliert, um es mit dem Hemd zu verbinden.

Achten Sie bei solchen Bildern einmal darauf: Wenn nicht gerade kleinere Objekte mit Splashes in Verbindung stehen, sind die Größenverhältnisse zwischen Wasserspritzern und Objekt oft nicht passend. Den Bildern schadet das selten, finde ich, denn es geht bei dieser Art der Fotografie immer um die Wirkung und selten um den Wunsch nach einer dokumentarisch korrekten Abbildung.

Schiefe Ebene

Eberhard Schuy/ DOCMA

Überfließende Flüssigkeiten erzeuge ich am liebsten über eine Rutsche, bei der ein Glas auf einer weißen Plexiglasplatte befestigt ist. Diese Platte rutscht dann bis zu einem Anschlag auf einer zweiten, durchsichtigen Plexiglasplatte herunter. Der Aufbau lässt sich von unten beleuchten - bei transparenten Flüssigkeiten ist das besonders wichtig. Über den Anstellwinkel, die Rutschstrecke und den Drehwinkel kann der Splash fast frei bestimmt werden. Wenn zuerst eine Ecke der rutschenden Platte unten anschlägt, entsteht eine Drehbewegung, die sich auf den Splash auswirkt. Ein wenig Sirup in der Flüssigkeit verhindert zu viele kleine "hektische" Wasserspritzer. Dieser Aufbau ermöglicht unterschiedliche Perspektiven, auch die Vogelperspektive.

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