Fragliches Geschäftsmodell: Web-Visionär Jarvis nennt Facebook rückständig

Scharfe Kritik an Facebook: Die Web-Vordenker Jeff Jarvis und Umair Haque werfen der größten Online-Community eklatante Mängel vor. Das Geschäftsmodell sei nicht mehr zeitgemäß. "Wäre ich Facebook, würde ich mich vermutlich umbringen", sagte Haque auf der Next09-Konferenz.

Hamburg - Es gibt mehrere Arten, Kritik zu verpacken. Umair Haque, Direktor des Havas Media Lab, hat auf der Next09-Konferenz den verbalen Vorschlaghammer gewählt. "Wäre ich Facebook, würde ich mich vermutlich umbringen", sagte er auf einer Podiumsdiskussion darüber, wie das Internet etablierte Geschäftsmodelle weiterentwickelt.

Jeff Jarvis: "Ich wäre lieber Google"
Jake Jarvis

Jeff Jarvis: "Ich wäre lieber Google"

Kaum weniger schonend formulierte Jeff Jarvis seine Kritik. "Facebook? Ich wäre lieber Google", sagte der Betreiber des Blogs Buzzmachine, der als einer der wichtigsten Medien-Vordenker gilt. Google lege zumindest noch eine gewisse Experimentierfreude mit neuen Produkten an den Tag. Facebook dagegen habe seine Chancen nicht genutzt, ein innovatives Geschäftsmodell zu etablieren - und fokussiere sich nun auf den falschen Weg. Mehr noch: Nachdem Facebook zunächst Google in eine "Identitätskrise gestürzt" habe, leide nun Facebook durch Twitter selbst an eben einer solchen.

Laut Jarvis habe Twitter Facebook in einem zentralen Punkt überrundet: Twitter unterstütze konsequent sogenannte bottom-up-Kommunikation - und das, in Gegensatz zur E-Mail, in Form eines öffentlichen Forums. "Twitter schafft Kommunikationskanäle, über die Nutzer direkt auf Firmen einwirken können", sagte Jarvis. Facebook dagegen unterstütze hauptsächlich top-down-Kommunikation, es schaffe zusätzliche Kommunikationskanäle für Firmen, die eigenen Botschaften zu platzieren.

Auch Haque kritisierte Facebooks Kommunikationsstruktur. "Die erfolgreichen Geschäftsmodelle der Zukunft werden diejenigen sein, die einen permanenten Rückkanal zum Nutzer etablieren", sagte der Medienforscher. Nur Firmen, die ihre Strategie an einem permanenten Feedback ihrer Kunden orientieren, könnten letztlich ihre vollen Möglichkeiten ausschöpfen. Kommunikationskanäle wie Twitter seien in diesem Sinne besonders effektive Mess-Werkzeuge.

Die nächste Generation von Start-ups wird Haque zufolge genau dieses Prinzip aufgreifen. Aktuell entbrenne ein Wettbewerb um das beste Kommunikationswerkzeug, das es Menschen ermögliche, Firmen, Institutionen, Organisationen oder auch Einzelpersonen direkt und wirksam anzusprechen. Facebook ist Haque und Jarvis zufolge in diesem Wettbewerb weit abgeschlagen.

ssu

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